Sophia Saller: Hauptfokus Triathlon für den Traum von Tokio

07.07.2018 09:28 von Jan Sägert

Im strömenden Regen von Kitzbühel ging im Sommer 2014 der Stern von Sophia Saller auf. Die gebürtige Münchnerin holte EM-Silber und wenige Wochen später U23-WM-Gold im kanadischen Edmonton. Vier Jahre später bastelt sie an einer der renommiertesten Universitäten der Welt, in Oxford, an ihrem Doktortitel. Für ihren olympischen Traum verlässt Saller in wenigen Wochen ihre Wahlheimat England. In Nürnberg nimmt sie in den nächsten zwei Jahren Kurs auf Tokio. Unser Team für Hamburg - Teil 3...

Sophia, 39, 29, 49… kommt Dir im Zusammenhang mit Hamburg vermutlich bekannt vor. Du bist die Mathematikerin – welche Zahl folgt hier? … im Ernst: Welche Erinnerungen verbindest Du mit Deinen drei bisherigen Hamburg-Starts?
Mathematisch gesehen, müsste es wohl die 39 oder die 19 sein - realistisch gesehen, ist das aber eher unwahrscheinlich. Allgemein habe ich immer gute Erinnerungen an Hamburg, auch wenn meine Rennen dort bisher eher durchwachsen waren. 2014 war mein erstes WTS-Rennen in Hamburg und das ist immer etwas Besonderes. 2016 war Hamburg mein letztes WTS-Rennen der Saison (aus Verletzungsgründen und wegen der schweren Erkrankung meines Vaters). Es war also auch das letzte WTS-Rennen, das mein Vater noch wirklich miterlebt hat. Hamburg ist daher, nicht nur weil es das Heimrennen ist, ein besonderes für mich.
 
Welche Erkenntnisse haben die Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf hinsichtlich Hamburg für Dich gebracht?
Allgemein war ich mit meinem Rennen in Düsseldorf zufrieden. Ich habe bis kurz vor Düsseldorf noch ziemlich viel und hart trainiert, da ich an diesem Wochenende noch beim Weltcup in Tiszaujvaros (Ungarn) und dann in Hamburg am Start bin. Mit dem Schwimmen war ich wirklich zufrieden und ich hoffe, dass ich das Selbstbewusstsein davon mit nach Hamburg nehmen kann. Beim Absteigen vom Rad habe ich mir leider den Fuß vertreten und konnte deshalb einige Tage nicht laufen. Dafür, dass ich in Düsseldorf selbst während des Laufens Schmerzen beim Auftreten und Abdrücken hatte, bin ich auch damit zufrieden.
 
Der Radkurs in Hamburg ist ähnlich technisch wie der in Leeds… dort hattest Du nach dem Rennen über die fehlenden Rad-Skills gesprochen. Was stimmt Dich zuversichtlich, in Hamburg trotzdem etwas weiter vorn mitzumischen?
Meiner Meinung nach ist der Kurs in Leeds schon noch ein Stück anspruchsvoller, technisch gesehen, als der Radkurs in Hamburg. Zudem habe ich in den letzten Wochen auch versucht, an meinen Bike Handling Skills zu arbeiten.
 
Hamburg wird Dein 16. Rennen in der World Triathlon Series (Edmonton 2014 mal außen vor). An welches Rennen  erinnerst Du Dich besonders gern und was war dort das Besondere?
Da kommen mir zwei Rennen in den Sinn: auf jeden Fall an das Rennen 2015 in Cape Town aber auch London 2015. Cape Town aus dem ganz einfachen Grund, dass ich für einen Großteil des Laufens das Rennen anführen konnte - und das war ein wirklich super Gefühl! Auch sonst waren die Menschen in Cape Town alle überaus freundlich und die Stadt selbst ist wunderschön! An London 2015 erinnere ich mich auch wirklich gern (auch wenn es am Tag vor meinen ersten Masterprüfungen war), da meine Familie und viele meiner Freunde aus Oxford zum Zuschauen und Anfeuern an die Strecke kamen (und ich mit meinem zehnten Platz auch sehr zufrieden war).
 
Tokyo 2020 rückt Woche für Woche näher. Wie schätzt Du derzeit Deine Chancen ein, in zwei Jahren in Japan für Deutschland an der Startlinie zu stehen – und Dir damit Deinen sportlichen Traum zu erfüllen?
Für mich steht bald ein großer Wechsel an... in wenigen Wochen werde ich zurück nach Deutschland ziehen und am Stützpunkt in Nürnberg trainieren. Mein PhD neigt sich dem Ende zu (es muss "nur" noch alles zusammen geschrieben werden, was mit Abstand wohl der Teil des PhDs ist, der sich am meisten ziehen wird und am wenigsten Spaß macht. Ich werde die nächsten zwei Jahre meinen Hauptfokus auf Triathlon legen. Der Umzug nach Nürnberg bedeutet auch, dass mein Trainer Roland Knoll mich fast jeden Tag im Training sehen wird und das Training entsprechend besser abgestimmt werden kann. Zudem werde ich physiotherapeutisch und ärztlich in Deutschland besser betreut werden und ich hoffe, dass dadurch längere Trainingsausfälle durch Verletzungen oder Krankheiten vermieden werden können. Daher bin ich soweit zufrieden - wohl wissend, dass in den letzten Monaten meine Doktorarbeit und das Unterrichten an der Universität Vorrang hatten und auch viel Zeit, Stress und Anstrengung mit sich gebracht haben. Trotzdem werde ich der Mathematik treu bleiben und nebenher an einigen Projekten mitarbeiten, um auch den notwendigen Abstand zum Triathlon zu bekommen.

 

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