Lob und Selbstkritik: Der Kampfrichter-Jahresrückblick 2018

11.12.2018 12:16 von Jan Sägert

Medaillen haben sie nicht gewonnen, doch auch die Kampfrichter der Deutschen Triathlon Union zeigten in der Saison 2018 bemerkenswerte Leistungen. National und international setzten sie das umfangreiche Regelwerk von ITU und DTU gewissenhaft um. Mit knapp 40 Bundeskampfrichtern plant Bundeskampfrichterobmann Holger Wackerhage für die kommende Wettkampf-Saison. Sechs von ihnen basteln derzeit am ITU Level 2, der zweithöchsten Lizenz im internationalen Triathlon. Im Interview mit dtu-info.de blickt Wackerhage mit Stolz auf 2018 zurück - und fest entschlossen Richtung Zukunft.

Holger, wie schätzt Du die Qualität der DTU-Kampfrichter ein und was waren für Dich die Highlights der Wettkampfsaison 2018?

Alle Kampfrichter der DTU, die bei Wettkämpfen der ETU und ITU im Einsatz sind, genießen durch ihr kompetentes Auftreten hohes Ansehen – bei den Veranstaltern, aber auch bei den internationalen Kollegen. Die Grundlage hierfür ist aus meiner Sicht vor allem das bewährte Ausbildungssystem der DTU. Die Ausbildung erfolgt auf Grundlage von bundeseinheitlichen Unterlagen, die regelmäßig durch die Technische Kommission an das aktuelle Regelwerk angepasst werden. In den Bundesländern leisten die Landeskampfrichter-Obleute bei der Aus- und Weiterbildung tolle Arbeit. Meine persönlichen Saison-Highlights waren die Einsätze beim ITU World Triathlon Hamburg und das Bundesliga-Event in Düsseldorf, das ich als Technischer Delegierter verantwortet habe. Dazu kommt noch der Schülertriathlon in Lehrte.

Was zieht Dich nach Lehrte?

Bei diesem Wettkampf bekommt man jedes Jahr wieder einen Bezug zur Basis. Vor Ort arbeitet man mit einem tollen vereinsorganisierten Team zusammen. Bei der Wettkampfbesprechung gibt es ganz andere Schwerpunkte. Hier werden die Grundlagen unseres Sports, die sportliche Fairness, in altersgerechter Sprache vermittelt und auch an die Eltern appelliert, dass die Kinder den Wettkampf machen - und nicht die teils übermotivierten Mütter und Väter.

In Béla Varga hat sich die DTU vor der Saison international verstärkt. Welche Impulse konnte er geben und inwiefern hat er die Arbeit im Bereich Kampfrichterwesen bereichert?

Mit seiner Wahl in die Technische Kommission auf dem Verbandstag in Nürnberg haben wir einen hochkarätigen Experten gewonnen, der mit seiner Erfahrung und Wissen aus dem internationalen Geschäft eine erfrischende Bereicherung ist. Bei Regeln, die seit Jahren existieren, werden wir von ihm gern mit der Frage konfrontiert, warum das in Deutschland so gemacht wird. Gleichzeitig kann uns Bela erläutern, wie bestimmte Sachverhalte international umgesetzt werden. Das ermöglicht eine offene Diskussion, die ich im Bereich der Technischen Kommission und bei den Kampfrichtern als sehr erfrischend empfinde. Hier bin ich durchaus selbstkritisch und attestiere mir eine über die Jahre entstandene Betriebsblindheit.

An welchen Stellschrauben muss aus Deiner Sicht vor bzw. in der kommenden Saison gedreht werden - wo siehst Du Verbesserungspotenzial?

Wir wollen und werden motivierten jungen Kampfrichtern aus den Landesverbänden den Weg zu internationalen Einsätzen ermöglichen. Hierfür gibt es beispielsweise in Kanada ein Mentoren-Programm, bei dem die jungen Leute durch erfahrene Kollegen besonders gefördert werden. Zudem sollten wir darüber nachdenken, Fördergruppen einzurichten. Hier ist dann auf Bundesebene der Schwerpunkt im Leitungsbereich als Technischer Delegierter oder Einsatzleiter denkbar. Diese praktischen Erfahrungen sind durch keine Theorie zu ersetzen und erleichtern den Schritt auf die internationale Bühne enorm. Außerdem müssen wir den Prüfungsumfang für den Lizenzerhalt von Bundeskampfrichtern weiterentwickeln. Der ist in meine Augen, auch im Vergleich zu den Regelungen ITU, nicht mehr zeitgemäß. Regelkunde ist die Grundlage unseres Handels, sodass ich auch weiterhin für einen Regeltest vor der Weiterbildung plädiere. Das Ergebnis sollte nicht ausschließlich über den Lizenzerhalt entscheiden, sondern die Grundlage dafür bilden, auf welche Punkte bei der Weiterbildung die Schwerpunkte gelegt werden müssen.

Seit dem Verbandstag in Nürnberg ist die Stelle des fürs Kampfrichterwesen zuständigen DTU-Vizepräsidenten unbesetzt. Ist ein Kandidat in Sicht?

Rainer Jung hat 2018 einige neue Akzente gesetzt, indem er das Sprachrohr der Kampfrichter im DTU-Präsidium war. Insbesondere, was das Thema Ehrenamt betraf. Wir müssen die ehrenamtliche Arbeit der vielen Kampfrichter in Deutschland weiter in den Fokus rücken – sie mehr würdigen. Beim Verbandstag Anfang November wurde leider kein Nachfolger für das Amt gefunden. Dafür wurde einstimmig entschieden, dass diese Position mit einem geeigneten Kandidaten aus den Reihen der Bundeskampfrichter besetzt werden soll.


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