"Frage mich, warum ich nicht früher begonnen habe"

18.06.2019 11:10 von Thorsten Eisenhofer

Christiane Reppe hat erst drei Wettkämpfe im Para-Triathlon bestritten und trotzdem große Ziele. Im Interview spricht sie über den Wechsel zum Para-Triathlon und neue Herausforderungen und erzählt, wie einfach es ist, von den Besten der Welt zu lernen.

Christiane, du wurdest beim Weltcup in Besancon (Frankreich) am Wochenende disqualifiziert. Wie groß ist die Enttäuschung?

Hmm, was soll ich sagen? Ich hatte bis zur Ziellinie einen sehr starken Wettkampf hingelegt und habe als Zweite die Ziellinie überquert. Wir lagen uns bereits in den Armen, als es hieß, dass ich disqualifiziert wurde. Mir ist ein Anfängerfehler unterlaufen. Ich bin nach dem ersten Wechsel mit dem Handbike nicht an der Mount Line stehengeblieben. Das wäre grundsätzlich nicht tragisch gewesen, hätte mich nur eine Strafe von zehn Sekunden gekostet. Dafür hätte ich allerdings an der Penalty Box auf der Laufstrecke halten müssen, nachdem meine Nummer angezeigt wurde. Das tat ich nicht. Aus solchen Erfahrungen kann man nur lernen und es besser machen. Leider hat es mich einige wertvolle und notwendige Punkte auf dem Weg zur Weltmeisterschaft gekostet.

Das Rennen in Besancon war erst dein dritter Para-Triathlon-Wettkampf. Was macht für dich den Reiz am Triathlon aus?

Die Abwechslung, vor allem im Training. Ich finde es cool, neben dem Athletiktraining nicht nur eine Disziplin trainieren zu können. Das macht den Tag spannend und ist auch eine Herausforderung. Und die Wettkämpfe sind komplett anders. Beim Schwimmen oder beim Handbiken ist der Wettbewerb nach einer Disziplin fertig. Im Para-Triathlon geht es einfach weiter. Das ist spannend, das finde ich cool. Ich muss sagen: Manchmal frage ich mich, warum ich nicht schon früher mit Para-Triathlon angefangen habe.

Warum denn nicht?

Beim Paracycling hatte ich wirklich eine super Zeit, war erfolgreich und hatte Spaß. Es war genau die richtige Zeit, um aufzuhören. Triathlon ist eine ganz andere Welt. Die Triathleten sind schon besonders. Und ich merke, dass der Triathlon für Sponsoren und Medien viel interessanter ist, als Handbiken.

Versuche, dich schon früher zum Para-Triathlon zu locken, gab es ja …

Ja. Ich war Schwimmerin, ich war Handbikerin. Das sind zwei der drei Disziplinen im Para-Triathlon. Da ist es klar, dass dich Leute ansprechen und fragen, ob du nicht zum Triathlon wechseln willst.

Und du bist immer standhaft geblieben.

Ja, bis letztes Jahr. Da war ich in einem totalen Motivationstief. Das hat sich das ganze Jahr durchgezogen. Ich hatte von Beginn an ein komisches Gefühl bei den Wettkämpfen an der Startlinie. Aber man macht es letztendlich doch, weil viel dranhängt, wie Sponsoren und der Kaderstatus.

Warum bist du in solch ein Motivationsloch gefallen?

Ich hatte vergessen, mir Ziele zu setzen. Beim Paracycling hatte ich fast alles erreicht, mehrfach den Weltmeistertitel gewonnen und paralympisches Gold geholt. Am Ende der Saison sprach ich mit dem Bundestrainer und wir haben entschieden, dass ich nur weiter mache, wenn sich in meinem Kopf etwas ändert.

Das hat es ja scheinbar nicht.

Nein, ich habe dann innerhalb von eineinhalb Wochen entschieden, dass ich zum Para-Triathlon wechsele. Ich hatte vorher immer gesagt, ich mache das nicht, weil ich mir nicht mehr so viel Schwimmtraining vorstellen kann. In Wirklichkeit ist es aber viel weniger als früher zu meiner Zeit als Schwimmerin, weil ich jetzt ja drei Disziplinen trainiere. Und jetzt macht mir Schwimmen fast wieder am meisten Spaß (lacht). Ich fühle mich richtig gut mit der Entscheidung.

Auch wenn nicht alles einfach ist.

Ja, es ist für mich als Neuling nicht einfach, auf Startlisten für Weltcuprennen und WPS-Rennen zu kommen. Da helfen nur gute Platzierungen. Ich wusste, dass es nicht einfach wird, aber ich bin bereit, weiter alles dafür zu geben. Aber man muss schon aufpassen, dass man sich, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, nicht emotional runter ziehen lässt. Einige Male bin ich wirklich in ein Loch gefallen.

Wo soll dich der Weg im Para-Triathlon hinführen?

Die Paralympischen Spiele in Tokio 2020 sind mein nächstes großes Ziel. Da will ich so gut wie möglich abschneiden. Eine Medaille ist ein realistisches Ziel. Im Jahr darauf möchte ich mich für die Ironman-WM auf Hawaii qualifizieren. Einmal möchte ich dieses Spektakel erleben.

Zwei der drei Para-Triathlon-Disziplinen hast du vorher schon ausgeübt. Wie gut kommst du mit der dritten Disziplin, dem Rennrollstuhlfahren, zurecht?

Beim Weltcup in Devenport im März hatte ich noch nicht einmal richtige Handschuhe (lacht). Das ist jetzt nicht mehr so. Es ist die technisch anspruchsvollste Disziplin, daher habe ich mir professionelle Hilfe bei Marcel Hug, einem der weltbesten Athleten im Rennrollstuhl (unter anderem zweifacher Paralympics-Sieger 2016, Anm. d. Red.), geholt.

Das geht so einfach?

Ich habe ihn gefragt. Ich kannte ihn von den Pressekonferenzen bei den Marathons und habe ihn einfach angeschrieben. Fragen kostet ja nichts. Daraufhin bin ich mehrmals zu ihm in die Schweiz gereist. Das hat mir sehr viel gebracht.

Para-Triathlon ist die dritte Sportart, die du leistungsmäßig ausübst. Brauchst du ständig neue Herausforderungen?

Was heißt hier ständig. Ich habe Schwimmen 13 Jahre betrieben. Da kann man dann schon mal sagen, es reicht jetzt. Die Zeit im Handbiken war sehr erfolgreich, aber es war dann an der Zeit, zu gehen. Daher würde ich nicht davon sprechen, ständig neue Herausforderungen zu suchen. Es wird jedenfalls keine vierte Sportart folgen. Stand heute :)


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