FSJ im Sport in Gefahr

12.03.2010 10:55 von Clarissa Sagerer-Schlockermann

Im Rahmen der Jugendsekretärstagung vom 08.-09.03.2010 in Burghausen haben die Geschäftsführer/ -innen und Jugendsekretäre/ -innen der Mitgliedsorganisationen der Deutschen Sportjugend ein Positionspapier verfasst, welches auf die bedrohliche Lage für das FSJ im Sport und mögliche Konsequenzen hinweist. Die geplanten Maßnahmen bedeuten weitreichende Veränderungen für die teilnehmenden Einsatzstellen (wie Vereine, Landessportbünde und Verbände) und bedürfen deswegen einer breiten Diskussion:

Das Freiwillige Soziale Jahr im Sport vor dem finanziellen und organisatorischen Aus!
Freiwilliges Soziales Jahr im Sport stärken, nicht zerstören!


1. Der Sport stellt sich gesellschaftlichen Herausforderungen
Der organisierte Sport in Deutschland stellt sich den sozial- und bildungspolitischen Herausforderungen und leistet seinen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme.
Sportvereine kooperieren mit Kindertagesstätten, um die negativen Folgen von Bewegungsmangel zu bekämpfen und mehr sportliche Aktivitäten in den Lebensalltag von Kindern zu bringen.
Sportvereine beteiligen sich an der Ganztagsbetreuung von Schülerinnen und Schülern und engagieren sich als Partner in kommunalen Bildungslandschaften.
Sportvereine leisten einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Integration. Sie bieten sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie jungen Menschen aus Zuwandererfamilien vielfältige Lernchancen und Erfahrungsräume.

2. Unterstützung durch das Freiwillige Soziale Jahr
Wertvolle Unterstützung in der Bearbeitung der gesellschaftspolitischen Aufgaben leisten junge Menschen, die im Sport ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Sie engagieren sich in der Zusammenarbeit von Sportvereinen mit Kindertagesstätten und Schulen, übernehmen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe im Sport und entlasten das Ehrenamt an der Basis von
organisatorischen und administrativen Anforderungen. Rund 2000 junge Menschen absolvieren gegenwärtig im organisierten Sport ein Freiwilliges Soziales Jahr, davon rund zwei Drittel als Ersatz für den Zivildienst. Die Freiwilligen sind für den Sport zu einer unverzichtbaren Stütze
in der Organisations- und Personalentwicklung geworden.


3. Das Freiwillige Soziale Jahr im Sport vor dem finanziellen und
organisatorischen Aus!
Zurzeit werden die Freiwilligendienste im Sport durch eine Kostenbeteiligung der Einsatzstellen (Sportvereine) von im Bundesdurchschnitt 400,00 Euro pro Person und Monat finanziert. Dazu kommen anteilige Zuschüsse des Bundesamtes für den Zivildienst (Ersatz-FSJ) oder des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Regel-FSJ). Zukünftig sollen die Zuschüsse im Rahmen des Jugendfreiwilligendienstegesetzes in wesentlich geringerer Höhe zur
Verfügung gestellt werden. Zur Diskussion steht ein deutlich niedrigerer Satz pro Freiwilligenplatz. In der Konsequenz würde der Deutsche Sport dadurch über 80 Prozent der Zuschüsse verlieren.

4. Radikale Folgen für den Sport
Der allergrößte Teil der Sportvereine in Deutschland wird nicht in der Lage sein, die Reduzierung der Förderung durch eine entsprechende Erhöhung der Eigenbeteiligung auszugleichen. Sportvereine arbeiten in der Regel mit den begrenzten Beiträgen ihrer Mitglieder, haben aber ansonsten keine
nennenswerten finanziellen Zuwendungen, die zur Kompensation des Fehlbetrags und zur Wahrnehmung gesellschaftspolitischer Aufgaben herangezogen werden könnten. Hier unterscheiden sich die Sportvereine von anderen Trägern der Freiwilligendienste, die über andere Möglichkeiten
verfügen! Die Kostenbeteiligung der Sportvereine müsste auf 700 bis 800 Euro pro Person und Monat steigen, um die Organisation, pädagogische Begleitung sowie die Aus- und Fortbildung der Freiwilligen weiterhin sicherzustellen. Das ist unrealistisch. Das dargestellte Szenario führt zum Ende der Freiwilligendienste im Deutschen Sport. Es nimmt tausenden jungen Menschen wichtige Lernchancen und beeinträchtigt die Fähigkeiten des organisierten Sports, gegenüber den genannten  Herausforderungen in Bildung und Gesellschaft konstruktiv zu agieren.

5. Forderungen an die Politik
Der Deutsche Sport benötigt eine Lösung der dargestellten Probleme, um jungen Menschen auch weiterhin ein FSJ im Sport zu ermöglichen und dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.
Wir fordern die Bundesregierung, den Deutschen Bundestag und die politischen Parteien auf, die Freiwilligendienste von jungen Menschen im organisierten Sport nicht zu zerstören, sondern angemessen zu fördern und zu stärken.

Erklärung der Tagung der Geschäftsführer/ -innen und Jugendsekretäre/ -innen
der Mitgliedsorganisationen der Deutschen Sportjugend.


Burghausen, den 8. März 2010

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