"Es lohnt sich jedes Mal, sich zurückzukämpfen"

01.08.2019 07:46 von Thorsten Eisenhofer

Tim Hellwig (Saarbrücken) konnte verletzungsbedingt erst spät in die Saison einsteigen. Vor den Deutschen Meisterschaften über die Sprintdistanz am Sonntag in Berlin (Das Rennen der Männer wird ab 10.30 Uhr live im ZDF übertragen) haben wir mit dem 20-Jährigen über Werbeplakaten mit seinem Gesicht, den ständigen Kampf mit Verletzungsproblemen und seine Hoffnungen auf eine DM-Medaille in der U23-Wertung gesprochen.

Tim, du bist ein Teil der aktuellen Kampagne der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA). Bist du darauf vorbereitet, dein Gesicht auf Plakaten in Berlin zu sehen?

Ich weiß, dass es einige Online-Banner gibt. Ich bin schon gespannt, ob ich mein Gesicht auf einem Plakat sehe. Das wäre eine coole Sache und würde mich freuen.

Das wird dich aber im Rennen hoffentlich nicht ablenken?

Nein, nein. Da konzentriere ich mich total auf die Strecke.

Die Jungs aus deinem Team werden es sicherlich lustig finden, wenn Tim Hellwig neben ihnen im Auto sitzt und gleichzeitig auf einem Plakat zu sehen ist.

(lacht) Es könnte passieren, dass sie sich da den einen oder anderen Scherz erlauben.

Aber natürlich bist du des Rennens wegen in Berlin.

Die Vorfreude auf den Wettkampf ist sehr groß. Es ist ja ein besonderes Ereignis. „Die Finals“ finden zum ersten Mal statt. Es ist eine coole Sache für alle, die vor Ort dabei sind.

Ihr seid am Sonntagvormittag mit eurem Rennen dran (10.30 Uhr, live im ZDF). Bleibt Zeit, andere Sportereignisse zu verfolgen?

Am Sonntag nach dem Rennen ist noch ein bisschen Zeit. Ich kenne ein paar Leute, die in Berlin starten, zum Beispiel von den Schwimmern. Da würde ich schon gerne mal vorbeischauen.

Der Wettkampf ist nicht nur das letzte Rennen der Saison der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga, sondern auch die Deutsche Meisterschaft der Elite und der Altersklasse U23. Welche Ambitionen hast du in der U23?

Ich bin die Startliste mal durchgegangen. Man schaut dann natürlich, wer alles für eine Top-Platzierung in Frage kommt. Triathlonrennen sind nicht immer so vorhersehbar. Aber ich schiele schon auf das Podest.

Also ist eine Medaille ein Ziel?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin gespannt. Ich starte zum ersten Mal in einem Rennen gegen die ganzen starken deutschen Athleten, die ansonsten vor allem in den Wettbewerben der World Triathlon Series (WTS) dabei sind. Es wird schon spannend sein zu sehen, wie gut ich da mithalten kann.

Es ist für dich also auch so eine Art Standortbestimmung?

Ja genau. Es ist eine Chance für mich zu sehen, wo ich im Vergleich stehe.

Das Rennen in Berlin ist auch dein erster Start dieses Jahr in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga.

Es ist immer cool, in der Bundesliga an den Start zu gehen. Bei Bundesligarennen ist immer Action zu erwarten. Wir sind gut aufgestellt. Mal schauen, ob wir in die Entscheidung um den Tagessieg eingreifen und Buschhütten ärgern können.

Du konntest beim WM-Rennen im September 2018 an der Gold Coast (Australien) nicht starten und bist erst vor rund einem Monat als Sechster beim Europacup in Holten (Niederlande) ins Renngeschehen zurückgekehrt. Grund dafür sind Knochenödem-Probleme, die dich schon länger plagen.

Die Probleme habe ich in den vergangenen zwei Jahren öfter gehabt. Ich hatte dieses Jahr Probleme am selben Bein wie im vergangenen Herbst, aber an einer anderen Stelle, und musste daher meinen Saisoneinstieg weit nach hinten verschieben.

Wie schwierig ist für dich der Umgang damit?

Natürlich ist man schon mal genervt. Aber ich glaube, ich nerve damit fast mein Umfeld mehr. Die müssen einen dann schon mal wieder in die richtigen Bahnen lenken (lacht). Es lohnt sich jedes Mal, sich zurückzukämpfen. Wenn es dann wieder läuft, vergisst man die schwierigen Tage schnell. Man vergisst, wie viele Höhen und Tiefen man in den vergangenen zwei Jahren durchlebt hat. Ich arbeite mit dem Team am Olympiastützpunkt in Saarbrücken daran, dass es in den kommenden Jahren weniger Tiefen werden.

Wie sieht dieser Plan aus?

Wir müssen für mich das richtige Verhältnis aus Belastung und Entlastung finden und viel im Kraft- und Athletikbereich arbeiten. Um dorthin zu kommen, wo ich hinwill, muss ich höhere Umfänge trainieren. Das ist bei mir vom Training her alles noch sehr überschaubar.

Du hast diese Woche erfahren, dass du bei der U23-WM in Lausanne (Schweiz) dabei sein wirst. Dein Saisonhöhepunkt?

Ja, natürlich. Es wird meine erste Olympische Distanz sein und eine coole Herausforderung.

Davon warten in den kommenden Jahren auch einige.

Wichtig wäre es für mich, in den kommenden Jahren konstant Wettkämpfe absolvieren zu können. Dann ergibt sich vieles von selbst. Das Ziel ist es, 2020 bei Weltcuprennen aufs Podium zu kommen. Klappt das, bin ich auf einem guten Weg. Ich habe in letzter Zeit in Gedanken zu viele Schritte übersprungen. Es hat oft nicht so funktioniert, weil ich dann wieder verletzt war.


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