Ironman Lanzarote: Keine Ruhe vor dem Sturm

14.05.2007 09:41 von Haupt-Administrator

Ruhe vor dem Sturm wäre aber der falsche Ausdruck: Ablandiger Wind fegt seit Tagen von den kargen Bergrücken her kommend über die Insel. So stark, dass die Gischt des Atlantiks schäumend aufspritzt und permanent Sand über den Strand geweht wird. Doch Renndirektor Kenneth Gasque, der selbst noch vor zwei Jahren den Ironman auf Hawaii finishte, ist zuversichtlich: „Zum Wochenende lässt der Wind etwas nach, Sonntag soll es sogar regnen. Die Bedingungen am Samstag werden wirklich gut sein: ein bisschen bewölkt, leichter Wind.“

„Da haut’s dir das Rad weg“

Das hofft auch Andreas Böcherer, der ausgerechnet auf Lanzarote seinen ersten Ironman hinter sich bringen will. Der 24-Jährige ist eine Woche vor dem Rennen mit Freundin und Tochter angereist. Auf den ersten Blick wirkt er gelassen, die Anspannung kann er aber nicht ganz verbergen: „Weniger Wind und ein paar Wolken wären optimal. Wenn es so bleibt, werde ich auf gar keinen Fall mit Scheibe fahren, da haut’s Dir ja das Rad weg.“ Böcherer erhofft sich eine Platzierung unter den Top Ten, im Idealfall sei Platz fünf drin, „aber ich weiß wirklich nicht, was auf mich zukommt, daher halte ich mich mit solchen Aussagen lieber zurück“.

Der klare Favorit des Ironman-Debütanten ist Steffen Liebetrau, der nach drei zweiten Plätzen in Folge in diesem Jahr auf Lanzarote endlich gewinnen will. „Ich würde ihm den Sieg so wünschen, irgendwann muss es ja mal flutschen.“ Liebetrau gilt als Topfavorit, auch nach der Absage von Vorjahressieger Ain Alar Juhanson aus Estland. Ob seine Form allerdings optimal ist, ist fraglich – mit seinem Saisoneinstieg in Buschhütten vor zwei Wochen war Liebetrau alles andere als zufrieden.

Gefährlich werden könnte ihm neben den spanischen Brüdern Eneko und Hektor Llanos auch vor allem sein Landsmann Stephan Vuckovic. Der Olympiazweite von Sydney ist zwar zum ersten Mal auf Lanzarote dabei, doch überraschend gelassen: „Nervös bin ich irgendwie schon seit Jahren nicht mehr vor Rennen. Ich fahre da Samstag hin und mache meinen Job.“ Den größten Respekt hat Vuckovic vor Eneko Llanos, denn „der wird sich nicht so leicht schlagen lassen“. Auch dem Belgier van Lierde traut er einiges zu: „Der war fleißig in diesem Jahr, fleißiger als sonst.“ Beim Schwimmen dranbleiben, auf dem Rad nichts mehr verlieren und dann beim Laufen zuschlagen – das ist Vuckovics Plan auf seinem Weg zur erhofften Hawaii-Quali. „Aber das hier ist Lanzarote, hier kann man einen Sieg nicht planen.“ Wenig Wind und viel Hitze kämen ihm gelegen am Renntag: „Das mag ich. Denn wenn es kalt wird, bekomme ich immer so schnell Rückenprobleme.“

„Am Samstag entscheidet die Tagesform“

Lars Springborg, Geschäftsführer des ausrichtenden Club La Santa, wagt eine vorsichtige Prognose: „Stephan Vuckovic hat gute Chancen, Steffen Liebetrau den Sieg streitig zu machen. Die Spanier zähle ich eher nicht zu den Favoriten, das hier ist nicht ihre Strecke. Und Luc van Lierde ist schließlich nicht mehr der Jüngste.“ Vor allem bei den Frauen will sich der Däne aber auf niemanden festlegen: „Ich denke, da entscheidet am Samstag die Tagesform.“

Aus deutscher Sicht liegen die größten Hoffnungen dabei auf Ulrike Schwalbe. Die hat zwar wie Böcherer ihren ersten Ironman vor sich, dürfte aber keine schlechten Chancen auf einen Treppchenplatz haben. Vorausgesetzt, sie übersteht die beiden Schwimmrunden ohne Zwischenfälle. Denn erstmal auf dem Rad, ist die Ex-Weltmeisterin im
Zwei Tage vor dem Ironman Lanzarote spürt man in Puerto del Carmen ganz eindeutig, dass das Rennen kurz bevorsteht: Zahlreiche Athleten besichtigen während eines letzten lockeren Laufes auf der Strandpromenade die Marathonstrecke, Restaurants bieten Sondermenüs zum Carboloading an, in den Hotellobbys werden die vorverlegten Frühstückszeiten am Samstag angekündigt und im Start-Ziel-Bereich, der mitten in dem kleinen Hafenort aufgebaut wird, herrschen Trubel und Hektik.
Duathlon nicht mehr so leicht aufzuhalten. Zu den Topfavoritinnen gehören aber auch die schwimmstarke Finnin Tiina Bomann, die im vergangenen Jahr Zweite wurde, und die Kanadierin Tara Norton.

Kommunion geht vor

Von den ganzen Vorbereitungen auf Lanzarote und dem Trubel in Puerto del Carmen hat Andreas Niedrig noch nichts mitbekommen. Der 39-Jährige wird erst am Vorabend des Rennens auf der Lavainsel landen, da an Christi Himmelfahrt die Kommunion seines Sohnes in Deutschland Vorrang hat. „Mir bleibt nichts anderen übrig, als am Freitag schnell mein Rad aus dem Koffer zu nehmen und direkt einzuchecken.“ Starten will er ohnehin nur für seinen Film „Vom Junkie zum Ironman“, von dem einige Sequenzen mit Jungschauspieler Max Riemelt und Uwe Ochsenknecht, der Niedrigs Trainer spielt, im Rahmen des Ironman Lanzarote gedreht werden sollen. Niedrig betont, dass er nicht als Profi ins Rennen gehen wird, sondern „nur aus Spaß“ dabei ist: „Viel Zeit zu trainieren habe ich durch den Erfolg des Buches sowieso nicht mehr. Ich werde versuchen, die Laufstrecke zu erreichen, und dann irgendwann während des Marathons aussteigen. Wie soll ich sonst Roth überstehen?“
Sina Horsthemke aus Puerto del Carmen

Informationen
www.ironmanlanzarote.com
www.ironman.com

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