News: Interview: Dr. Sebastian Longrée zum Verfahren Maximilian Schwetz gegen die DTU

18.04.2017 20:13 von Jan Sägert

Dr. Sebastian Longrée ist Rechtsanwalt und aktiver Triathlet (Foto: Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare)

Am Mittwoch steht vor dem Landgericht Frankfurt am Main der Termin zur mündlichen Verhandlung in dem von Maximilian Schwetz gegen die Deutsche Triathlon Union eingeleiteten Prozess an. Wir haben dazu Rechtsanwalt Dr. Sebastian J.M. Longrée (Partner bei Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare und aktiver Triathlet), der die DTU in dem Verfahren vertritt, zu einigen wichtigen Punkten befragt.

Herr Dr. Longrée, worum geht es in dem Verfahren vor dem Landgericht Frankfurt am Main?

Es handelt sich um ein einstweiliges Verfügungsverfahren. Der Athlet hatte versucht, von dem Gericht eine einstweilige Verfügung ohne rechtliches Gehör, also ohne Chance der Stellungnahme der DTU zu erwirken. Das Gericht ist jedoch dem Antrag der DTU gefolgt und hat eine mündliche Verhandlung angesetzt. In der Sache geht es ausschließlich um die Frage, ob der Athlet gegen die DTU einen Anspruch auf Nominierung und Meldung zu dem Weltcup in Chengdu und dem WTS-Rennen in Yokohama hat, der wegen seiner Dringlichkeit eine einstweilige Verfügung rechtfertigt. Grundsätzliche und weitergehende Fragen müssten gegebenenfalls in einem sogenannten Hauptsacheverfahren geklärt werden. Als Sportler würde ich mir natürlich wünschen, dass man derartige Konflikte doch einvernehmlich in den Griff bekommt.

Warum nominiert und meldet die DTU Maximilian Schwetz nicht einfach zu den beiden Wettkämpfen?

Der Athlet hat keinen Anspruch darauf. Weder hat er den nach den Nominierungskriterien geforderten Leistungsnachweis erbracht noch ist er bereit, die Athletenvereinbarung, die das Rechtsverhältnis zwischen den Athleten und der DTU regelt, zu unterzeichnen. Diese Anforderungen gelten für alle Athletinnen und Athleten gleichermaßen, weshalb es aus Gründen der Chancengleichheit und Gleichberechtigung auch keine Ausnahmen geben darf. Herr Schwetz hatte der DTU den Abschluss einer Sondervereinbarung, einer Art „Geheimvertrag“, vorgeschlagen. Darin sollten ihm gegenüber anderen Athletinnen und Athleten von den allgemeinen Kriterien abweichende Rechte eingeräumt werden. Dass die DTU dies abgelehnt hat, dürfte ohne weitere Erklärung einleuchtend sein.

Was hat die DTU dazu bewogen, ab dieser Saison einen Leistungstest für die Elite- und U23-Athleten einzuführen?

Grundlage hierfür war sicherlich das enttäuschende Abschneiden deutscher Triathleten im letzten Olympiazyklus und die Vorgaben des DOSB/BMI im Zuge der Neustrukturierung des deutschen Leistungssports. Nicht zuletzt geht es aber auch bei dem Leistungstest um Chancengleichheit und Gleichberechtigung für alle Athletinnen und Athleten. Auch die jüngeren Jahrgänge können damit bei entsprechender Leistungsfähigkeit an internationalen Rennen teilnehmen. Nur am Rande: Maximilian Schwetz hat genau auf diesen Weg damals seine Nominierung für die EM 2012 erzielt und den internationalen Einstieg geschafft.

In dem Zusammenhang wurde die Frage aufgeworfen, ob dem Athleten damit die Möglichkeit genommen wird, seinen Beruf auszuüben und Geld zu verdienen?

Nein, der bekannte Leistungstest vom 18. März in Potsdam betrifft nur die Wettkämpfe des zweiten Quartals 2017, d.h. weitere Leistungsnachweise im Laufe des Jahres sind allen Athletinnen und Athleten möglich. Überdies hat die DTU für den 6. Mai eine zusätzliche Leistungsüberprüfung angesetzt, weil sich gezeigt hat, dass bei dem März-Termin mehrere Athletinnen und Athleten krank bzw. verletzt waren und man diesen Athletinnen und Athleten, zu denen auch Maximilian Schwetz gehört, die Möglichkeit geben möchte, früher in die Saison einzusteigen.

Zum anderen haben die Athleten eine große Auswahl an Wettkämpfen, national wie international, bei denen Preisgelder gezahlt werden. Zu all diesen Rennen ist eine Nominierung durch die DTU nicht erforderlich. Das ist allein bei Rennen der International Triathlon Union (ITU) der Fall und für diese sieht das ITU-Regelwerk eindeutig die Kompetenz zur Nominierung bei den nationalen Fachverbänden. Im Hinblick auf den Fall des Streit führenden Athleten ist dabei interessant, dass dieser in den vergangenen vier Jahren bei ITU-Rennen insgesamt und vom Einzelfall abgesehen keine signifikanten Preisgelder erzielt hat. Auch die Behauptung, dass gerade ein Start in Chengdu und Yokohama diesem erhebliche Sponsorengelder einbringt, ist nicht ersichtlich und bewiesen. Dagegen zeigt sich, dass der Athlet in den vergangenen Jahren massiv von der institutionellen Förderung durch die DTU und „den Staat“ profitiert hat.

Wie ist Ihre rechtliche Einschätzung zum Ausgang des Verfahrens?

Nach meiner rechtlichen Einschätzung hat der Athlet keinen Anspruch auf Nominierung und Meldung zu den Wettkämpfen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und auch des Landgerichts Frankfurt a.M. besteht ein derartiger Anspruch allenfalls dann, wenn der Athlet die von dem Verband aufgestellten Nominierungskriterien erfüllt. Das ist hier derzeit nicht der Fall. Die von der DTU aufgestellten Kriterien sind sportfachlich begründet und sachgerecht. Sie stehen damit im Einklang mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Die DTU behandelt sämtliche Athleten gleich. Eine vermeintliche Diskriminierung liegt damit gerade nicht vor. Eine unbillige Beschränkung der Ausübung des Triathlonsports scheidet vor diesem Hintergrund und angesichts der zuvor schon erwähnten vielfältigen Start- und Verdienstmöglichkeiten aus. Letztlich sehe ich auch keine Dringlichkeit, die für den Erlass einer einstweiligen Verfügung Voraussetzung ist. Die DTU hat dem Athleten – wie allen anderen bei dem ersten Leistungstest erkrankten/verletzten Athletinnen und Athleten – die Möglichkeit eingeräumt, Anfang Mai den Leistungstest nachzuholen. Erbringt der Athlet dort die – nach seiner Aussage durch ihn „problemlos“ zu erfüllenden – geforderten Zeiten und unterzeichnet wie die übrigen Athleten die Athletenvereinbarung, wird die DTU ihn selbstverständlich für das Rennen in Yokohama und gegebenenfalls weitere Wettkämpfe melden.

Welche Folgen hat es für Maximilian Schwetz, wenn er unterliegt?

Aus Sicht der DTU jedenfalls persönlich und sportlich keine. Der Athlet kann an dem Test am 6. Mai in Saarbrücken teilnehmen und bei Erreichen der sportlichen Kriterien sowie Erfüllung der übrigen Nominierungskriterien wird die DTU ihn natürlich auch dementsprechend melden. Gleiches gilt für Leistungen in der Bundesliga. Daher ist es aus der Perspektive der DTU auch sehr verwunderlich, diesen Weg des sportlichen Wettstreits nicht dem einer gerichtlichen Auseinandersetzung vorzuziehen.

Was passiert, wenn das Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die DTU erlässt? Wird die DTU dann ihre Nominierungskriterien ändern? Hätte ein derartiges Urteil noch weitergehende Folgen?

Sollte das Gericht eine einstweilige Verfügung erlassen, wird die DTU dieser nachkommen. Zu einer zwangsläufigen Änderung der Nominierungskriterien führt dies jedoch nicht. Das hiesige Verfahren ist ein Eilverfahren und betrifft allein die beiden genannten Rennen. Im Übrigen würde eine einstweilige Verfügung auch nur im Verhältnis zwischen dem Athleten und der DTU gelten und das eben ausschließlich für diese beiden Wettkämpfe. 

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