Teil 2: Dr. Martin Engelhardt über den Weg des Triathlons gen Olympia

01.08.2012 12:12 von Oliver Kubanek

"Olympia hat die gesamte Sportart Triathlon enorm gepuscht"

Erst seit den Olympischen Spielen in Sydney ist der Triathlon eine olympische Sportart. Mann der ersten und der aktuellen Stunde ist Dr. Martin Engelhardt. Der amtierende Präsident der Deutschen Triathlon Union leitete den Verband auch schon von 1987 bis 2001 und war daher unmittelbar in die Bestrebungen, den Triathlon olympisch werden zu lassen involviert. Über die Auswirkungen für den deutschen Triathlon spricht er im zweiten Teil des Interviews.

Welche Konsequenzen hatte der Schritt gen Olympia für die Sportart Triathlon?

Den nationalen Verbänden wurde staatliche Sportförderung ermöglicht. Ohne diese umfangreichen Programme für die olympischen Sportarten wäre die Leistungssportentwicklung im olympischen Triathlon auf allen Ebenen in dieser Weise nicht zustande gekommen.

Was bedeutete das konkret für die DTU, auch einen Nationalkader? Wie konnte die DTU diese Entwicklungen stemmen bzw. bewerkstelligen

Nach der Deutschen Einheit und dem Zusammenschluss der Deutschen Triathlon Union mit dem Deutschen Triathlon Verband der DDR übernahmen Dr. Arndt Pfützner als Leistungssportwart und Prof. Dr. Georg Neumann als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates entscheidende Positionen für die professionelle Aufbauarbeit des Nationalteams mit Hinblick auf die Olympischen Spiele.
Beide Personen hatten langjährige Erfahrung mit Sportlervorbereitungen in anderen olympischen Disziplinen. Das gesamte Trainings- und Betreuungssystem wurde dadurch erheblich professionalisiert.

Wie hat die deutsche Triathlonszene, zu dieser Zeit noch mehr langdistanzgeprägt als aktuell, die Pläne aufgenommen und kommentiert?

Die Mehrheit war natürlich von der Aussicht auf Anerkennung durch Teilnahme an den Olympischen Spielen begeistert. Viele sprachen sich jedoch auch gegen diese Entwicklung aus. Insbesondere wurde die Aufhebung des Windschattenverbotes kritisiert. Ich wurde damals als Präsident heftig angegriffen und eine damalige Kaderathletin rief auch zur Gründung eines Konkurrenzverbandes auf.

Auch die Triathlonmedien diskutierten die Angelegenheit damals sehr kontrovers. Für die übrige Öffentlichkeit war die kleine Trend- und Randsportart Triathlon jedoch zu unbedeutend für eine thematische Auseinandersetzung.

Inwieweit hat der Schritt zur olympischen Sportart Strukturen und auch den Sportbetrieb verändert?

Mit den zur Verfügung gestellten staatlichen Geldern konnten wir eine Kaderkonzentration an einem Olympiastützpunkt vornehmen und weitere zwei Nachwuchskaderstützpunkte einrichten. Den Sportlern konnte in diesen Trainingszentren optimale Bedingungen geschaffen werden. Durch die staatlichen Gelder waren wir auch in der Lage, zahlreiche Trainer zu finanzieren. Darüber hinaus konnte ein Teil der Athletinnen und Athleten bei Bundeswehr und Bundespolizei Anstellung finden. Damit wurden professionelle Rahmenbedingungen für das Training geschaffen.

Welche weiteren Vorteile ergaben sich daraus?

Daneben erhielten wir den Zugang zu den Wissenschaftsinstituten des Deutschen Sports, also dem Institut für angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig und dem Forschungsinstitut zur Entwicklung von Sportgeräten in Berlin.

Haben sich auch neue Vermarktungsperspektiven eröffnet?

Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen nahm die Bedeutung der Sportart Triathlon natürlich weiter zu. Die Vermarktungsmöglichkeiten durch Teilnahme von Athleten an dem weltweit bedeutendsten Sportereignis sind natürlich insbesondere für die teilnehmenden Athleten aber auch für die Triathlonverbände insgesamt verbessert worden.

Für viele Athleten und auch Betreuer in den Vereinen und Verbänden spielt Olympia als besonderer Anreiz natürlich eine große Rolle. Dies hat die gesamte Sportart Triathlon enorm gepuscht.

 

Medienkontakt:

Oliver Kubanek, Tel.: 0231-14 86 56 oder 0178-1479833, E-Mail: kubanek@dtu-info.de

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