"Saison hat Erwartungen deutlich übertroffen"

09.08.2019 11:14 von Thorsten Eisenhofer

2019 ist bislang das Triathlonjahr von Simon Henseleit. Er gewann die Goldmedaille im Mixed Relay bei der Junioren-EM, siegte bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften und holte nun Bronze bei der DM der Altersklasse U23. Wir haben mit ihm über seinen derzeitigen Höhenflug, Aquajogging bei schönstem Sommerwetter, die Gründe für seinen Erfolgshunger und eine Top-Platzierung bei der Junioren-WM in Lausanne (29. August bis 1. September) gesprochen.

Simon, Glückwunsch zum dritten Rang bei den Deutschen U23-Meisterschaften. Was bedeutet dir mehr? Der Gewinn des Titels bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften in Grimma Ende Juni oder nun der dritte Platz in der Altersklasse U23?

Ein Titelgewinn ist natürlich immer etwas ganz Besonderes, vor allem, weil es mein erster Erfolg bei einer Deutschen Meisterschaft war. Aber den dritten Rang in der U23 würde ich fast noch ein bisschen höher einordnen, weil ich dies trotz meines noch sehr jungen Alters und gegen sehr starke Konkurrenz erreicht habe. Generell muss man natürlich auch sagen, dass der Rennverlauf einiges zu diesem Ergebnis beigetragen hat, weil ich nach dem Schwimmen den Sprung in die Spitzengruppe geschafft habe und damit eine super Ausgangssituation hatte. Diese konnte ich dann beim abschließenden Lauf für mich nutzen.

Du darfst noch vier Jahre in der Altersklasse U23 starten. Eine Medaille hast du jetzt ja schon. Ist es nun das Ziel, in den kommenden Jahren den Titel zu holen?

Es wäre natürlich toll, dem Deutschen Meistertitel bei den Junioren aus diesem Jahr weitere Erfolge bei nationalen Meisterschaften folgen zu lassen. Aber im Sport ist nichts planbar. Und man hat in Berlin wieder gesehen, wie sehr – gerade im Triathlon – der Rennverlauf die Medaillenvergabe mitbestimmt. Wenn es mit einem Titel klappt, dann freue ich mich natürlich darüber, aber die Konkurrenz ist auch sehr stark und hat da sicherlich ein Wörtchen mitzureden. Ich gebe mir also noch ein paar Jahre Zeit und versuche, nicht zu früh zu viel zu erwarten.

Deutscher Meister der Junioren, Junioren-Europameister im Mixed Relay, Dritter der Deutschen U23-Meisterschaften. Du erlebst ein Jahr mit extrem vielen Höhen.

Es ist eine Saison, die meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. In den vergangenen Jahren war es nicht einfach für mich, weil ich immer wieder verletzt war und deshalb nicht zeigen konnte, was ich eigentlich drauf habe. Dann sind solche Erfolge natürlich umso schöner.

Macht solch eine Phase, in der man nicht zeigen kann, was man zu leisten imstande ist, noch hungriger auf Erfolge?

Auf jeden Fall. Du siehst, wie deine Kumpels in der Bundesliga starten und zu internationalen Meisterschaften fahren, während man selbst bei schönem Wetter Aquajogging machen muss oder wegen einer gebrochenen Hand auf der Rolle Kilometer schrubbt.

Mit der Junioren-WM in Lausanne steht für dich ein weiterer Höhepunkt der Saison an. Du bist dieses Jahr bereits bei der Junioren-EM gestartet. Ist die Junioren-WM noch einmal ein größerer, bedeutenderer Wettkampf für dich?

Weltmeisterschaft klingt natürlich noch einmal besser als Europameisterschaft. Aber für mich macht das keinen großen Unterschied. Es sind zwei tolle Möglichkeiten, sich mit starker internationaler Konkurrenz zu messen. Darauf habe ich mich vor Weert sehr gefreut und darauf freue ich mich nun auch vor Lausanne wieder sehr.

Was nimmst du dir für das Rennen in Lausanne vor?

Ich will – wie am vergangenen Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin – ein gutes Rennen zeigen. Das Ziel ist es, im Schwimmen eine ebenso gute Performance an den Tag zu legen wie in Berlin und vorne mit aus dem Wasser zu kommen. Beim Radfahren kommt mir sicherlich entgegen, dass die Strecke deutlich anspruchsvoller ist als die bei der EM in Weert. Dort konnte ich meine Stärken nicht so wirklich ausspielen.

Gibt es eine Platzierung, die du bei der WM anstrebst?

Ich würde in Lausanne gerne unter die Top Ten kommen, weil das die Qualifikation für den Perspektivkader der Deutschen Triathlon Union bedeuten würde. Das wäre mir sehr wichtig, weil die Förderung über zwei Jahre geht und ein wichtiger Schritt in meiner weiteren sportlichen Entwicklung wäre. In Weert habe ich die Qualifikation für den Kader ganz knapp verfehlt (Rang sechs wäre notwendig gewesen, Henseleit wurde Siebter, Anm. d. Red.). Da will man das nun natürlich unbedingt noch erreichen. Abgesehen von der Kaderqualifikation will ich ein offensives Rennen zeigen, um am Ende so weit vorne wie möglich zu landen.

Du hast Mitte Juli den Junioren-Europacup in Tiszaujvaros (Ungarn) gewonnen. Wie viel Selbstbewusstsein, gerade auch im Hinblick auf Lausanne, gibt dir solch ein Erfolg?

Sehr viel sogar. In Tiszaujvaros lief das Schwimmen gar nicht und ich musste mich auf dem Rad nach vorne arbeiten. Durch eine Attacke am Ende konnte ich mich ein wenig absetzten und meinen Vorsprung bis ins Ziel verteidigen. Es ist schon beruhigend zu wissen, dass man taktisch mehrere Optionen hat und das Rennen nach einem schlechten Schwimmen noch nicht vorbei ist. Außerdem waren einige meiner Konkurrenten, die auch in Lausanne dabei sein werden, am Start. Da stimmt es einen natürlich zuversichtlich, wenn man diese Athleten bereits einmal geschlagen hat.


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