"Weiß nicht, ob Patrick Lange sich das abgeschaut hat"

05.11.2019 08:11 von Thorsten Eisenhofer

Der große sportliche Traum von Benjamin Lenatz (Radevormwald) ist die Qualifikation für die Paralympics 2020 in Tokio (Japan). Durch zwei gute Ergebnisse im Oktober sind seine Chancen gestiegen. Im Interview erzählt der 35-Jährige, was ihm eine Paralympics-Qualifikation bedeuten würde, warum Hamburg für ihn ein besonderer Ort ist und was er Patrick Lange voraus hat.

Benjamin, du hast 2016 im Ziel bei den Deutschen Para-Triathlonmeisterschaften in Hamburg deiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht. Zwei Jahre später hat Patrick Lange auf Hawaii seiner Freundin einen Antrag gemacht. Hat er sich das von dir abgeschaut?

(lacht) Das weiß ich nicht, da müsste man ihn mal fragen. Ich habe schon vor dem Rennen entschieden, dass ich das machen werde. Wir haben bis dahin viele tolle Dinge zusammen erlebt, ich wusste, das passt. Triathlon verbindet uns, daher war klar, es ist ein guter Augenblick für den Antrag.

Aber es war an dem Tag dann gar nicht so einfach.

Frauke ist nach längerer Verletzungspause das erste Mal wieder bei einem Triathlon gestartet. Ich hatte Angst, dass sie das Ziel nicht erreicht und vorher aussteigt. Daher habe ich einige Leute an der Strecke positioniert, die eingeweiht waren, und Frauke auf jeden Fall zum Durchhalten animieren sollten.

Wie schwer war es, den Antrag zu planen?

Es waren einige Leute aus dem Freundes- und Bekanntenkreis eingeweiht. Auch der Veranstalter hat sich bereit erklärt, mich zu unterstützen.

Hamburg ist ein besonderer Ort für dich beziehungsweise für euch.

Hier bin ich das erste Mal mit dem Triathlon in Berührung gekommen, bei einem Rennen der World Triathlon Series in Hamburg war das. Ich werde der Stadt immer verbunden sein, deshalb war es der Ort Nummer eins für den Antrag. Für uns wird es immer ein Ort bleiben, der ganz besonders sein wird.

Wie kam es von der ersten Berührung mit dem Triathlon zum erfolgreichen Para-Triathleten?

Ich habe damals Rollstuhlbasketball gespielt. Als ich das Triathlonrennen gesehen habe, wusste ich, dass ist mein Sport. Mein Bausparvertrag war kurz vor der Zuteilung, von dem Geld habe ich mein erstes Handbike angezahlt. Mich hat einfach eine neue Herausforderung gepackt. Und die wollte ich annehmen. Ich war schon immer der Typ, der sich gerne in neuen Themen eingearbeitet hat. Es hat mich gereizt, nach den Jahren im Teamsport etwas zu machen, für das ich selbst verantwortlich bin.

Nun sind die Paralympischen Spiele 2020 in Tokio dein großes Ziel. Du liegst im Qualifikationsranking der Klasse PTWC derzeit auf Rang elf, die ersten neun qualifizieren sich sicher für Tokio. Deine Chancen stehen also gar nicht schlecht.

Der Qualifikationszeitraum geht bis Ende Juni. Für die ersten fünf Athleten im Ranking sieht es sehr gut aus, dahinter sind alle eng beieinander. Ich bin sehr zuversichtlich. Ich werde alles versuchen mit Blick auf Tokio.

Eine bessere Ausgangsposition verhindert hat eine Verletzung, die du dir kurz vor WM und EM zugezogen hast, bei denen es ordentlich Punkte zu holen gab. Du musstest jedoch mit den Rängen zehn und acht vorlieb nehmen.

Das war ein ordentlicher Schlag in die Magengrube. Für einen Para-Athleten im Rollstuhl ist absolute Ruhe angesagt, wenn man einen Rippenbruch hat. Das hat mich nervlich schon ziemlich strapaziert, nicht trainieren zu können. Das nicht zu dürfen, ist für mich schon eine große Herausforderung.

Was würde dir die Qualifikation für die Paralympics bedeuten?

Ich habe mein Leben vier Jahre darauf ausgerichtet. Es würde mir sehr, sehr viel bedeuten, dabei zu sein. Für mich selbst. Aber auch für das Team hinter mir, für die Menschen, die mich unterstützen wie meine Frau und meine beiden Trainer. Auch wenn ich es natürlich am Ende bin, der die Arbeit durchführen muss.

Du arbeitest Teilzeit bei der Stadt Bergisch-Gladbach. Wie schwer ist es, Beruf und Sport zu verbinden?

Das ist nicht so einfach. Es ist ein Drahtseilakt, Beruf, Sport und Familie zu vereinbaren. Man benötigt eine gute Organisation und viel Verzicht. Aber jeder Altersklassenathlet weiß, wovon ich spreche. Und je höher der Anspruch ist, desto schwerer ist es. Man muss da schon sehr gut strukturiert sein.

Was bedeutet dir dein Sport?

Triathlon ist für mich eine Lebenseinstellung. Es gibt mir sehr viel.


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