Christiane Reppe: Es wird eine richtige Herausforderung!

25.10.2018 09:00 von Eva Werthmann

Christiane Reppe ist eine der erfolgreichsten deutschen Para-Sportlerinnen der vergangenen Jahre. Paralympics-Gold in Rio, vier Weltmeistertitel und zahlreiche weitere Medaillen im Handbiken, sowie Paralympics- und WM-Medaillen im Schwimmen. Nun sucht Reppe, deren rechtes Bein aufgrund eines Tumors amputiert werden musste als sie 5 Jahre alt war, nach einer neuen Herausforderung. Wir haben mit der 31-jährigen Dresdenerin über ihren Wechsel zum Para Triathlon gesprochen.



Hallo Christiane, warum hast du dich entschieden, zum Triathlon zu wechseln?

Ich war früher eine ganze Weile beim Schwimmen, habe dort 2002 meine erste WM bestritten und war 2012 noch als Schwimmerin bei den Paralympics in London. Danach bin ich zum Handbiken gewechselt und habe auch dort in den vergangenen Jahren sehr viele Erfolge feiern können. Dieses Jahr merkte ich dann zum ersten Mal, dass die Motivation weniger wurde. Ich hatte gar keinen richtigen Drang mehr, aufs Podium zu fahren, was ich von mir so nicht kannte. Nach einem Gespräch mit dem Bundestrainer Para Cycling habe ich mir erstmal etwas Zeit genommen, um darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll. Für mich war klar, dass ich Tokio noch machen will, aber ich habe mich dort nicht im Handbike gesehen. Ich habe viel mit Freunden gesprochen und irgendwann kam der Vorschlag: versuch es doch mit Triathlon. Nachdem ich dann ein paar Mal Schwimmen war habe ich gemerkt, das ist es. Ich habe innerhalb einer Woche die Entscheidung getroffen, die Lizenz beantragt und bei der DTU den Rennanzug bestellt. Danach habe ich mit Martin Schulz gesprochen, den ich noch sehr gut vom Schwimmen kannte und der mich mit dem Bundestrainer Para Triathlon in Kontakt gebracht hat.

Nach Schwimmen und Handbike ist Triathlon die logische nächste Sportart…

Das haben viele in den letzten Jahren gesagt und ich habe immer gesagt „Nein, nein, ich will das nicht.“ Was für mich aber schon seit einem Jahr feststeht, ist, dass ich 2021 am Ironman auf Hawaii teilnehmen möchte. Der Wechsel zum Triathlon mit Ziel dem Tokio 2020 vereinfacht dieses Vorhaben natürlich, weil ich mich schon heute auf das Rennrollstuhlfahren konzentrieren kann.
Was ich mache, mache ich richtig. Ich war bereits in Dänemark und habe mir einen Rennrollstuhl anpassen lassen. Der kommt gerade noch rechtzeitig vor meinem ersten Triathlon-Weltcup an, so dass ich auf Madeira noch zwei Tage Zeit habe, ihn mir anzuschauen.

Auf was freust du dich denn ganz besonders bei deiner Triathlon-Premiere?

Ich freue mich schon, die ganze Mannschaft kennenzulernen. Kurz nachdem ich auf Facebook geschrieben habe, dass ich Triathlon machen will, hat Benni (Lenatz, Anm. d. Red.) „Herzlich Willkommen im Team“ geschrieben, das fand ich total nett. Und dann freue ich mich auch darauf, viele alte Bekannte vom Schwimmen zu treffen, die auch zum Triathlon gewechselt sind. Nachdem ich beim Handbiken vor allem den Oberkörper und die Arme eingesetzt habe, ist es schön, wieder etwas Ganzheitlicheres zu machen. Und irgendwie freue mich langsam auch schon wieder aufs Schwimmen.

Wovor hast du bei deinem ersten Rennen auf Madeira am meisten Respekt?

Eigentlich vorm Rennrollstuhlfahren, weil ich das noch gar nicht so richtig kann. Ich bin froh, dass bei meiner Premiere erst einmal nicht so viele andere Athletinnen in meiner Startklasse am Start sind. Da ist der Druck ein bisschen geringer. Vor dem Schwimmen im Meer habe ich auch etwas Respekt, ich bin bisher eher eine Poolschwimmerin gewesen. Das wird insgesamt eine ganz spannende Sache: die Wechsel und die Kombination der drei Sportarten, dass man nach dem Schwimmen noch Handbiken und Rennrollstuhlfahren muss. Es wird eine echte Herausforderung, aber ich freue mich total darauf.

Wie geht es nach Funchal für dich weiter, hast du schon einen Plan?

Dann fängt das Training erst richtig an (lacht). Anfang November werde ich Marcel Hug in Nottwill in der Schweiz besuchen. Das ist einer der besten Rennrollstuhlfahrer weltweit. Er soll mir das Rennrollstuhlfahren beibringen. Ich will es direkt ordentlich lernen, weil es sehr technisch ist und ich meinen Körper nicht kaputt machen will, indem ich etwas falsch mache. Ich werde mich mit dem Bundestrainer Para Triathlon in Portugal unterhalten, welche Trainings- und Wettkampfumfänge realistisch sind. Nächstes Jahr möchte ich dann so viele Rennen wie möglich bestreiten. Wobei das mit der Finanzierung bisher noch nicht geklärt ist. Momentan bin ich noch Mitglied im Para Cycling Kader und froh, dass der Trip zum Weltcup in Funchal finanziert wird. Dafür bin ich dem DBS sehr dankbar. Wie es danach weiter geht, muss ich mit dem DBS besprechen. Im Triathlon bin ich ja bisher noch unbekannt.


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