DTU Para Triathleten mit neuem Coach zur EM in Tartu

17.07.2018 12:45 von Jan Sägert

Mit einem schlagkräftigen Team geht der neu installierte Para Triathlon-Cheftrainer Mario Schmidt-Wendling am Donnerstag (19. Juli) bei den Europameisterschaften im estnischen Tartu auf Medaillenjagd. Alle fünf gemeldeten Athleten haben in ihren Startklassen Medaillenambitionen. Paralympics-Champion Martin Schulz (Leipzig) könnte seine überragende EM-Bilanz noch um eine Plakette ausbauen. Auch die Deutsche Meisterin in der Startklasse PTVI, Lena Dieter (Viernheim), träumt mit Guide Lena Kämmerer von Edelmetall. Am Donnerstag ab 10.00 Uhr eröffnen die Para Triathleten die Europameisterschaften in Tartu. 

Bei den Europameisterschaften 2017 weilte Benjamin Lenatz im Krankenhaus statt auf der Wettkampfstrecke. Hohes Fieber verhinderte den Start des Para Triathleten, der wegen eines längeren Infekts auch die Qualifikation zur WM verpasste. In diesem Jahr möchte der 33-Jährige dafür genau wie die vier weiteren nominierten Athletinnen und Athleten der deutschen Para Triathlon-Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften im estnischen Tartu am 19. Juli angreifen – stets im Hinterkopf dabei das große Ziel: die Paralympics 2020 in Tokio.

„Wir haben ein schlagkräftiges Team und auf jeden Fall Chancen auf die ein oder andere Medaille“, sagt der neue Cheftrainer Mario Schmidt-Wendling. Allen voran natürlich der Paralympics-Sieger und mehrfache Welt- und Europameister Martin Schulz, doch auch Lena Dieter (EM-Bronze), Max Gelhaar (WM-Bronze) und Stefan Lösler (EM-Bronze) würden ihre Podiumsplatzierungen aus dem Vorjahr nur zu gern wiederholen.

Lenatz: "Die Konkurrenz schläft nicht"

Leer ausgegangen war 2017 hingegen Benjamin Lenatz. „Sportlich war es für mich kein gutes Jahr, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, in der ich erst die EM und dann auch die WM verpasst habe“, sagt der 33-Jährige aus dem oberbergischen Radevormwald. Nach mehreren Ausfallzeiten musste sich Lenatz, der seit einem Verkehrsunfall 2003 im Rollstuhl sitzt, wieder herankämpfen und die Lücke schließen. „Die Konkurrenz schläft ja auch nicht, das Starterfeld ist stark und das Niveau steigt immer weiter. Doch ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich auf die Europameisterschaften“, sagt Lenatz. Einen Platz im Mittelfeld sieht er als realistisch an. „Natürlich möchte ich gerne noch weiter nach vorn. Dafür werde ich alles rausholen, was geht. Doch ich muss auch taktisch klug unterwegs sein“, weiß der 33-Jährige.

Die bisherigen Ergebnisse in den Wettkämpfen machen durchaus Mut. „Benjamin zeigt eine aufsteigende Form und ist gut drauf“, sagt Schmidt-Wendling. Beim Weltcup im japanischen Yokohama bekam er schon einen Vorgeschmack, was ihn 2020 hoffentlich erwarten wird. „Die Paralympics in Tokio sind mein großes Ziel. Es war vor Ort schon ein spezielles Flair und zudem top organisiert. Daraus lässt sich auch Motivation ziehen“, sagt Lenatz. 2012 erlebte der langjährige Rollstuhlbasketballer, der es auch in den erweiterten Kader der Nationalmannschaft schaffte, die Spiele in London als Zuschauer. „Allerdings ist es natürlich etwas völlig anderes, wenn man als Aktiver zu den Paralympics reisen darf“, betont der ehrgeizige Athlet.

Der Traum von Tokio lebt

Dafür investiert er viel und versucht, gemeinsam mit seinem Team möglichst optimale Voraussetzungen herzustellen, um den Traum von den Paralympics zu verwirklichen. Allerdings ist die Trainingszeit begrenzt. 30 Stunden pro Woche arbeitet Lenatz bei der Stadt Bergisch Gladbach, daneben wird fleißig geschuftet. „Meine Freizeit besteht momentan meist nur aus Essen und Schlafen“, berichtet der Radevormwalder. Den Lohn für den großen Einsatz möchte Benjamin Lenatz gerne schon bei der anstehenden EM einfahren, vor allem aber bei den Paralympics. „Ich freue mich sehr darauf, mit dem gesamten Team eine gute Europameisterschaft zu erleben.“

Neuland für den neuen Chefcoach

Mario Schmidt-Wendling sieht das Team gut gerüstet für die Wettkämpfe in Estland. „Aus dem Abschneiden bei der World Series und den Weltcups können wir Selbstvertrauen ziehen und wir haben definitiv Medaillenkandidaten in unseren Reihen, wohl wissend, dass das Saison-Highlight bei der WM Mitte September steigen wird“, erklärt der deutsche Cheftrainer. Schmidt-Wendling selbst absolvierte seinen ersten Triathlon 1990, seit 2004 ist er auch Coach und seit wenigen Monaten Cheftrainer der deutschen Para Triathlon-Nationalmannschaft. „Trotz meiner langen Triathlon-Erfahrung ist das für mich noch ein Stück weit Neuland, doch ich lerne vieles hinzu mit Blick auf Regelwerk, Klassifizierung und was mit den unterschiedlichen Behinderungen möglich ist. Es gibt sicherlich noch einige Stellschrauben, an denen wir drehen können und ich bin guter Dinge, dass wir mit dem Team viel herausholen können.“

Quelle: Deutscher Behindertensportverband (www.dbs-npc.de)

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