"Die Nervosität lässt sich nicht so einfach ablegen"

30.08.2019 07:56 von Thorsten Eisenhofer

Lena Gottwald (TSV Zirndorf) ist eine von über 140 Athletinnen und Athleten der deutschen Altersklassen-Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Lausanne (Schweiz/29. August bis 1. September). Die 23-jährige Europameisterin über die Kurzdistanz hat uns erzählt, warum Triathleten bei ihr im Training vorbeischauen, warum sie gegen Männer antritt und warum sie den Startschuss stets herbeisehnt.

Es ist dein erster Start bei einer WM. Wie nervös bist du ein paar Tage vor dem Start?

Ich bin immer nervös vor einem Wettkampf. Egal ob es ein Ligarennen ist, bei dem es für mich nicht um so viel geht, oder eine große Meisterschaft. Das fängt dann immer eins, zwei Tage vorher an. Ich mache mir dann echt viele Gedanken. Aber zum Glück fällt die Nervosität mit dem Startschuss ab.

Ganz ablegen lässt sie sich nicht?

Ich spreche da echt mit vielen Leuten drüber. Mit meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Trainer. Sie bemühen sich alle, dass ich nicht so nervös bin. Bisher jedoch mit mäßigem Erfolg (lacht).

Was sind deine Ziele für das Rennen in Lausanne?

Ich kenne die Konkurrenz nicht, kann nicht sagen, wie gut die Australierinnen oder Mexikanerinnen sind, die in meiner Altersklasse gemeldet sind. Es wäre wünschenswert, auf das Podium zu kommen.

Der WM-Titel ist der einzige, der dir über die Kurzdistanz noch fehlt …

Wenn es mit dem Titel klappt, hätte ich natürlich nichts dagegen einzuwenden (lacht).

Du bist dieses Jahr Europameisterin geworden und hast Mitte August deinen Titel bei den Deutschen Meisterschaften über die Kurzdistanz verteidigt – und warst dabei erneut die schnellste Frau in der DM-Wertung.

Es ist immer cool, den Titel zu holen. Das ist aber auch mein Anspruch und mein Ziel.

Du standest zum vierten Mal in Folge bei Deutschen Meisterschaften über die Kurzdistanz auf dem Podium, hast zweimal den Titel gewonnen. Ist es dein Ziel, diese Serie auszubauen?

Das wird nicht passieren. Ich werde für kommende Saison eine Profilizenz lösen und meinen Fokus auf die Mitteldistanz legen. Es wird mein nächster Karriereschritt sein. Ich habe auf der Kurzdistanz alles erreicht: Ich bin Deutsche Meisterin, Europameisterin. Die Konkurrenz hat mich nicht mehr gefordert und ich finde es cool, mich jetzt auf der Mitteldistanz mit internationaler Konkurrenz zu messen. Daher will ich den Schritt gehen und denke, ich bin auf einem guten Weg.

Hat die Kurzdistanz für dich ihren Reiz verloren?

Dort wo ich gestartet bin, habe ich gut abgeschnitten. Es ging irgendwie nur noch darum, bei Wettkämpfen meine Zeiten aus dem Vorjahr zu verbessern. Ich freue mich darauf, auf der Mitteldistanz wieder mehr Konkurrenz zu haben. Ich will die Profisparte aufmischen und in die Weltspitze über die Mitteldistanz vorstoßen. Ich hoffe, dass gelingt mir in den kommenden zwei, drei Jahren. Und dann will ich natürlich irgendwann mal eine Langdistanz absolvieren.

Was treibt dich an?

Es ist ein super Gefühl, wenn man das, was man sich erarbeitet hat, zeigen kann. Und es ist natürlich toll, vorne mitzumischen und super cool, wenn man als Erster die Ziellinie überquert.

Du kommst aus Zirndorf, was etwa 40 Kilometer von Roth entfernt ist. Da würde sich die Challenge Roth für ein Langdistanz-Debüt doch anbieten.

Ich bin jedes Jahr bei dem Rennen vor Ort dabei. Die Stimmung ist super cool. Meine Premiere auf der Mitteldistanz ist noch nicht erfolgt, die Langdistanz ist noch weit weg. Daher steht es auch noch in den Sternen, an welchem Ort ich mein Debüt gebe.

Du hast als Achtjährige deinen ersten Triathlon absolviert. Langweilig ist dir der Ausdauerdreikampf in all den Jahren nie geworden?

Nein, es hat immer Spaß gemacht. Man hat ja drei Disziplinen zur Auswahl (lacht).

Hast du eine Lieblingsdisziplin?

Das Radfahren. Ich bin in den vergangenen Jahren auch ein paar Radrennen gefahren. Das ist eine gute Abwechslung und hat echt Spaß gemacht. Auch wenn es im vergangenen Jahr nur Hobbyrennen waren und ich meistens mit den Männern gewertet wurde, weil ich die einzige Frau war.

Dieses Jahr hast du eine Lizenz gelöst.

Ja genau. Wir Frauen fahren meistens zusammen mit der männlichen U17, weil das vom Niveau her gut passt. In den Lizenzrennen sind es zumindest zwei, drei Frauen, die dabei sind.

Du gibst Schwimmkurse für Kinder und auch Kraulkurse für Erwachsene. Kommen da auch Teilnehmer aufgrund deines Namens?

Tatsächlich erzählen mir manche Teilnehmer, dass sie mich vom Wettkampf kennen, von meiner Leistung beeindruckt sind und nun von mir lernen wollen, wie man schnell schwimmt. Die finden es dann cool, in meinem Training vorbeizuschauen.

In der Saisonpause gehst du gerne Klettern. Eine komplette sportfreie Zeit scheint nichts für dich zu sein?

Ich bewege mich einfach gerne. Ich bin niemand, der sieben Tage in Folge am Strand liegen kann und sich bräunen lässt. Das funktioniert bei mir nicht.


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