Kalt und nass - so kennen die Athleten den Powerman
in Zofingen. Doch dieses Jahr war alles anders. Die gestrige Hitze war für viele
der grösste Gegner. Als Sieger durften sich schliesslich Erika Csomor aus Ungarn
und Koen Maris aus Belgien feiern lassen.
Vorjahressieger und Favorit Benny Vansteelant hatte
sie, ebenso Lokalmatador Jonas Baumann und gar der spätere Sieger Koen Maris:
Magenprobleme. Ausschlaggebend war die Hitze. Die Folgen: Vansteelant gab auf,
Baumann fiel vom 5. auf den 21. Platz zurück. Anders Koen. Der 30-jährige
Belgier musste zwar einen WC-Halt einlegen und verlor so einige Minuten, zum
Sieg reichte es trotzdem. Mehr noch: Mit seiner Zeit von 6:21 Stunden unterbot
er den bisherigen Streckenrekord von Olivier Bernhard klar (6:22.04/1998).
Lange sah es nach einem Sieg des Belgiers Benny
Vansteelant aus. Es wäre der dritte in Serie gewesen. Wäre. Denn sein Magen kam
mit der Hitze nicht zurecht, Vansteelant stieg auf der zweiten Laufstrecke nach
knapp 20 km aus. Sein Landsmann Koen hingegen spricht vom Höhepunkt seiner
Karriere. 2005 holte er bereits Silber, Bronze war es vor einem Jahr. «Aber ob
ich im nächsten Jahr meinen Titel verteidige, weiss ich noch nicht», so Koen.
Schliesslich habe er eine Familie, um die er sich kümmern müsse, und nun seinen
Traum verwirklicht ...
Nach einer Überraschung sah es bei den Frauen beim
Wechsel von der Rad- auf die zweite Laufstrecke aus. Nicht etwa die Ungarin
Erika Csomor - Siegerin der letzten drei Jahre - tauchte als Erste auf, sondern
Eva Nyström aus Schweden. Das veranlasste zu Spekulationen: Hatte sich die
30-jährige Schwedin auf der 150 km langen Radstrecke überschätzt? Oder endete
das Frauenrennen mit einer Sensation? Eingetroffen ist weder das eine noch das
andere. Csomor zog schon bald an Nyström vorbei und lief danach einem sicheren
Sieg entgegen. Und Nyström? «Nein», antwortete sie bestimmt auf die Frage des
Stadionsprechers Konrad von Allmen, ob sie ihr Pulver nicht schon auf dem Rad
verschossen habe. «Ich fühlte mich gut», führt die Schwedin aus. Noch besser
fühlte sich Erika Csomor auf der Laufstrecke. Sie dosierte ihre Kräfte bewusst.
«Easy, easy», habe sie Nyström noch zugerufen, als die Schwedin auf dem Rad an
ihr vorbeigefahren sei, so Csomor im Ziel, wo sie als erste Athletin überhaupt
den vierten Sieg in Zofingen feierte. Feiern darf auch die Zofingerin Stephanie
Vollenweider. Sie hatte sich spontan zur Teilnahme entschieden und lief als gute
Vierte ins Ziel. Eine leidende Konkurrentin hatte sie noch auf dem Heiteren
passiert. «Ich versuchte, ihr Mut zu machen, aber ihr liefs wohl nicht mehr so
gut wie mir.»
Von einem «perfekten Rennen» sprach Urs Dellsperger,
der den Powerman Zofingen 1995 und 1997 als damaliger Profi-Athlet gewann und
heuer sein Comeback gab. «Das war das pefekteste Rennen meiner Karriere», meinte
der 44-Jährige, der als Vierter einlief. Er habe milliliter- und kalorienexakt
getrunken und gegessen, erklärte Dellsperger, weshalb er nicht mit Magenprobleme
zu kämpfen hatte.