Ein Traum, zwei Siege, zwei Debüts, zwei Familiengeschichten…

21.07.2014 13:17 von Oliver Kubanek

Nachklapp zur DTU DM Lang-Distanz in Roth

Lang-Distanz-Rennen haben ihre eigenen Gesetze. Diese Sportphrase stimmt ausnahmsweise, denn an einem acht- bis neunstündigen Triathlon-Arbeitstag kann eine Menge passieren: mit dem Material, dem Körper, der Umgebung und manchem mehr. Entsprechend hat die DTU DM Lang-Distanz beim DATEV Challenge Roth ein paar Geschichten geschrieben: im Elite- und im Age Group-Bereich. Die der Profis sind in aller Regel und auch hier bekannter, und stellvertretend mal kurz aufgegriffen…

Ehre, wem Ehre gebührt. Zum ersten Mal in seinem langen Triathlonleben hat Timo Bracht das Rennen in Roth gewinnen können. Passenderweise wählte der Eberbacher das 30-Jährige Jubiläum des Rennens, mit einem der stärksten Felder der Rennhistorie. Alle gönnten dem Lokalmatador diesen Triumph und wie sehr ihn sein Husarenritt bewegte, wurde während der Feierlichkeiten und dem Interview-Marathon nach dem Lauf-Marathon deutlich, weil Timo immer wieder zwischendurch mal die Faust zum individuellen Siegesjubel ballte. Er sprach von einem Traum, der in Erfüllung gegangen sei. Auch dies offensichlicherweise keine Phrase.

Eine Zeitlang vom Sieg geträumt, hatte sicher auch Roth-Debütant Nils Frommhold. Bei seinem „ersten großen Lang-Distanz-Rennen“, wie der Wahl-Freiburger im Vorfeld gesagt hatte, war Nils lange die bestimmende Person. Es war insgesamt sein vierter Lang-Triathlon, zwei der drei vorherigen hatte er gewonnen, doch sowohl der IM Arizona als auch der IM Südafrika haben lange nicht die Bedeutung einer Challenge Roth. Deutlich wurde dies unter anderem bei der Pressekonferenz nach dem Rennen, als der drittplatzierte Spanier Eneko Llanos, über den neben ihm sitzenden Frommhold, sagte. „Als, äh, er hier [Finger Richtung Sitznachbar] auf dem Rad angegriffen hat, war er so schnell, dass ich nicht folgen konnte.“ Vermutlich werden auch die „Großen“ der Szene den Namen Frommhold bald kennen, zumal auch Timo Bracht, lange gebraucht hatte, den gebürtigen Potsdamer einzuholen.

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Lange gebraucht hat die in den letzten vier DTU DM-Rennen unbesiegte Julia Gajer aus ihrer Sicht vor allem auf dem Rad. Im Ziel-Smalltalk mit Yvonne van Vlerken (, die übrigens Arm in Arm mit ihrem entkräfteten Lebensgefährten Per Bittner ins Ziel gelaufen war, aber das ist eine andere Geschichte…) schüttelte die Frau aus Ditzingen anhaltend mit dem Kopf und berichtete, dass sie nicht mehr als 200 Watt hatte treten können. Das fehlende Tempo ließ sie denn gar fast aufgeben. Nach einem fünfminütigen Zwischenstopp bei ihren Eltern, setzte sich Julia aber wieder auf das Zeitfahrrad, lief den zweitschnellsten Marathon der Frauen und wurde Gesamtfünfte und Deutsche Meisterin.

„Leidtragende“ der Nichtaufgabe und der schnellen Marathonzeit Gajers war Europameisterin Diana Riesler. Die DM-Zweite aus Merseburg war wie der DM-Zweite Frommhold zum ersten Mal in Roth am Start. Im Ziel galt für Riesler – wie für viele andere nach der Rother Hitzeschlacht – das Motto: „Wenn man so sitzt, dann geht’s.“ Gesamtrang sieben und Deutsche Vizemeisterin sind ein durchaus ordentlicher Ertrag, zumal Riesler in der finalen Vorbereitung auf Roth ein nicht ganz unerhebliches Handicap hatte: Aufgrund einer Verletzung hatte sie kaum Lauftraining absolviert. Dafür offenbar umso mehr Radkilometer, denn in Disziplin zwei war nur die „fliegende Holländerin“ Yvonne van Vlerken ein wenig schneller als Diana (aber auch das ist eine andere Geschichte…).

Im Ziel hatten auch Lothar Leder und Andreas Niedrig, vor mehr als zehn Jahren zwei der großen Heroen des deutschen Lang-Distanz-Triathlons ihren Spaß. Diesmal begrüßte Leder im Ziel seinen früheren Konkurrenten. 2013 war es umgekehrt...Es gibt wirklich viel zu erzählen nach einem Triathlonrennen...

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