20 Jahre Triathlontrainer: Frank Heimerdinger im Interview

31.03.2018 09:00 von Jan Sägert

Frank Heimerdinger ist verantwortlicher Trainer am Bundesstützpunkt Triathlon Neubrandenburg. Seit zwei Jahrzehnten trainiert und entwickelt der 58-jährige Diplom-Sportwissenschaftler dort junge Triathletinnen und Triathleten. 1998 kam er aus Sachsen nach Mecklenburg-Vorpommern, um den Stützpunkt aufzubauen. Wir haben mit dem gebürtigen Leipziger und Triathlontrainer des Jahres 2015 gesprochen.

Frank, vor fast genau 20 Jahren bist Du aus Sachsen nach Neubrandenburg gekommen. Erinnerst Du Dich noch an die Anfangszeit?
Na klar. Ich habe damals eine Trainingsgruppe übernommen, die aus vier Sportlern bestand. Da waren unter anderem Susanne Trappiel und Martin Springstein dabei. Insgesamt war das natürlich eher dürftig. Zwei Sportler habe ich noch aus Sachsen mitgenommen – so wurde die Trainingsgruppe zumindest etwas größer. Trotzdem hat es fast sechs Jahre gedauert bis unser System gegriffen hat. Richtig funktioniert hat es eigentlich erst ab 2004. Wenn ich heute zurückdenke, war das zwar alles sehr zeitaufwändig, aber ich denke auch, dass es gut und richtig war, dass man in der Anfangszeit nicht gleich die Nerven verloren hat. Dazu kam noch, dass ich das Glück hatte, dass mir nie jemand in meine Arbeit reingeredet hat. So ging das damals los.

Was ist 2004 passiert – und wie ging es weiter?
2004 haben wir von der DTU den Status eines Stützpunkts bekommen. Damit waren wir damals die ersten. Vier Jahre später gab es die zweite hauptamtliche Trainerstelle, 2012 kam die dritte dazu. Das war dann auch für mich ein Knackpunkt. Von diesem Zeitpunkt an konnte ich mich ein bisschen mehr auf die Größeren konzentrieren und wir haben es dann geschafft, international nicht mehr einfach nur dabei zu sein, sondern mit Lena Meißner und Peer Sönksen vorn anzugreifen. Das hat sich letztlich ja auch in einigen Medaillen widergespiegelt.

Lena Meißner schaffte unter Heimerdinger den Sprung in die nationale Triathlonspitze (Foto: Jan Müller)Welche Erfolge Deiner Schützlinge sind Dir am meisten in Erinnerung geblieben? 
Unsere Highlights waren sicher der Vize-Weltmeistertitel von Peer Sönksen 2015 in Chicago und die beiden Bronzemedaillen von Lena Meißner bei den Europameisterschaften 2015 und 2016. Ein absoluter Knaller für mich als Trainer war der Tag, an dem Lena 2016 in Düsseldorf als Juniorin Deutsche Meisterin der Elite wurde. Damals hatte sie sicher auch etwas Glück, aber man muss eben auch in der Lage sein, dieses Glück für sich zu nutzen. Letztlich ist es ja auch genau das, was ein Bundesstützpunkt als Zielrichtung hat.

Der Trainerjob im Triathlon gehört sicher nicht zu den leichtesten. Sie sind jetzt 20 Jahre dabei. Wie geht es weiter in Neubrandenburg?
Wie viele andere denke auch ich in Olympia-Zyklen. Wir hatten zuletzt sicher ein, zwei schwerere Jahre – vor allem 2017 mit nur zwei Athleten im Bundeskader – das ist natürlich wenig, wenn man vorher immer mit fünf bis acht Sportlern dabei war. Es gibt aber eben auch Jahrgänge, wo nichts dabei ist. Auch nicht, wenn man sich auf Kopf stellt und mit den Beinen wackelt. Man braucht Sportler, die neben dem Willen sich das Training anzutun, auch ein gewisses Talent mitbringen. Talent zum einen für die drei Sportarten an sich – zum anderen aber auch im Sinne der Belastungsverträglichkeit.

Wie ist die Situation heute – wie viele Triathlontalente trainieren am Stützpunkt?
Aktuell betreuen wir als Trainerteam ziemlich genau 100 Kinder und Jugendliche, von denen 40 jetzt schon eine leistungssportliche Ausrichtung haben, also Schüler A oder älter sind. Die anderen 60 jungen Sportler sind auf dem Weg in die Vorbereitung für diese Ausbildungsetappe. Dazu möchte ich noch sagen, dass wir in den vergangenen Jahren kaum selbst auf Sportler zugegangen sind, um sie dazu zu bewegen, zu uns zu kommen. Meistens haben interessierte Athleten bei uns angefragt und sich während einer Schnupperwoche ein Bild von dem gemacht, was hier möglich ist. Wobei man ganz realistisch feststellen muss, dass die Zahl der Jugendlichen, die diesen Weg konsequent gehen wollen, geringer wird.

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