"Es ist ein Traum, den ich gerade lebe"

10.12.2019 15:10 von Thorsten Eisenhofer

Valentin Wernz (Saarbrücken) hat in der Saison 2019 einen großen Entwicklungsschritt gemacht. Im Interview spricht der 24-Jährige über einen historischen Moment, seine Rolle als Vorbild, den Triathlon-Lifestyle und den Traum von Olympia.

Valentin, du bist mittlerweile wieder im Training für die kommende Saison. Wie war der Urlaub?

Wir (er und seine Freundin Annika Koch, Anm. d. Red.) waren in Italien und anschließend noch in Wien. Es war ein entspannter Urlaub.

Also ohne Sport?

Ja. Aber wir haben in Wien den Marathonlauf von Eliud Kipchoge im Rahmen der "ineos159challenge" gesehen, als er den Marathon in unter zwei Stunden lief. Das war echt cool, mitanzusehen, obwohl es an dem Morgen ziemlich kalt war.

Blicken wir auf deine sportliche Saison. Du dürftest ganz zufrieden sein.

Es war meine bislang erfolgreichste Saison. Das Jahr hat mit dem Weltcup-Podium in Australien (Valentin belegte in Mooloolaba Rang drei, Anm. d. Red.) richtig gut angefangen. Das hat sich in dem Jahr zuvor schon angebahnt, dass das Weltcup-Podium nicht so weit weg ist. Das hat mir dann auch Schwung für den Rest des Jahres gegeben. Der Höhepunkt war der Vize-Weltmeistertitel im Mixed Relay in Hamburg. Es ging schon ein Traum in Erfüllung, in Hamburg zu starten. Ich hatte als 19. mein bisher bestes Einzelergebnis in einem Rennen der World Triathlon Series (WTS). Dass ich dann mit der Staffel noch Zweiter werde, war einfach bombastisch. Mit dem Deutschen Meistertitel habe ich dann auch noch gut abgeräumt. Es war eine starke Saison, aber ich bin noch nicht da, wo ich hinwill. Daher werde ich weiter motiviert arbeiten, um auch in der WTS weiter nach vorne zu kommen.

Gibt es ein Ereignis, das du herausgreifen würdest?

Jedes der Rennen für sich (das erste Weltcup-Podium in Mooloolaba, der Vize-Weltmeistertitel in Hamburg, der DM-Titel in Berlin, Anm. d. Red.) hat eine spezielle Bedeutung gehabt. Hamburg ist natürlich schon etwas, was heraussticht. Das wird wahrscheinlich in 20 Jahren noch eines der erfolgreichsten Ergebnisse meiner Karriere sein.

Wenn man deine Ergebnisse anschaut, sieht man ab Mitte 2018 einen deutlichen Aufwärtstrend.

Ich habe die vergangenen Jahre konstant durchtrainiert. Davor war ich oft verletzt. Seitdem ich regelmäßig im Weltcup starte, beziehungsweise auch starten darf, habe ich einen großen Entwicklungsschritt gemacht, was vermutlich auch ganz normal ist. Wenn ich öfter in den Rennen der WTS starten kann, hoffe ich, nochmal einen Entwicklungsschritt zu machen. Das muss auch das Ziel sein. Wir Deutschen waren im Weltcup in diesem Jahr richtig erfolgreich. Das ist in der WTS noch nicht so. Aber wir wissen alle, wo wir hin wollen und was wir dafür tun müssen. Ein Top-Ten-Ergebnis in der WTS ist der nächste Schritt für mich. Das ist machbar.

Schaut man auf 2020, überlagert Olympia alles. Denkt man als Athlet da jeden Tag dran?

Jeden Tag nicht. Das wird sich aber ändern, je näher das interne Qualifikationsrennen in Kienbaum rückt. Das Ziel ist natürlich ganz klar, dort bestmöglich in Form zu sein und mit dem bestmöglichen Material am Start zu stehen. Bis dahin muss jeder Stein umgedreht sein, um sagen zu können, ich habe alles versucht. Dann habe ich ganz gute Chancen, ein Wörtchen um den Sieg und um das Olympiaticket mitzureden.

Hattest du in deiner Karriere schon mal eine ähnlich starke Fokussierung auf ein Event?

Das stellt alles in den Schatten. Jeder weiß, dass das Ticket greifbar ist und man die Chance hat, zu Olympia zu kommen. Das Staffelformat kommt mir sehr entgegen, da ich eher der schnellkräftige Typ bin. Daher bin ich guter Dinge.

Wie erlebst du die Konkurrenzsituation?

Wir verstehen uns alle gut. Ich bin gespannt, wie die Stimmung ein, zwei Tage vor dem Qualifikationsrennen ist, wenn alle in Kienbaum ankommen. Es wird auf jeden Fall sehr spannend, Sekunden werden entscheiden.

Welche Bedeutung hätte es für dich, bei Olympia dabei zu sein?

Das wäre ein Traum.

Hast du Olympische Spiele schon mal als Zuschauer miterlebt?

Vor Ort noch nicht. Aber ich habe die vergangenen Olympischen Spiele im Fernsehen gesehen. Peking 2008 war ein Jahr, bevor ich mit Triathlon angefangen habe. Aber London 2012 und Rio de Janeiro 2016 habe ich verfolgt. Vor Rio habe ich am Stützpunkt in Saarbrücken mitbekommen, wie sich die Athleten vor Ort vorbereiten. Davon kann ich auch profitieren.

Junge Athleten, wie etwa Eric und Jan Diener, die wie du aus Tuttlingen kommen, erzählen oft von dir. Fühlst du dich in einer Vorbildrolle für junge Sportler?

Eigentlich noch nicht. Aber ich kann es mir vorstellen, wie das für sie ist. Als ich in dem Alter war, habe ich natürlich auch zu den Athleten aufgeblickt, die da standen, wo ich jetzt stehe. Ich versuche den jungen Athleten natürlich ein bisschen was mitzugeben, sodass sie dann vielleicht auch mal richtig erfolgreich werden. Wir haben eine gute Basis. Nicht nur in Tuttlingen, sondern in ganz Deutschland. Da kommt auf jeden Fall etwas Gutes nach.

Kommt es vor, dass Athleten auf dich zukommen und nach Tipps fragen?

Beim Wettkampf ab und zu mal. Sie stellen dann Fragen zum Material oder was ich im Training so mache. Da helfe ich natürlich gerne weiter.

Autogramme darfst du auch schon regelmäßig schreiben.

Ja, ich habe seit vergangenem Jahr auch Autogrammkarten. Die müssen jetzt natürlich auch aktualisiert werden mit den ganzen Erfolgen, die dazu gekommen sind. Aber das macht man ja gerne (lacht).

Was ist für dich das Tollste am Triathlonleben. Reisen, Trainingslager, Training?

Das Gesamtpaket. Der Lifestyle gefällt mir einfach gut. Du machst den ganzen Tag nichts anderes als schlafen, trainieren und essen. Und kommst dabei noch viel herum in der Welt. Andere müssen dafür Urlaub nehmen. Es ist ein Traum, den ich gerade lebe.


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