"Wollte nicht die letzten Meter gegen Franca laufen"

24.05.2019 11:11 von Thorsten Eisenhofer

Unter den acht deutschen Junioren, die die Deutsche Triathlon Union (DTU) bei den ETU Europameisterschaften in Weert (31. Mai bis 2. Juni) vertreten, ist mit Franca und Simon Henseleit auch ein Geschwisterpaar. Im Interview verrät Simon, warum er froh ist, nicht gegen seine Schwester antreten zu müssen, Franca erzählt, dass es ganz schön schwierig sein kann, mit ihrem Bruder in einem Zimmer zu schlafen und beide geben ihren großen gemeinsamen Traum preis.

Franca, Simon, ihr startet als Geschwister zusammen bei einer Europameisterschaft. Das ist schon etwas Besonderes, oder?

Simon: Das ist richtig toll. Ich bin beim internen Qualifikationswettkampf für die Junioren-EM in Saarbrücken vor Franca gestartet. Dass ich mir ein Ticket gesichert habe, hat sie noch einmal motiviert. Wir wollten unbedingt einmal zusammen bei einer internationalen Nachwuchsmeisterschaft starten. Weert war unsere letzte gemeinsame Chance.

Franca: Als Simon mit Platz zwei die Qualifikation sicher hatte, war ich so so glücklich und es war klar: Jetzt will ich auch unbedingt das Ticket. Es war für mich einfach ein großes Ziel, dass wir uns beide qualifizieren. Dass es geklappt hat, ist ein schönes Gefühl und etwas ganz Besonderes.

Mit welchen Zielen fahrt ihr nach Weert?

Simon: Ich bin seit letztem Jahr mit der Schule fertig und kann mich nun voll auf den Sport konzentrieren. Daher ist mein Ziel, eine gute Saison zu absolvieren. Ich habe richtig Bock auf das Rennen und will unter die Top Ten, um mich für den Bundeskader zu qualifizieren und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr zu kommen.

Franca: Eine Top-15-Platzierung, und damit die WM-Qualifikation, würde ich schon gerne erreichen. Ich will vor allem besser schwimmen als bei der EM im Vorjahr, um mir die Chance auf eine gute Platzierung nicht frühzeitig zu verbauen.

Am Abschlusstag der EM gibt es dann das Mixed-Relay-Rennen …

Simon: Wenn wir dort beide dabei wären und Henseleit auf Henseleit übergibt, wäre das schon toll.

Franca: Wir sind noch nie zusammen im Mixed Relay gestartet. Es gibt nicht viele Geschwister, die dazu bei einer großen internationalen Meisterschaft die Möglichkeit haben.

Wenn man zusammen mit seinem Bruder beziehungsweise seiner Schwester dieselbe Sportart auf solch einem hohen Leistungsniveau ausübt, ist das schon etwas Besonderes.

Franca: Wir machen seit wir klein sind zusammen Sport. Erst Skifahren, dann Triathlon. Es ist immer schön, einen Teil der Familie dabei zu haben, vor allem weil wir ein sehr gutes Verhältnis zueinander haben. Als ich vor zwei Jahren ins Sportinternat nach Nürnberg gegangen bin, war ich froh, dass Simon schon dort war. Er ist mein Ansprechpartner, derjenige, der mich immer unterstützt.

Simon: Man fiebert bei dem anderen schon noch einmal extra mit, wenn es die Schwester ist. Und für unsere Eltern ist es natürlich auch toll. Sie sind auch in Weert dabei. Sie haben nach dem Rennen in Saarbrücken gesagt, jetzt gibt es einen Familienurlaub in Weert.

Seid ihr euch vom Charakter sehr ähnlich?

Simon: Ja. Franca ist jedoch die Kreativere von uns, aber auch die Verplantere. Wenn irgendwo etwas liegen bleibt, dann ist es sicherlich von ihr.

Franca: (lacht) Das stimmt. Was ein weiterer Unterschied ist: Simon konzentriert sich mehr auf das Wesentliche. Allerdings würde ich wirklich jedem empfehlen, Ohropax einzupacken, wenn man das Zimmer mit ihm teilt. Sonst hat man das Gefühl, in einem Sägewerk zu schlafen.

Und unterscheidet ihr euch vom Sportlertyp her?

Simon: Vom Typ her sind wir relativ ähnlich. Wir haben beide unsere Stärke auf dem Rad, sind aber generell in allen Disziplinen recht ausgeglichen. Franca kann sich echt gut pushen. Wenn ich ein Mädchen wäre, wollte ich nicht die letzten 400 Meter gegen sie laufen. Sie hat einen unglaublichen Biss.

Franca: Das stimmt. Wenn es auf die letzten Meter geht, kann ich mich total wegschießen.

Bewunderst du auch etwas an deinem Bruder?

Franca: Ich bewundere es sehr, wie er sich durch die vergangenen Jahre, als er andauernd verletzt war, durchgekämpft hat. Er war nie schlecht drauf, hat mich immer unterstützt, obwohl es ihm sicherlich nicht leichtgefallen ist, bei Wettkämpfen dabei zu sein, obwohl er nicht starten konnte.

Simon: Ich habe ihr die Erfolge immer gegönnt. Und ich war nie eifersüchtig.

Was war euer tollstes gemeinsames Erlebnis im Sport?

Simon: Für mich war es der Wettkampf in Saarbrücken. Ich war in den vergangenen Jahren so oft verletzt und das war der erste Wettkampf, an dem ich mal richtig gut drauf war. Dann zusammen mit meiner Schwester die EM-Qualifikation zu schaffen, war schon toll.

Franca: Saarbrücken war schon besonders. Für mich zählen aber weniger die einzelnen Momente, als vielmehr das zusammen Trainieren, das gegenseitig Pushen und Motivieren. Die gemeinsame Begeisterung für denselben Sport.

Franca, Simon hat zuerst mit dem Triathlon begonnen und mit dem Skifahren aufgehört. War es klar, dass du irgendwann nachziehst?

Franca: Erstmal überhaupt nicht. Ich war mehr die Skifahrerin. Simon hat mehr in den Triathlon investiert, für mich war es mehr die Nebensportart neben dem Skifahren. Als es dann Probleme in der Trainingsgruppe gab, hat das dazu geführt, dass ich Triathlon besser fand. Es war rückblickend eine gute Entscheidung (lacht).

Was würdet ihr gerne mal zusammen erreichen?

Simon: Die ganze Schulzeit über habe ich immer gedacht, ich mache Triathlon nur zum Spaß und studiere dann Medizin. Aber im vergangenen Jahr ist ein Schalter umgelegt worden. Ich konzentriere mich jetzt voll auf den Triathlon und will es zu den Olympischen Spielen schaffen.

Franca: Zusammen zu Olympia wäre ein Traum.


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