Hintergrund: Inklusion von Paratriathleten trägt goldene Früchte

20.09.2016 15:59 von Jan Sägert

Das Paralympics-Gold, das Paratriathlet Martin Schulz (Leipzig) am 10. September in Rio gewann, hat zweifellos eine historische Dimension. Für den 26-jährigen Sachsen ist es der bislang größte Erfolg seiner beispiellosen Sportlerkarriere. Ein kleines Stück dieses Triumphs darf sich auch die Deutsche Triathlon Union (DTU) anheften. Denn der Dachverband ist einer von wenigen, für den die vollständige Inklusion von behinderten Athleten in den Nicht-Behindertensport schon seit vielen Jahren selbstverständlich ist.

Kleiner, aber feiner Teil des Triathlons

Bereits Ende der 1990er Jahre setzte man sich im Verband mit den besonderen Anforderungen auseinander, die der Triathlon an Sportler mit Behinderung stellt. Witten war 1999 Schauplatz der ersten Deutschen Meisterschaften. Mittlerweile haben die Titelkämpfe der Paratriathleten einen festen Platz im jährlichen Wettkampfkalender der DTU. Das ist in anderen Fachverbänden keineswegs selbstverständlich. „Grundsätzlich betrachten wir den Behindertensport und damit in unserem Fall den Paratriathlon als Teil des Verbands“, bekennt sich DTU-Geschäftsführer Matthias Zöll. „Dieser Bereich ist ein kleiner, aber feiner Teil des Triathlons. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren viel dafür getan, den Paratriathlon unter dem Dach der DTU wachsen zu lassen“, betont er. Und der Erfolg gibt Zöll Recht. Zahlreiche EM- und WM-Medaillen sammelten die DTU-Paratriathleten insbesondere während und nach der unvergessenen Heim-WM in Hamburg 2007. Allein Schulz wurde seit 2012 fünf Mal Europameister und holte zudem drei WM-Titel. Auch Nora Hansel (Bochum), Andrea Thamm (Berlin), Ralf Arnold (Mannheim) und Stefan Lösler (Ilsfeld) standen bei internationalen Events mehrfach auf dem Podest.

Kooperationsvereinbarung zwischen DTU und DBS

Einen besonderen Anteil an der rasanten Entwicklung des Paratriathlons hat Alfred Lipp – früher selbst Athlet – und seit zehn Jahren Paratriathlon-Beauftragter der DTU. Er war es auch, der 2011 den Kontakt zum Deutschen Behinderten-Sportverband (DBS) knüpfte, um den Triathlon in deren Strukturen zu integrieren. Seine Pionierarbeit war erfolgreich. „Mit der daraus resultierenden Kooperationsvereinbarung zwischen DTU und DBS und der Installation eines Trainerstabs nahm danach auch die Paratriathlon-Nationalmannschaft Gestalt an“, erinnert sich Lipp. Unter anderem ihm ist es auch zu verdanken, dass Martin Schulz am 10. September 2016 Sportgeschichte schreiben konnte. Als Mitglied des ITU Paratriathlon Commitees trieb er die Bestrebungen, ins Wettkampfprogramm der Paralympics zu kommen, mit voran. Entsprechend stolz berichtet Lipp auch von den stetig steigenden Starterzahlen im Paratriathlon seit 2011 – national wie international.

Integration auf allen Ebenen

Seitens der DTU besonders hervorzuheben sei, so Zöll, die inklusive Handhabe der Behindertensportler im Triathlon. So startet Schulz seit einigen Jahren erfolgreich in der 1. Triathlon-Bundesliga gegen nationale und internationale Top-Triathleten. Die DTU Deutschen Meisterschaften finden integriert in Events für Nicht-Behinderte, häufig auch auf identischen Strecken, statt, so zum Beispiel beim Hamburg Triathlon, dem NordseeMan in Wilhelmshaven oder dem Triathlon in Viernheim. Ausgerichtet werden die nationalen Meisterschaften von der DTU. „In vielen anderen Verbänden wird diese Verantwortung an den Deutschen Behinderten-Sportverband abgegeben“, erklärt Zöll. Und noch etwas ist im Triathlon besonders: Paratriathleten stehen grundsätzlich gemeinsam mit allen Profis und Altersklassenathleten an der Startlinie. „Das ist unsere eigene Art der Integration“, so Alfred Lipp. Seit 2009 werden in Deutschland zudem Nachwuchswettkämpfe über die Supersprint-Distanz angeboten. Wie wichtig der DTU die Integration ihrer besten Paratriathleten ist, zeigt auch, dass diese regelmäßig in Trainingslehrgänge von DTU-Kaderathleten eingebunden werden, so zuletzt im August in Kienbaum. Während sich der DTU-Nachwuchs dort auf die Junioren-WM auf Cozumel vorbereitete, holten sich Martin Schulz und Stefan Lösler den Feinschliff für ihr paralympisches Rennen, im Falle von Schulz mit dem bekannten goldenen Ausgang.

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