Freiwasserschwimmen - Das erste Mal im Freiwasser

Schwimmen ist für die meisten Triathlon-Einsteiger, im Gegensatz zu Radfahren und Laufen, die größte Hürde, die es zu überwinden gilt. Vom Spätherbst bis zum Frühjahr wurde in Eigenregie oder mithilfe eines Schwimmtrainers das Kraulschwimmen erlernt oder verbessert. Die Grundlagen sind gelegt, der erste Wettkampf rückt näher und somit steht OpenWater Schwimmtraining auf dem Plan.

Orientierung

Die wichtigste Fähigkeit, um im offenen Gewässer an sein Ziel zu kommen, ist die Orientierung. Im Becken orientiert man sich am schwarzen Strich auf dem Beckenboden oder an den Leinen, draußen hingegen an Landzielen oder Bojen. Dabei wird der Kopf nach vorne oben angehoben um zu kontrollieren, ob man auf ein zuvor festgelegtes Ziel zu schwimmt oder ob man abdriftet. Es gibt sehr unterschiedliche Techniken. Manche atmen statt zur Seite nach vorne, manch andere bauen den Blick nach vorne zwischen zwei Atemzügen ein. Auch die Häufigkeit ist sehr variabel. Meist bei jedem dritten oder vierten Atemzug, kurz vor Wendebojen auch häufiger, innerhalb einer guten Gruppe auch seltener. Empfehlenswert ist es, durch häufiges Üben seinen eigenen Rhythmus zu finden. Dieser sollte bereits Wochen vor dem ersten OpenWater Training im Becken ausprobiert und geübt werden.

Es ist einfacher sich an einem festen Ziel an Land zu orientieren, als an Bojen im Wasser. Die Bojen mancher Wettkampfveranstalter sind zu klein, so dass man sie auf Augenhöhe mit dem Wasser nicht erkennt. Oder sie haben die selbe Farbe wie die ausgegebenen Badekappen. Kann man ein markantes Ziel am Horizont, in Verlängerung der Schwimmstrecke, erkennen, ist es viel einfacher dieses anzupeilen. Das kann ein Kirchturm, eine Liegewiese, ein Steg, ein Bootshaus oder ähnliches sein. Wenn man die Möglichkeit hat die Wettkampfstrecke am Vortag oder im Vorfeld abzuschwimmen, kann man sich genau diese Ziele suchen und einprägen. Das erleichtert die Orientierung im Wettkampf.

Atmung

Foto: Jo KleindlDie nächste hilfreiche Fertigkeit ist die Atmung auf beide Seiten. Manchmal hat man im Freiwasser kleine oder große Wellen. Kann man nur auf eine Seite atmen und die Wellen kommen genau aus dieser Richtung, schluckt man oft Wasser, weil man genau in die Welle atmet. Im Vorteil ist, wer umstellen und auf die wellenabgewandte Seite atmen kann. Darüber hinaus bietet die Atmung auf beide Seiten den Vorteil, dass die Orientierung insgesamt leichter fällt und man einen besseren Überblick über seine Mitschwimmer behält.

 

 

Sicherheit

Am sichersten ist es, nicht alleine zu schwimmen!

Wenn man sich unwohl im freien Gewässer fühlt, sollte man mindestens zu zweit sein. In diesem Fall ist es ratsam, sich langsam an das Gewässer zu gewöhnen, zunächst in Ufernähe zu bleiben um nach und nach Zutrauen zum Schwimmen im Freiwasser zu finden.

Hat man keinen Mitschwimmer und auch niemand, der vom Ufer aus ein Auge auf einen wirft, sollte man ausschließlich am Ufer entlang schwimmen, um im Ernstfall mit nur wenigen Zügen an Land oder im flachen Wasser zu sein. Hilfreich ist auch, eine selbstaufblasende Rettungsboje mitzuführen. Diese kann auch im aufgeblasenen Zustand hinterher gezogen werden, was die Sichtbarkeit enorm erhöht.

In jedem Fall muss eine farblich auffallende Badekappe getragen werden, um von Surfern, Seglern oder Booten früh genug wahrgenommen zu werden.

Neoprenanzug

Ein Neoprenanzug schützt nicht nur vor Kälte, sondern verleiht auch große Sicherheit, da er guten Auftrieb bietet. Man kann sich bei Problemen wie Krämpfe, unbeabsichtigte Schläge oder Tritte durch Mitschwimmer, Wasser in der Brille, oder ähnliches, jederzeit auf den Rücken drehen, treiben lassen, in Ruhe durchatmen und so die Ruhe bewahren.

Foto: Jo Kleindl

Der Neoprenanzug engt aber auch ein! Man muss gewohnt sein mit ihm zu schwimmen. Ist er zu klein, klagen viele Athleten über ein Engegefühl und Atemnot. Deshalb ist es empfehlenswert, einen Neo vor dem Kauf Probe zu schwimmen, was bei vielen Wettkämpfen und Veranstaltungen möglich ist.

Beim Anziehen des Neoprenanzuges wird der Nacken mit Vaseline oder einer vom Hersteller empfohlenen Creme eingecremt. Das verhindert Hautrötung und Scheuerstellen.

Am Ende jeder Trainingseinheit sollte man üben, aus dem Wasser zu laufen und den Neoprenanzug im Wettkampftempo auszuziehen. Das richtige Ausziehen des Neoprenanzuges wird bei den ‚Tipps für den perfekten Wechsel‘ näher erläutert.

Kälte

Bei Kälte helfen zwei Badekappen übereinander, da der Mensch viel Wärme über den Kopf verliert.

Der wichtigste Tipp bei Kälte ist aber langsames und ausgiebiges Einschwimmen. So lange, bis man den Kopf problemlos unter Wasser nehmen kann, ohne einen Atemreflex durch die Kälte zu bekommen. Deshalb sollte man bei kaltem Wasser unbedingt zehn bis 15 Minuten vor dem Start einschwimmen und sich zwischen Einschwimmen und Startschuss durch Bewegung warmhalten.

Zu guter Letzt

Für die Wettkampfvorbereitung ist es wichtig, dass man das Schwimmen in einer Gruppe übt. Das Schwimmen im Wasserschatten (vergleichbar mit dem Windschatten auf dem Rad) erspart viel Kraft. Im Wettkampf hat man auch immer wieder ungewollt Kontakt mit dem Gegner, wird abgedrängt oder verschwimmt sich. Um für den Wettkampf möglichst gut vorbereitet zu sein, sind regelmäßige Einheiten im Freiwasser das beste Training!

Viel Spaß und gutes Gelingen!

 

Von Heike Priess, www.Personal-Triathlon-Training.de

Heike ist DTU A-Trainerin Triathlon Leistungssport und Leistungssport Langdistanz. Sie ist als Referentin in der DTU B-Trainer Aus-und Fortbildung tätig. Ihre vielen Jahre als erfolgreiche Triathletin und Pro-Lizenz Starterin nutzt sie heute, um mit Personal-Triathlon-Training.de Triathleten aller Leistungsklassen zu coachen.