Dr. Martin Engelhardt über den Weg des Triathlons gen Olympia

01.08.2012 12:08 von Oliver Kubanek

"Für mich sind die Triathleten die wahren Könige der Athleten"

Erst seit den Olympischen Spielen in Sydney ist der Triathlon eine olympische Sportart. Mann der ersten und der aktuellen Stunde ist Dr. Martin Engelhardt. Der amtierende Präsident der Deutschen Triathlon Union leitete den Verband auch schon von 1987 bis 2001 und war daher unmittelbar in die Bestrebungen, den Triathlon olympisch werden zu lassen involviert. Über die Bestrebungen zum ersehnten Olympiabeitritt des Triathlons spricht er im ersten Teil eines langen Interviews.

Herr Dr. Engelhardt, wann kam der Gedanke auf, Triathlon zu einer olympischen Sportart zu machen?

Bereits Mitte der achtziger Jahre kam der Gedanke auf, Triathlon als Sportart in die Sportverbände zu integrieren zu etablieren. Und selbstverständlich war dies auch gleich mit dem Traum verbunden, Triathlon zu einer olympischen Sportart zu machen.

Was sind die Voraussetzungen für eine Sportart, um in die olympische Familie aufgenommen zu werden?

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine Sportart in die Olympische Familie aufgenommen zu werden sind: Weltweite Verbreitung, weltweite Durchführbarkeit auch für Sportler aus ärmeren Ländern und benachteiligten Regionen, Medienattraktivität sowie geordnete und stabile internationale Verbände, die eine Durchführung von Sportveranstaltungen auf hohem organisatorischen Niveau gewährleisten.

Welche konkreten Schritte mussten unternommen werden, damit die Sportart olympisch werden konnte?

Zunächst mussten in einer gewissen Anzahl von Ländern Triathlonverbände gegründet und von den nationalen Sportorganisationen als anerkannte Sportverbände aufgenommen werden. Anschließend bedurfte es eines von allen nationalen Verbänden akzeptierten internationalen Triathlonverband. Ein wichtiger Aspekt war auch, mit welcher Streckenlänge man eine Chance hat, in das Programm aufgenommen zu werden. Sehr früh einigte man sich international auf die Strecken 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahrer und 10 km Laufen als „olympische Distanz“. Hintergrund war, eine Gesamtwettkampfzeit anzustreben, die unter der des Marathonlaufs liegen sollte.
Eine weitere Überlegung bestand darin, die damaligen olympischen Strecken 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen auszuwählen. Die Einzeldisziplinen ermöglichten damit einen gewissen Vergleich der im Triathlon erbrachten Leistung.

Welche Organisationen spielten dabei die wesentliche Rolle?

Sowohl die ITU als auch die nationalen Triathlonverbände spielten natürlich eine große Rolle. In Deutschland gab es damals noch das NOK und den DSB. Der für uns wichtigste Unterstützer war Dr. Thomas Bach. Wir hatten ihn früh zu der Triathlonveranstaltung nach Roth, der heutigen Challenge Roth, eingeladen. Er war vom Triathlon von Anfang an sehr begeistert und prägte den Ausspruch: „Für mich sind die Triathleten die wahren Könige der Athleten“.

Welche weiteren Personen waren dabei aus deutscher Sicht federführend?

Hilfreich für unser Anliegen war auch, dass der frühere NOK-Präsident Willi Daume Stellung für den Triathlonsport bezogen hatte. Er kam in den Achtzigern persönlich zu der Deutschen Triathlon Jugendmeisterschaft in seine Geburtsstadt Hückeswagen und sprach sich öffentlichkeitswirksam für unsere Sportart aus. Aus deutscher Sicht stellte aber wie erwähnt vor allem Dr. Thomas Bach durch seinen enormen Einfluss im IOC wichtige Weichen für unsere Sportart. Auch der seinerzeit amtierende NOK-Präsident Walter Tröger unterstützte im IOC unsere Bemühungen, Triathlon olympisch werden zu lassen.

Welche Hürden sind bei diesem Bestreben aufgetreten und wie sind sie letztlich umschifft worden?

Ein großes Problem des Triathlonsports war die Uneinigkeit. Sowohl europäische als auch Überseevertreter wollten im Weltverband die Führerschaft übernehmen. Dies führte zu mehreren Gründungen von Triathlonweltverbänden. Einer der wesentlichen Streitpunkte war, dass die Europäer damals dachten, es könne leichter gelingen ins olympische Programm aufgenommen zu werden, wenn man dies in Kooperation mit anderen Mehrkampfsportarten versuchte, z.B. zusammen mit dem Biathlon und dem Modernen Fünfkampf. Letztlich hat sich die Mehrheit der Nationen dem Machtstreben des Briten Les McDonald und der von ihm beherrschten ITU untergeordnet.

Was musste mit Blick auf Olympia im Triathlon verändert werden?

Nachdem Triathlon in das olympische Programm aufgenommen war, musste das grundsätzlich geltende Windschattenverbot aufgehoben werden. Den Verantwortlichen war klar, dass aufgrund der zunehmenden Leistungsdichte das Windschattenfahrverbot auf der Olympischen Distanz nicht aufrecht erhalten werden konnte. Umstrittene Schietsrichterentscheidungen mit Disqualifikationen, wie z.B. im Olympischen Gehsport mussten ebenso vermieden werden.

Mit dieser Entscheidung veränderte sich der Triathlonsport vom Anforderungsprofil entscheidend. Die Bedeutung des Schwimmens und der siegentscheidenden Laufleistung prägte die weitere Entwicklung.

 

Medienkontakt:

Oliver Kubanek, Tel.: 0231-14 86 56 oder 0178-1479833, E-Mail: kubanek@dtu-info.de

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