​Para Triathlon 2018 – ein Rückblick

03.12.2018 15:29 von Eva Werthmann

Für die deutsche Para Triathlon Nationalmannschaft war 2018 ein ereignisreiches Jahr. Gleich zu Jahresbeginn wechselte der langjährige Cheftrainer Tom Kosmehl zum Bundesstützpunkt Potsdam. Der erfahrene Coach Mario Schmidt-Wendling übernahm die Stelle des Para Triathlon Cheftrainers. Und gleich im ersten Jahr feierte der Berliner mit seinen Schützlingen internationale Erfolge.

Schulz zum siebten Mal Europameister, WM-Bronze für Gelhaar

Martin Schulz verteidigte in der Startklasse PTS5 seinen Europameistertitel – es war der siebte Titel in Serie für den Leipziger, der zudem Silber bei der Weltmeisterschaft im australischen Gold Coast gewann. Nach einigen Verletzungsproblemen meldete sich der Paralympics-Sieger von Rio 2016 in der Saison 2018 eindrucksvoll zurück. Mit seinem Sieg beim abschließenden Weltcup in Funchal (POR) konnte der 28-Jährige das noch einmal unterstreichen.

„Das Comeback von Martin in dieser Saison war schon beeindruckend“, resümiert Schmidt-Wendling. „Der siebte EM-Titel in Folge war natürlich ein absoluter Hammer und zeigt, dass Martin auch nach einem schwierigen Jahr nach wie vor ein absoluter Superstar im Para Triathlon ist“, so der Coach.

Schulz‘ Teamkollege Max Gelhaar (Leipzig) verteidigte Down Under seine WM-Bronzemedaille aus dem vergangenen Jahr und überquerte in der Startklasse PTS3 die Ziellinie erneut als Dritter. „Das war eine große kämpferische Leistung von Max und das freut mich ganz besonders für ihn“, sagt Schmidt-Wendling über den 20-jährigen Youngster.

Zudem darf sich das deutsche Para Triathlon Team über prominenten Zuwachs freuen: Christiane Reppe, die 2016 in Rio noch im Handbike Gold und zuvor auch im Schwimmen WM-Medaillen gewonnen hatte, bestritt im Herbst in Funchal ihren ersten Para Triathlon in der PTWC und feierte gleich ihren ersten Sieg. „Christiane geht mit so einer professionellen Einstellung an die Sache ran, dass ich ihr in Tokio eine Medaille zutraue“, sagt Schmidt-Wendling zuversichtlich.

Neben den Podestplätzen blieb dem Cheftrainer auch Stefan Löslers (PTS2) Wettkampf in Iseo (ITA) in Erinnerung: „Stefan ist erst am Morgen des Wettkampfs auf die Startliste gerutscht. Wie er diese besondere Situation mental gemeistert hat und am Ende als Fünfter ins Ziel kam, hat mich enorm beeindruckt.“

Tokio 2020: Nur 4 von 9 Startklassen im Paralympischen Programm

Neben den positiven sportlichen Schlagzeilen mussten die Para Triathleten im August eine ernüchternde sportpolitische Nachricht hinnehmen: Das International Paralympic Committee (IPC) gab bekannt, dass bei den Para Triathlon-Wettbewerben in Tokio in lediglich vier der neun Startklassen bei Frauen und Männern Medaillen vergeben werden.

Bei den Männern wird in den Klassen PTWC (Rollstuhlfahrer), PTS4 (mittelschwere Behinderung), PTS5 (leichte Behinderung) und PTVI (Sehbehinderung) um die Medaillen gekämpft. Bei den Frauen stehen die Klassen PTWC, PTS2, PTS5 und PTVI auf dem paralympischen Programm.

Zwar haben das IPC und die Internationale Triathlon Union (ITU) mittlerweile verkündet, dass Para Triathleten auch in höheren Klassen antreten und sich für die Paralympics qualifizieren können, jedoch bleibt dies wohl eher eine theoretische Möglichkeit. „Realistisch gesehen wird es nur ganz, ganz wenige Athleten geben, denen das gelingen wird“, prophezeit Schmidt-Wendling.

Stefan Lösler, Maike Hausberger (PTS3) und Max Gelhaar werden damit in Tokio wahrscheinlich nicht an den Start gehen. Nora Hansel (PTS3, Bochum) hat nach Bekanntgabe der Entscheidung im August beschlossen, ihre internationale Karriere zu beenden.

Ausblick 2019

Die nächste Saison steht auch bei den Para Triathleten schon im Zeichen der Paralympics in Tokio 2020. Zwischen dem 29. Juni 2019 und dem 29. Juni 2020 können die Sportlerinnen und Sportler wichtige Punkte für die Paralympics-Qualifikation sammeln. Neben Martin Schulz und Christiane Reppe werden Benjamin Lenatz (PTWC, Radevormwald) und Lena Dieter (PTVI, Viernheim) das Projekt Tokio 2020 in Angriff nehmen.


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