„Die Entwicklung nach oben ist simpel – eigentlich“

29.08.2019 09:26 von Thorsten Eisenhofer

Jannik Schaufler (Saarbrücken) will im Rennen der U23 bei der WM in Lausanne (Schweiz) am Freitag (Start ist um 15 Uhr) über die Kurzdistanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen) eine Medaille gewinnen. Im Interview spricht er über den Spagat zwischen Leistungssport und Studium sowie das Hineinhorchen in den Körper und erzählt, was sich relativiert, wenn man WTS-Rennen live vor Ort sieht.

Jannik, du hast im Vorjahr bei der U23-EM eine Medaille gewonnen. Welche Erfahrungen nimmst du mit für das Rennen in Lausanne?

Das war meine zweite Olympische Distanz überhaupt. Die erste habe ich ordentlich vergeigt, das war beim Weltcup in Karlsbad 2017. Umso schöner war es, dass es dann bei der EM so gut lief. Ich war fast schon ein bisschen verdutzt über meine Leistung. Das hat mir eine ordentliche Portion Selbstvertrauen gegeben. Ich habe einen Großteil der Athleten besiegt, die auch jetzt in Lausanne am Start sind.

Was möchtest du bei der WM erreichen?

Es ist für mich der D-Day, auf den ich die Saison ausgerichtet habe. Vor vier Wochen habe ich der heimischen Lokalpresse gesagt, dass ich unter die Top Ten kommen will. Da es jetzt in den letzten Wochen im Trainingslager in Sankt Moritz so gut gelaufen ist, traue ich mir zu, um die Medaillen mitzukämpfen.

2018 hast du EM-Silber gewonnen, aber zwei Rückschläge zu verkraften gehabt: einen Meniskusriss im linken Knie und eine Lebensmittelvergiftung. 2019 folgte dann ein Ermüdungsbruch. Wie bist du damit umgegangen?

Diese Rückschläge sind mit das Schwierigste am Sport. Man fällt lange aus, es dauert seine Zeit, bis es komplett auskuriert ist. Und man wird durch sowas sehr sensibel. Wenn ich jetzt nur minimal etwas spüre in meinem Körper, denke ich sofort an das Schlimmste. Dabei sage ich mir immer: Du hast doch schon beinahe alles durch, irgendwann reicht es auch mal. Beide großen Verletzungen waren zudem noch kurz vor dem Start der Saison. Es ist schon bitter, wenn man zu diesem Zeitpunkt sechs Wochen und länger ausfällt. Reisen sind gebucht und man hat natürlich auch im Training immer diese Rennen im Kopf. Mental ist das eine echte Herausforderung.

Denkst du manchmal drüber nach, was in den vergangenen eineinhalb Jahren ohne diese beiden Verletzungen möglich gewesen wäre?

Man sieht natürlich die Entwicklung von Athleten, mit denen man vor den Verletzungen auf einem Niveau war. Auch wenn es ganz simpel klingt: Das wichtigste im Spitzensport ist, einfach gesund und verletzungsfrei zu bleiben, um sich auch langfristig entwickeln zu können.

Solltest du verletzungsfrei bleiben, wo würdest du dich in ein paar Jahren sehen?

Das Ziel ist es, sich im Ranking der Internationalen Triathlon Union (ITU) hochzuarbeiten, regelmäßig bei größeren Rennen zu starten und es in die Wettbewerbe der World Triathlon Series (WTS) zu schaffen. Aber das ist ein langer Prozess. Die Altersklasse U23 gibt es ja nicht ohne Grund. Die macht schon Sinn, damit die jungen, nachrückenden Athleten nicht gleich mit den Großen in einen Topf geworfen werden. Gleichzeitig reizen mich aber auch andere Rennformate wie beispielsweise die Super League. Dadurch wird der Triathlon immer vielfältiger. Eine Entwicklung, die ich sehr gutheiße.

Du hast in diesem Jahr mit deinem Einsatz im Mixed Relay im Rahmen des WTS-Rennens in Edmonton (Kanada) schon mal bei den „ganz Großen“ reingeschnuppert. Wie hast du das erlebt?

Am Tag vor dem Mixed-Relay-Wettbewerb war ja das WTS-Rennen, das ich zusammen mit Tim Hellwig an der Strecke angeschaut habe. Es war schon toll, die großen Idole einmal live zu sehen. Ohne deren Leistung irgendwie abwerten zu wollen: Das hat schon vieles relativiert. Im Fernsehen sieht das alles schneller aus als es in Wirklichkeit ist. Das sind auch alles nur Menschen wie du und ich. Ich traue mir auf jeden Fall zu, da irgendwann mal mitzuhalten.

Du hast dein Studium fast abgeschlossen. Bleibt nun mehr Zeit für den Sport?

Meine Bachelorarbeit ist glücklicherweise abgegeben. Es stehen noch zwei Klausuren im Herbst an. Ich habe 2015 angefangen zu studieren, habe jetzt ein Jahr länger gebraucht als die Regelstudienzeit vorgibt. Als ich begonnen habe, war ich ein Student, der nebenbei viel Sport gemacht hat. Im Laufe des Studiums bin ich dann zu einem Profitriathleten geworden, der irgendwie noch sein Studium durchpowern muss.

Was sicherlich eine Herausforderung ist.

Plötzlich war der Mittagsschlaf wichtig. Oder dass ich nicht von acht bis 16 Uhr an der Uni bin und anschließend noch drei Trainingseinheiten vor mir habe. Es galt, den Tag nach dem Sport auszurichten. Das Studium war zum Ende hin eher ein Krampf. Ich will jetzt auf jeden Fall erst einmal den Weg als Profitriathlet gehen und nicht gleich einen Master dranhängen.


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