Daniel macht Triathlon: Trotz Multipler Sklerose

23.12.2019 16:02 von Thorsten Eisenhofer

Daniel führt ein normales Leben: er hat eine Familie, ein Haus und einen Job, den er gerne macht. Für Sport hat er keine Zeit – und auch nur wenig Interesse daran. Völlig unerwartet und in der Lebenssituation unpassend ereilt ihn das Schicksal Multiple Sklerose. Sein Leben gerät vollends aus den Fugen, ihm geht es körperlich und seelisch schlecht. Doch dann animiert ihn ein Kumpel zum Sporttreiben. Daniel ziert sich lange, beginnt dann doch, sich zu bewegen. Und Sport entpuppt sich als die beste Medizin. Heute geht es ihm gesundheitlich deutlich besser und er hat mehrere Triathlons absolviert.

Die Diagnose ist der größte Tiefschlag in Daniels Leben

Als Daniel sich bei der DATEV Challenge Roth 2014 als dritter Athlet einer Staffel auf die Marathonstrecke begibt, weiß er, es wird eine ganz knappe Sache. Eine ganz knappe Sache, ob er bis zum Zielschluss die 42,195 Kilometer bewältigt haben wird. Oder nicht. Knapp fünf Stunden lang kämpft er gegen das Zeitlimit, weiß die ganze Zeit, wie knapp es werden wird. Aber er schafft es. Fünf Minuten vor Zielschluss. Es ist ein unvergessliches Erlebnis für ihn. „An dem Tag wusste ich, ich will mal selbst ein komplettes Rennen bei der Challenge Roth machen“, sagt Daniel.

Man muss wissen: Daniel hat seit 2006 Multiple Sklerose.

Daniel führt ein ganz normales Leben bis zu jenem Tag im Herbst 2006. Als er morgens aufwacht, ist ihm schwindelig, alles dreht sich, er muss sich übergeben. Ein Arzt kommt zu ihm nach Hause, sagt, irgendetwas mit dem Kreislauf sei nicht in Ordnung. Das werde schon wieder, er solle sich keine großen Sorgen machen.

Es wird aber nicht besser. Im Gegenteil: Es wird schlimmer. Daniel sieht auf einem Auge fast nichts mehr, ein Mundwinkel hängt herunter. Er ist nicht mehr in der Lage, zehn Meter zu gehen. Er sucht Arzt um Arzt auf. Ohne eine wirkliche Diagnose zu erhalten, zu wissen, was los ist. Bis ihm ein Mediziner sagt, er habe Multiple Sklerose (MS).

Es ist der größte Tiefschlag in Daniels Leben, der Moment, in dem er denkt: Das war’s. „Ich hatte das Bild im Kopf, dass alle, die MS haben, im Rollstuhl sitzen“, sagt Daniel. Existenzängste kommen auf: Er hat gerade den Lehrgang zur Vorbereitung auf dieSteuerberater Prüfung angefangen, sein erstes Kind ist neun Monate alt, vor knapp einem Jahr haben seine Frau und er ein Haus gebaut. Sie sind hoch verschuldet.

Der Anstoß, der Richtungswechsel, er kommt von außen

Ein zweiter Schub folgt nach wenigen Monaten. Zwei, drei Jahre lang setzt ihm die Krankheit stark zu. „Es ging mir auch seelisch überhaupt nicht gut, das ging sogar in Richtung Depressionen“, sagt Daniel. Er bekommt Medikamente, nimmt zu, wiegt bis zu 110 Kilogramm. Muss er zwei Etagen hochlaufen, ist er bereits außer Atem. Sein Leben, es dümpelt vor sich hin. Daniel zeigt wenig Engagement, es zu verbessern.

Der Anstoß, der Richtungswechsel, er kommt von außen. Ein Kumpel und Arbeitskollege fragt, ob er ihn nicht mal ins Fitnessstudio begleiten will. Daniel sagt zu. Dann wieder ab. Er ziert sich. So geht das drei Monate. Dann gibt er sich einen Ruck und geht mit zum Spinning. Gleich beim ersten Mal ist er vollauf begeistert. „Es tat richtig gut“, sagt Daniel.

Er merkt: Sport ist nicht etwa schädlich für ihn, sondern eine Wohltat. „Sport ist die beste Medizin“, sagt Daniel. Seine Lebensqualität steigt, seine Lebenseinstellung hat sich extrem geändert. Er hat daran gearbeitet, das Leben positiv zu sehen, mit der Krankheit umzugehen. Seit zwölf Jahren ist er schubfrei. Abgenommen hat er auch. Alleine zehn Kilogramm in den ersten beiden Monaten.

Daniel ist ein Mutmacher für andere

Er ist ein Mutmacher für andere MS-Patienten und Menschen, denen es gesundheitlich nicht gut geht. „Auch wenn etwas aussichtslos ist, kann man es schaffen“, sagt Daniel: „Wenn meine Kinder sagen, dass etwas nicht geht, frage ich sie, woher sie das wissen.“

Er steigert sein Sportprogramm langsam. Zu Beginn sind 15 Kilometer auf dem Fahrrad schon eine schwer zu meisternde Herausforderung. Dann kommt der Marathon, es folgt das Ziel Triathlon. 2018 erfüllt er sich dann seinen großen Traum: Er finisht den DATEV Challenge Roth. Ein Jahr zuvor nimmt er bereits am Ironman Hamburg teil und erreicht das Ziel. Er braucht diese Herausforderungen. Ohne Ziele zu haben, kann er sich nur schwer für Sport motivieren, sagt er: „Ansonsten sitze ich im Winter abends ab 19 Uhr mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher.“

Verletzungen oder Krankheiten haben dich erst recht angespornt, weiter aktiv zu sein? Du hast viel durchgemacht, aber der Triathlon hat dir immer Halt gegeben? Du hast eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.



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