Livigno: DTU-Bundestrainer U23 Ron Schmidt im Interview

19.12.2017 16:23 von Jan Sägert

Nach 17 intensiven Trainingstagen im italienischen Livigno machen sich die zehn Kaderathleten der Deutschen Triathlon Union und das Trainer- und Betreuerteam morgen auf den Heimweg. Auf Skiern, Schneeschuhen, im Kraftraum und in der Schwimmhalle legten Bianca Bogen, Laura Lindemann, Lena Meißner, Jonas Breinlinger, Justus Nieschlag, Lars Pfeifer, Jannik Schaufler, Paratriathlet Martin Schulz, Peer Sönksen und Valentin Wernz die ersten Grundsteine für einen erfolgreichen Start in die Wettkampfsaison 2018. Wir haben am Tag vor der Abreise mit dem Bundestrainer U23, Ron Schmidt, gesprochen. 

Ron Schmidt, während in Deutschland schon drei Lichtlein brennen, sind Sie seit Anfang Dezember mit zehn Kaderathleten und dem Trainerteam im Skitrainingslager in Livigno (ITA). Mit welchen Zielen?

Zunächst sollten die Athletinnen und Athleten hier ein sauberes Grundlagentraining absolvieren – und zwar mit allgemeinen Trainingsmitteln, wie Skiern oder Schneeschuhwandern. Wir haben den Schwerpunkt bewusst auf komplexes unspezifisches Training gelegt. So gab es zum Beispiel drei Ausdauertage, an denen die Sportler zuerst klassisch, dann in der freien Technik in der Loipe waren, sich danach die Schneeschuhe untergeschnallt haben und im Anschluss noch einen Lauf absolvieren mussten. Fünf Stunden am Stück mit einem unterschwelligen Reiz. Außerdem hatten wir das Ziel, das Trainingsmittel Ski in Form einer Ausbildung in der klassischen und freien Technik weiter zu entwickeln. Dabei konnten wir in den ersten beiden Trainingsblöcken sehr gut an die Skischule anknüpfen, die wir im vergangenen Jahr mit Peter Schlickenrieder begonnen haben. Danach wurde das Techniktraining immer mal wieder beim Warm-up eingesetzt.

…und das alles bei tollem Winterwetter in einer Höhe von knapp 2.000 Metern

Genau. Wir haben das Trainingslager für ein Höhenexperiment genutzt, das schon im Vorfeld an den Stützpunkten begonnen hat und auch nach der Rückkehr noch weitergeführt wird. Dafür waren wir hier jeden Tag schon ab 4:45 Uhr auf den Beinen, um die Laborwerte der Athleten zu erfassen.

Welche grundsätzliche Idee steckt hinter diesem Höhenexperiment?

Wir werden die erhobenen Daten im Nachgang mit dem Trainer- und Ärzteteam auswerten und wollen danach eine  Aussage dazu treffen, ob Höhentraining für den jeweiligen Athleten als Trainingsreserve nutzbar ist oder eben nicht. Dazu wollen wir grundsätzlich entscheiden, wie wir als Verband zukünftig mit dem Thema Höhentraining umgehen.

Wie lief ein normaler Trainingstag ab und welche Umfänge wurden in den 17 Trainingstagen realisiert?

Meistens sind wir kurz nach 6 Uhr, wenn die Autos vom Schnee befreit waren, zum Schwimmen gefahren. Zwischen 8.30 Uhr und 9 Uhr waren wir zum gemeinsamen Frühstück zurück im Hotel. Ab 11 Uhr dann die zweite Trainingseinheit – hauptsächlich in der Loipe. Nach Physio und Mittagspause stand gegen 16 Uhr das Warm-up für Runde drei an – meist ein Lauf. Dazu kamen noch einige Stunden Athletik.

Was bedeutet das in Summe?

Insgesamt haben wir einen Trainingsumfang zwischen 55 und 60 Stunden dokumentiert. Verteilt hat sich das auf 175-200 Kilometer Skilaufen, 80-110 Kilometer Laufen, 40-60 Kilometer Schwimmen und 15-17 Stunden Athletik. Prinzipiell sollte je ein Drittel des Trainings auf Skiern bzw. mittels Athletik absolviert werden. Das verbleibende Drittel haben wir auf Schwimmen und Laufen aufgeteilt.

Der letzte Trainingstag schreit nach einem Fazit aus Trainersicht. Wie fällt die Bilanz aus?

Unser Plan ist gut aufgegangen und die Athleten haben das Training sehr gut und hochqualitativ umgesetzt. Es war insgesamt ein sehr harmonischer Lehrgang. Sowohl was das Trainerteam und die Sportler betrifft, als auch die Athleten untereinander. Innerhalb des Trainerteams (Anm. d. Red.: Petra Wolfram/Bundestrainerin Wissenschaft, Rick van Riemsdijk/Bundestrainer Athletik & Physio, Achim Schneider und Ron Schmidt/Bundestrainer U23 & Gesamtleiter, Thilo Hotfiel/Arzt) haben wir uns perfekt ergänzt. Es wurde besonders beim Schwimmen viel im technischen Bereich und mit Kamera gearbeitet. Rick von Riemsdijk hat sein umfangreiches Athletik-Konzept weiter vorangetrieben. Die Athleten sind sehr zufrieden und glücklich. Alle sind gut durchgekommen – wir haben keine Ausfälle zu beklagen.

Wie geht es für die Sportler jetzt weiter?

Morgen (Mittwoch) fahren die Athleten alle wieder nach Hause an ihre Stützpunkte und trainieren dort noch ein bisschen, bevor sie eine Woche trainingsfrei haben. Die Athleten aus Potsdam steigen am 28. Dezember wieder ins Training ein, in Saarbrücken und Neubrandenburg geht es am 31. Dezember weiter. Die meisten werden einen Silvesterlauf bestreiten. Im Januar steht dann schon die nächste Komplexe Leistungsdiagnostik am IAT in Leipzig auf dem Programm, bevor wir am 28. Januar ins nächste Trainingslager nach Südafrika aufbrechen.

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