News: Sophia Saller: Mit viel Vorfreude nach Rotterdam

12.09.2017 12:57 von Eva Werthmann

Sophia Saller bei der EM in Düsseldorf 2017, Foto: DTU/Jo Kleindl

Mit gedämpftem Erwartungen, aber großer Vorfreude reist DTU-Triathletin Sophia Saller zu den U23-Weltmeisterschaften nach Rotterdam. Nach einer schwierigen Saison 2016 und Verletzungssorgen Anfang dieses Jahres geht die U23-Weltmeisterin von 2014 am Samstag (16. September) gegen starke Konkurrenz an den Start. Wir haben kurz vor der Abreise mit der 23-Jährigen gesprochen.

Mit welchen Gefühlen reist du nach Rotterdam zur U23-Weltmeisterschaft?

Hauptsächlich freue ich mich einfach nur wirklich auf das Rennen. Letztes Jahr war ich leider nicht bei der WM dabei, deswegen ist das überwiegende Gefühl einfach nur Vorfreude. Diese Saison lief etwas anders, als ich es mir erhofft hatte: am Anfang des Jahres war ich verletzt und konnte einige Monate lang nicht laufen, daher bin ich froh jetzt wieder halbwegs fit zu sein. Ich bin mir auf jeden Fall im klaren, dass ich nicht ganz so lauf-fit bin, wie ich es z.B. 2014 war. Ich werde komplett anders in das Rennen reingehen als damals und vor allem nicht mit der Erwartung, zu gewinnen. Allerdings sind mein Schwimmen und auch mein Radfahren einiges stärker als noch 2014 und 2015 – deswegen freue ich mich einfach darauf zu sehen, wo ich stehe und was ich machen kann.

Wie muss denn das Rennen laufen, dass du am Ende sagen kannst: „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung“

Wie gesagt sind mein Schwimmen und Radfahren einiges stabiler und besser als noch vor zwei Jahren. Ich würde deswegen erstmal gern gut schwimmen, besonders weil ich weiß, dass einige starke Schwimmerinnen bei den U23 Frauen an der Startlinie stehen. Es ist meine erste olympische Distanz seit Yokohama im vergangenen Jahr und daher kann ich im Moment gar nicht so richtig einschätzen wie es mir dabei ergehen wird. Mein Schwimmen war jetzt allgemein etwas besser als vor zwei Jahren und ich würde gern zeigen, dass das auch über die olympische Distanz geht. Meiner Meinung nach sollte man ein „gutes Rennen“ nicht umbedingt an der Platzierung festlegen – darauf haben zu viele andere Leute einen Einfluss. Aber solange ich meine derzeitige Leistung abrufen kann, bin ich auf jeden Fall mit dem Rennen zufrieden.

Wer ist aus deiner Sicht die stärkste Konkurrenz bei der U23 momentan?

Emma Jeffcoat (AUS) ist eine sehr gute Schwimmerin, und auch im Laufen gerade echt fit, was sie ja bei dem Bundesliga Rennen in Grimma gezeigt hat. Sie wird meiner Meinung nach wahrscheinlich „the one to beat“ sein. Sophie Coldwell (GBR) ist eine der richtig guten Schwimmerinen im Feld. Ich kenne sie schon lange, weil wir schon zu Juniorenzeiten in England zusammen gestartet sind. Anfang der Saison bei den Britischen Meisterschaften sind wir zusammen auf dem Rad ausgebrochen, was richtig Spaß gemacht hat. Falls das in Rotterdam wieder passieren würde, wäre das natürlich ein Traum: sie schwimmt allerdings leider schon noch ein Stück besser als ich und daher glaube ich kaum, dass das wieder passieren wird. Sophie spekuliert allerdings darauf, auf dem Rad davonzufahren – in Yokohama ist sie das dieses Jahr alleine mit Flora Duffy schon. Deswegen glaube ich, dass bereits beim Schwimmen schon viel entschieden werden wird. Die Französinnen darf man allerdings auch nicht unterschätzen. Leonie Periault und Cassandre Beaugrand sind beide bekannt für ihre Laufstärke. Auch Georgia Taylor-Brown (GBR), ebenfalls eine sehr gute Läuferin, ist wieder am Start. Insgesamt muss ich sagen, dass die U23-WM dieses Jahr sehr gut besetzt ist. Es sind 54 Frauen gemeldet, mehr als im Elite-Damen Feld. Das wird sicherlich ein richtig gutes und spannendes Rennen.

Ihr wart jetzt fast zwei Wochen zusammen im Trainingscamp. Wie war die Stimmung im Team?

Die Stimmung im Team war meiner Meinung nach richtig gut. Es war ein richtiger Teamgeist. Es wurde viel gelacht, aber im Training waren alle fokussiert und bei der Sachen und haben richtig gut trainiert. Meiner Meinung nach war es eines der besten Trainingslager in diesem Jahr. Vielleicht auch, weil es  verletzungs- und krankheitsmäßig nur wenige Ausfälle gab - und die Paratriathleten waren auch dabei, wenn die dabei sind, kann man meist keine schlechte Laune haben.

Was glaubst du, was die anderen DTU-Athleten in Rotterdam leisten können?

Ich muss gestehen, dass ich mir die anderen Startlisten noch nicht so gut angesehen habe. Allerdings glaube ich, dass unsere Junioren sehr gut aufgestellt sind. Tim Hellwig hat bei den Deutschen Meisterschaften in Grimma schon gezeigt, dass er auch bei den Großen schon richtig gut mithalten kann, trotz wenig Lauftraining nach seiner Verletzung. Moritz (Horn) und Tim (Siepmann) haben auch bei der EM schon bewiesen, dass sie vorn mitmischen können und wollen. Bei den Junioren-Männern werden wir gut vertreten sein. Bei den Frauen allerdings auch: Lena Meißner ist ja schon seit einigen Jahren dabei. Sie hatte dieses Jahr krankheitsbedingt eine etwas schwierigere Saison, was sie für ihre letzte Junioren-WM nur noch mehr motivieren wird. Sie ist fit und bester Laune, und kann hoffentlich auch wieder ganz vorne mitspielen. Für die anderen zwei Mädels (Michelle Braun und Bianca Bogen) ist es ihre erste Junioren-WM, sie werden vor allem wichtige Erfahrungen sammeln, haben beide aber auch auf jeden Fall das Potenzial für sich gute Platzierungen zu holen.

Bei uns Älteren: Lasse (Priester) hatte bis vor einigen Wochen beim Laufen wieder ein paar verletzungsbedingte Probleme. In Düsseldorf bei der EM hat er aber schon einmal gezeigt, dass er auch mit wenig Lauftraining gut dabei sein kann – und auch in Kienbaum hat mich sein Lauftalent immer wieder überrascht. Bei den U23 Männern wird glaube ich sehr viel vom Rennverlauf abhängen. Jonas Breinlinger kann richtig schnell schwimmen und würde von einer Ausreißergruppe profitieren. Bei Laura ist es zwar ein relativ kleines Frauenfeld, allerdings sind aus den top 30 gerankten Frauen fast alle an der Startlinie. Laura ist soweit fit und gut drauf – sie hat diese Saison schon bewiesen wie gut sie auch ganz vorne mitspielen kann. Es ist ihr vorletztes Rennen der Saison, da wird sie einfach sehen das Jahr mit einem guten Ergebnis ausklingen zu lassen.

Du hast gesagt, die Saison dieses Jahr ist nicht ganz so gelaufen, wie Du Dir das vorgestellt hast, mit ein paar Verletzungen auch am Saisonanfang. Wie wirst Du nach Rotterdam die Saisonpause angehen. Geht Dein Blick vielleicht schon Richtung 2018?

Die Saison lief bis Januar ganz gut an. Dann hatte ich einen Sturz mit dem Rad, zog mit ein Knochenödem zu und konnte dann erstmal drei Monate kein Lauftraining absolvieren. Inzwischen bin ich so langsam wieder in meinen Flow gekommen. Bereits früher dieses Jahr war klar, dass für mich das Ziel nicht diese Saison sein wird – und den Umständen entsprechend bin ich wirklich einfach froh und positiv überrascht, wie die Saison dieses Jahr gelaufen ist. Das Hauptziel ist jetzt erstmal der Abschluss meiner Promotion in Oxford und dann werde ich mich noch mehr dem Triathlon widmen und an einen der Stützpunkte in Deutschland gehen. Daher geht der Blick natürlich bereits Richtung 2018, aber viel mehr schon Richtung 2019/2020. Nach Rotterdam werde ich noch einen Weltcup in Huelva machen. Für die Saisonpause selbst habe ich keine großen Pläne. Ich werde die meiste Zeit in Oxford sein, zwei der deutschen Triathleten werden mich da ein paar Tage besuchen kommen. Und ich werde mit ein paar Freunden ein paar Tage in den Lake District fahren. Und dann geht es in Oxford wieder mit dem Studium richtig weiter. Da freue ich mich darauf, wenn alle Studenten in Oxford wieder da sind, und es auch mit dem unterrichten wieder losgeht. Für diesen Winter hoffe ich, dass ich endlich mal verletzungsfrei durch komme, nicht wie in den letzten zwei Jahren. Ich hoffe, dass ich im Schwimmen noch einen Tick besser und stabiler werde, und im Laufen wieder dahinkommen kann, wo ich 2014 und 2015 war. Wenn ich gut durchtrainieren kann, ist das auf jeden Fall machbar. Ich sehe auch jetzt schon langsam, dass alles in die richtige Richtung geht. Es wird besser, ich muss nur einfach Geduld haben – das war gefühlt bereits das Motto der gesamten Saison. Wenn ein Winter mit guter Grundlage und viel Laufen kommt, dann wird 2018 hoffentlich ein ganz gutes Jahr.

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