Interview mit Vize-Präsident Bernd Rollar zur neuen Finanzordnung

09.12.2011 13:07 von Matthias Zöll

"Wir schaffen klare Abgrenzungen, Transparenz und mehr Einheitlichkeit"

Seit dem außerordentlichen Verbandstag vom 5. November 2011 hat die Deutsche Triathlon Union einen neuen Präsidenten. Gemeinsam mit Dr. Martin Engelhardt nehmen fünf weitere Präsidiumsmitglieder die Herausforderung an, den deutschen Triathlonsport voranzubringen. Ein erster Schritt dabei ist eine neue Gebührenordnung, die auf dem Verbandstag ebenfalls vom Präsidium und 15 Landesverbänden beschlossen wurde. Trotz dieses überwältigend hohen Votums hat das Thema für ein wenig Aufregung gesorgt. Der für die Finanzen zuständige DTU-Vize-Präsident Bernd Rollar erklärt daher in einem Interview die Hintergründe.

Herr Rollar, die DTU und die Landesverbände haben sich fast einstimmig für eine neue Finanzordnung ausgesprochen, dennoch sorgt das Thema für Aufregung…

Das stimmt, da sind zuletzt einige Informationen veröffentlicht worden, die schlichtweg nicht den Tatsachen entsprechen. Das muss man so deutlich sagen. Insofern möchte ich einige Aspekte klarstellen und verdeutlichen. Wichtig ist mir darauf hinzuweisen, dass wir finanziell solide ausgestattet sind und sich unsere Sponsoreneinnahmen im Vergleich zum Vorjahr für 2012 voraussichtlich nur marginal, und eventuell sogar nach oben, verändern.

Wie finanziert sich der Verband eigentlich?

Die Sponsorengelder habe ich angesprochen. Ansonsten finanziert sich die DTU über alle, die Mitglieder in einem Verein sind und dort Beiträge zahlen, sowie über die aktiven Sportler, die Triathlon betreiben. Diese müssen entweder einen Startpass für eine Saison oder eine Tageslizenz für einen Wettkampf besitzen. Mit diesen Geldern fördert die DTU den Leistungssport und die Jugend, sorgt für Strukturen, den Triathlon im deutschen Sport weiter zu festigen und in der Öffentlichkeit präsenter zu machen. Nicht zu vergessen sind die Anti-Doping-Aufgaben, die wir als Dachverband - neben den Mitteln des Bundes - auch mit einem eigenen Budget bedienen. Darüber hinaus sind das Lehrwesen sowie die bloße Verwaltung der Mitglieder, welche elementar wichtig ist, um als olympische Sportart am deutschen Verbandswesen teilzunehmen, wichtige Mehrwerte, die aber auch Geld kosten.

Auf dem Verbandstag wurde die Gebührenordnung, also die Abgaben der Landesverbände an den Dachverband, erneuert. Warum?

Das Thema „Gebühren“ ist schon seit längerer Zeit auf der Tagesordnung. Vor allem an der Veranstalterabgabe, das heißt an dem Beitrag, den die Ausrichter eines Triathlons an die Triathlongemeinschaft abführen und den sich der jeweilige Landesverband und die DTU teilen sollten, haben sich oft Zwistigkeiten entzündet. Unser Anliegen als DTU ist es, nun eine Ordnung zu haben, in der wir klar abgrenzen, mehr Transparenz schaffen und mit der wir insgesamt das Erhebungsverfahren vereinfachen. Letztlich bedeutet die neue Regelung in erster Linie eine Änderung der Erhebungsstruktur. Und die diesbezügliche Initiative ging hauptsächlich von den Landesverbänden aus, die selbstredend auch in der Abgabenkommission vertreten waren. Dazu zählten insbesondere auch die großen Landesverbände aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Im Übrigen wurde genau dieser Schritt bereits vom Vorgänger-Präsidium initiiert, weil er Ungereimtheiten vorbeugt und die Stabilität des Verbandes fördert. Wir haben den Gedanken lediglich verfeinert.

Welche Neuerungen hat es im Detail gegeben?

Unsere neue Gebührenordnung stellt eine Umverteilung hin zu einer mitgliederorientierten Bemessungsgrundlage dar. Das erzeugt aus unserer Sicht mehr Fairness unter den Landesverbänden, denn jetzt werden die Landesverbände sehr klar ihrer Mitgliedsstärke nach bemessen. Damit wir die Konflikte um die Veranstalterabgabe beenden, die für uns nur schwer kontrollierbar war, überlassen wir diese Finanzierungssäule nun alleine den Landesverbänden. So haben diese die Möglichkeit, auch ihre regionalen Besonderheiten einzubringen. Dafür erhöhen sich die Anteile der DTU bei den Startpässen,von 14 auf 25 Euro und bei den Tageslizenzen für einzelne Rennen von 4 Euro auf 8 Euro.

Woran hat sich denn nun die Diskussion entzündet?

Zumindest nicht an sachlichen Punkten. Immerhin hat nur ein Landesverband gegen die Änderungen gestimmt. Neben den bereits genannten Punkten dient der Vorstoß fast aller Landesverbände und der DTU dem langsamen Versuch, die Gebühren national zu synchronisieren. Aktuell kosten die Startpässe je nach Bundesland zwischen 17,50 und 40 Euro. Das ist auch bei den Tageslizenzen so. Die beschlossenen Vorgaben sind als Mindestbeiträge zu verstehen und lassen den Landesverbänden Spielraum. Es ist auch ein Schritt, Solidarität unter den verschiedenen Landesverbänden herzustellen und zeigt, dass die „Triathlonfamilie" wieder zusammen wächst.

Kurioserweise gab es schon 2010 unter dem Vorgänger-Präsidium einen Vorstoß, den Startpassanteil der DTU zu erhöhen, den vor allem der bayerische Verband mittragen wollte: die damalige Höhe sollte 30 Euro betragen, also noch 5 Euro mehr als jetzt.

Was ändert sich zukünftig noch?

Wir verstehen den Startpass als den originären Zugang des Verbandes zu den Athleten. Und wir möchten ohnehin wieder mehr Dienstleister an unseren Mitgliedern sowie an den vielen Athleten werden. Der Startpass soll daher ab 2012 weitere Aufwertungen erfahren, darunter zum Beispiel sechs Ausgaben des Magazins „TRI TIME“, in dem wir unsere Verbandsnews publizieren. Neu ist auch, dass im Beitrag die Versicherung bei der Ausübung des Triathlons enthalten ist. Hinzu sollen Rabatte bei Partnern des Verbandes kommen wie Hotels oder Mietwagen. Ich denke, dass wir da auf einem guten Weg sind. Das beweist gerade die gemeinschaftliche Erarbeitung der neuen Gebührenordnung mit den Landesverbänden.

 

Medienkontakt:

Oliver Kubanek, Tel.: 0231-14 86 56, E-Mail: kubanek@dtu-info.de

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