"Mit Triathlon Schüler begeistern"

09.04.2019 09:21 von Jonas Konrad

Max Stadler ist seit drei Jahren als Trainer für das Präventionsprogramm TRI-AKTIV Kids der BKK Mobil Oil unterwegs. Dafür hält er zahlreiche Sportstunden in Frankfurter Schulen ab. Sein Ziel ist es, möglichst viele Schülerinnen und Schüler für mehr Bewegung und den Triathlonsport zu begeistern.

Wir haben mit dem passionierten Triathleten von Eintracht Frankfurt über sein Engagement und die besonderen Herausforderungen im Schulsport gesprochen.

Hallo Max, du bist für das Schulprojekt TRI-AKTIV Kids in Frankfurt als Trainer unterwegs. Wie kann man sich deine Aufgaben vorstellen?

TRI AKTIV findet in Frankfurt derzeit an zwölf ganz unterschiedlichen Schulen statt. An jeder Schule gibt es einen Trainer – in Frankfurt sind wir inzwischen zu viert unterwegs. Man kann sich die Aufgabe so vorstellen: Man kommt als Trainer zur Schule, übernimmt den Sportunterricht und stellt die Sportart Triathlon in all ihren Facetten vor. Die Lehrkräfte sind weiterhin mit dabei. Der Zeitraum des Projekts ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Wir versuchen dann, die einzelnen Sportarten über vier bis sechs Wochen gleichmäßig zu verteilen, z. B. einmal Schwimmen, zwei Mal Radfahren und zwei Mal Laufen. Das kommt vor allem auf die Hallen- und Schwimmzeiten der jeweiligen Schulen an.

Lassen sich Schüler denn von einer herausfordernden Sportart wie Triathlon begeistern?

Wenn man sich an seine eigene Schulzeit zurückerinnert, war der Unterreicht doch immer dann interessant, wenn jemand aus der Praxis die Schulstunden übernommen hat. Dadurch habe ich sofort einen Bonus, wenn ich in eine Klasse komme. Wir sind außerdem pädagogisch fit, natürlich nicht so wie die Lehrer, können dafür aber fachlich die Sportart viel besser vermitteln und die eigene Sporterfahrung mit einbringen. Meistens kommt Triathlon schon deshalb sehr gut an, weil es etwas ganz anderes als der tägliche Sportunterricht ist. Die meisten Kinder machen in der Grundschule den Fahrradführerschein und gehen dann vielleicht ein halbes Jahr ins Schwimmbad. Ausdauerndes Laufen und Athletiktraining findet in den wenigstens Schulen überhaupt statt, weil leichtathletische Disziplinen wie Springen und Werfen für die Lehrkräfte zunächst einfacher und abwechslungsreicher erscheinen.

Was sind die besonderen Herausforderungen, mit denen ihr im Schulsport konfrontiert werdet?

Grundsätzlich ist alles, was mit der Institution Schule zusammenhängt, eine besondere Herausforderung: Die Schülergruppen sind sehr heterogen mit den unterschiedlichen Leistungsniveaus und Vorkenntnissen. Dazu kommen situative Faktoren, z. B., dass die Schülerinnen und Schüler gerade einfach keine Lust auf Sportunterricht haben oder, dass sie in der nächsten Stunde eine Mathearbeit schreiben und sie dadurch unruhig und nervös sind.

Nicht jede Schule hat ein Schwimmbad und nicht jedes Kind kann sein Fahrrad mit zur Schule bringen. Welche Lösungen habt ihr für solche Fälle gefunden?

Das Schwimmen ist in der Tat die größte Herausforderung. Die meisten Schulen haben festgelegte Schwimmzeiten, und wenn wir dann in einer anderen Jahrgangsstufe oder an einem anderen Tag TRI-AKTIV anbieten, klappt das mit dem Schwimmen ganz einfach nicht. Dafür nehmen wir dann ein Einheit Radfahren oder Laufen zusätzlich ins Programm.

Eine pragmatische Lösung ist, das Schwimmen mit anderen Übungsformen in der Halle zu simulieren. Auch wenn das natürlich kein echter Ersatz für ausgefallene Schwimmstunden ist. Beim Radfahren sieht es dagegen etwas anders aus: Es reicht aus, wenn wir zehn Fahrräder vor Ort haben, dann wechselt man sich einfach ab. Das konnten wir bisher in jeder Klasse einrichten.

Wenn du nur eine Doppelstunde zur Verfügung hättest, wie würdest du versuchen, den Schülerinnen und Schülern die Besonderheiten im Triathlon erlebbar zu machen?

Ich würde Fahrradfahren und Schwimmen weglassen, nur in die Turnhalle gehen und dort abwechslungsreiche Übungsformen durchführen. Eine gute Möglichkeit ist der Hallentriathlon, mit Rollbrettern, Pedalofahren, Wechseltraining und Laufen. Die Problematik beim Schwimmen und Radfahren ist der große Zeitverlust an der Schule. Wenn man Fahrrad fährt oder schwimmen geht, bleiben von den 90 Minuten einer Doppelstunde vielleicht 30 Minuten Bewegungszeit. Der Rest geht durch An- und Abreise, Vorbereitungen und Umziehen verloren. In der Halle bleibt einfach mehr Zeit zum Bewegen.

Kann man in der Schule auch einen richtigen Triathlon-Wettkampf während des regulären Sportunterrichts durchführen?

Eine Schule in Frankfurt liegt direkt neben einem Schwimmbad mit angrenzender Laufbahn. Da konnten wir einen kompletten Triathlon durchführen. Das ist natürlich sehr aufwendig dafür, dass die Kinder am Ende nur 15 Minuten unterwegs sind, bietet aber für die meisten auch ein einmaliges Erlebnis. Bei anderen Schulen haben wir die Schwimmzeiten gestoppt und nach einer kurzen Pause mit Radfahren und Laufen weitergemacht. Bei anderen kann man einen Technik-Wettkampf mit Rad- und Laufparcours anbieten. Im Rahmen der normalen Einheiten finden auch immer wieder kleinere Staffel- oder Laufspiele statt.

Die meisten Kinder haben während des Schulprojektes TRI-AKTIV zum ersten Mal Berührung mit Triathlon. Zeigen die Schülerinnen und Schüler denn auch nach dem Projekt weiteres Interesse an der Sportart?

Von der gesamten Masse an Schülern, die man durch das Projekt erreicht, bleiben nur ganz wenige beim Triathlon hängen. Ich weiß nur von sechs oder sieben Kindern, die in den letzten Jahren bei uns oder den Nachbarvereinen angefragt haben. Das ist sicherlich auch den individuellen Situationen geschuldet: wo die Kinder wohnen, wo die Schule liegt, wo dann auch der nächste Triathlonverein ist. Insgesamt ist viel gewonnen, wenn wir bei den Kindern den Spaß an der Bewegung insgesamt wecken können.

Du bist jetzt schon seit drei Jahren als TRI-AKTIV Trainer in den Schulen unterwegs. Wie lautet dein bisheriges Fazit?

Die Triathlon-Schulstunden kommen immer sehr gut an, vor allem das Radtraining ist für die meisten Schüler ein Highlight. Wenn man aber über das Projekt hinausblickt, glaube ich, dass einige triathlonspezifische Inhalte den Weg in den normalen Schulsport finden werden. Auch, weil wir den Lehrerinnen und Lehrern neuen Input für ihre Unterrichtsgestaltung geben. Gerade Übungen aus dem Laufbereich werden gerne übernommen, weil es umsetzbare und motivierende Spielformen für den Koordinations- und Ausdauerbereich sind. Zudem finden sich in der Schulsportbroschüre immer gut aufbereitete Stundeninhalte, die wir den Lehrerinnen und Lehrern direkt mit an die Hand geben können.


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