Ivans Lebenswandel auf der Intensivstation

09.12.2019 14:51 von Thorsten Eisenhofer

In den Minuten, nachdem Ivan Matijevic am 21. Juli 2019 um die Mittagszeit beim Mey Generalbau-Triathlon Tübingen das Ziel über die Olympische Distanz erreicht, gehen ihm viele Gedanken durch den Kopf: Er denkt zurück, wie hart die vergangenen knapp zweidreiviertel Stunden waren. Er denkt über das tolle Gefühl nach, seinen ersten Triathlon gefinisht zu haben. Und er denkt zurück, wie sein Leben bis vor knapp vier Jahren gewesen ist.

Ein Leben, über das er selbst sagt, dass er damit „nichts sinnvolles gemacht hat“. Und das beinahe 2015 schon zu Ende gewesen ist.

Partys und Alkohol bestimmen das Leben

Ivan hat über ein Jahrzehnt einen falschen Freundeskreis. Er trinkt zu viel, ist spielsüchtig. Partys bestimmen sein Leben. An einem Abend 2015 muss er sich auf einer Party übergeben, spuckt Blut. Er merkt, irgendetwas stimmt nicht mit seinem Körper. Er geht nach Hause. Dort übergibt er sich drei weitere Male. Jedes Mal spuckt er Blut. Beim vierten Mal schafft er es von der Toilette nicht mehr zurück ins Bett. Er schreit um Hilfe. Sein Vater hört ihn und ruft den Notarzt.

„Wäre mein Vater nicht gekommen und hätte den Notarzt gerufen, ich wäre nicht mehr hier“, sagt Ivan. Er kommt in die Notaufnahme, die Ärzte stellen fest, dass starke Würgereize dazu geführt haben, dass die Speiseröhre die Lunge durchbohrt hat. Innere Blutungen sind die Folge.

Knapp am Tod vorbeigeschrammt

Ivan realisiert nicht, so sagt er, wie schlimm es um ihn steht. „Ich dachte, ich fahre mal kurz ins Krankenhaus und dann wieder nach Hause.“ Stattdessen kommt er auf die Intensivstation. Die Ärzte schaffen es gerade so, sein Leben zu retten. Zwölf Tage verbringt er im Krankenhaus. Erst nach Gesprächen mit Ärzten versteht Ivan langsam, wie knapp er am Tod vorbeigeschrammt ist. Er hat viel Zeit nachzudenken, gerät ins Grübeln: „Da habe ich mir echt mal Gedanken gemacht über mein Leben und meinen Lebensstil.“

Es ist die Phase, in dem quasi sein zweites Leben beginnt. Einen großen Anteil daran hat Michael Fuchs. Während seine „Saufkumpels“ aus dem ersten Leben ihn nicht besuchen („Machst du etwas, was für dein Leben scheiße ist, finden sie es super. Machst du etwas, was für dein Leben super ist, finden sie es scheiße“), kommt Michael sehr häufig im Krankenhaus vorbei. Obwohl sie sich erst seit ein paar Monaten kennen. Michael hat einen positiven Einfluss auf Ivan, einen großen Anteil daran, dass dieser sein Leben radikal ändert, ist einer der Katalysatoren von Ivans zweitem Leben. „Er hat mir die Chance gegeben, mitzuziehen“, sagt Ivan.

Sporttreiben tut ihm gut

Ivan, als Jugendlicher ein guter Handballer, beginnt wieder, Sport zu treiben. Wenn er anfangs auch sehr wenig macht. Machen kann. Es dauert acht Monate, bis er wieder richtig fit ist. Er fängt mit ein bisschen Training im Fitnessstudio an. „Am Anfang war es sehr heftig für mich. Ich fühlte mich schnell platt, hatte keine Power. Aber das Sporttreiben hat mir sofort gut getan. Man sieht sein ganzes Leben anders“, sagt Ivan.

Nach ein paar Monaten ist er soweit, um mit seinem Kumpel Michael laufen gehen zu können. Es ist anfangs mehr eine Qual, als ein Lauf. Er benötigt über acht Minuten für einen Kilometer. „Natürlich war es schwer. Aber ich habe auf die Zähne gebissen“, sagt Ivan. Und er macht Fortschritte. 2016 folgt sein erster Wettkampf, das Spartan-Race in München. „Ich war der nervöseste Mensch auf der Erde“, sagt Ivan: „Aber das Ziel zu erreichen, war ein geiles Gefühl.“ Es folgen weitere Teilnahmen an Läufen.

Ende 2018 entdecken Michael und Ivan dann den Triathlon für sich. „Das Lauftraining war irgendwann eintönig, Triathlon ist voll cool“, sagt Ivan. Auf den Wettbewerb in Tübingen folgt ein Wettkampf im Allgäu. Der Sport hat längst eine wichtige Rolle in Ivans Leben eingenommen.

Ivan sagt, er habe seit jener verhängnisvollen Nacht vor vier Jahren keinen Alkohol mehr getrunken. Am Anfang hatte er Angst vor einem Rückfall. Mittlerweile möchte er gar nichts mehr trinken. „Das Leben ist so kostbar, es gibt so viele schönere Sachen“, sagt er.

Verletzungen oder Krankheiten haben dich erst recht angespornt, weiter aktiv zu sein? Du hast viel durchgemacht, aber der Triathlon hat dir immer Halt gegeben? Du hast eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.


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