"Kachelzählen hat mich irgendwann runtergezogen"

05.07.2019 20:15 von Thorsten Eisenhofer

2016 war Caroline Pohle (Leipzig) noch Schwimmerin, am Samstag (6. Juli) steht sie nun beim Rennen der World Triathlon Series (WTS) in Hamburg (14 Uhr, live im ZDF) an der Startlinie. Wir haben mit der 23-Jährigen über Kachelzählen, die Schwierigkeiten, etwas aufzugeben und über den Anteil ihres Papas am Sportartenwechsel gesprochen.

Caroline, für dich steht in Hamburg nicht nur ein Heimspiel in Deutschland an, sondern auch dein erstes WTS-Rennen. Wie nervös bist du?

Ich bin schon sehr aufgeregt. Aber ich glaube, die Aufregung hält sich in Grenzen, weil das Rennen in Deutschland ist. Man muss nicht so weit fliegen, die Zuschauer tun viel dafür, dass man sein Bestes gibt.

Du spürst also wenig Druck?

Ich versuche, mir keinen Druck zu machen, weil ich auch eigentlich keinen Druck habe. Ich bin ganz neu und frisch dazugekommen, habe also auch keine Erwartungen, die ich erfüllen muss.

Ist es für dich etwas Besonderes, dein WTS-Debüt in Deutschland zu geben?

Das ist etwas sehr Besonderes. Es ist eine ungewohnte Situation, so viel Medienaufmerksamkeit und Zentausende Zuschauer schauen zu und feuern vor allem uns deutsche Athleten an.

Du hast 2016 mit Triathlon angefangen, warst dann lange verletzt, bist 2018 wieder langsam eingestiegen und nun bei einem WTS-Rennen am Start.

Ich bin stolz drauf, was ich in der Kürze der Zeit geschafft habe und dass ich Deutschland hier vertreten darf. Ich bin vor allem total überrascht, dass der Knoten jetzt geplatzt ist.

Kannst du sagen, warum er jetzt geplatzt ist?

Das liegt am kontinuierlichen Training. Ich hatte viele Trainerwechsel, das trägt natürlich nicht zu einer kontinuierlichen Leistungsentwicklung bei.

Wie schwer ist es, von einer Schwimmerin zu einer Triathletin zu werden?

Ich hatte am Anfang mit dem Freiwasserschwimmen ziemliche Probleme. Mit Körperkontakt hatte ich anfangs ziemlich Probleme. Es ist auch jetzt noch so, dass ich gerne außen starte und um alle herum schwimme.

Was fasziniert dich am Triathlon?

Beim Schwimmen hat mich das eintönige Kachelzählen irgendwann runtergezogen. Beim Triathlon kann man laufen gehen, Radfahren gehen, fährt in der Natur, sieht neue Orte. Es macht mir Spaß, draußen zu sein. Außerdem trainiert man viel mehr in der Gruppe.

Klingt, als hättest du dich im Schwimmen ausgereizt gefühlt.

Ja, vor allem mental.

War es schwierig, sich neue Ziele zu setzen?

Ich hatte eine Leistungsstagnation, habe mich nicht mehr weiterentwickelt. Meine Trainerin ging in Rente und mit ihrem Nachfolger habe ich nicht so harmoniert. Das alles hat dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, warum ich das noch mache.

Andererseits bist du über Jahre geschwommen. Wie schwer fällt es dann, die Sportart aufzugeben?

Es war ganz schwierig für mich, mir das einzugestehen, mir zu sagen, du musst jetzt hier einen Schlussstrich ziehen. Die Entscheidung habe ich lange mit mir rumgetragen. Ich habe gehadert, ob ich nicht einfach eine Pause machen soll mit dem Schwimmen und dann wieder einzusteigen.

Hattest du vor deinem Triathlonbeginn nie Kontakt zum Radfahren und Laufen?

Doch mein Papa (Matthias Pohle, der für die DDR an Leichtathletik-Welt- und Europameisterschaften teilnahm, Anm. d. Red.) ist Leichtathletiktrainer. Ich habe da immer mal mittrainiert. Daher war immer die Tendenz da, sich an Land zu bewegen. Wir haben auch oft Radtouren zusammen gemacht und Triathlon zugeschaut. Er hat sich gewünscht, dass ich Triathletin werde. Er hat mich dazu gebracht.

Du bist im Mixed Relay mit der deutschen Mannschaft Anfang Juni Vize-Europameisterin in Weert (Niederlande) geworden. Dein bisheriger Karrierehöhepunkt?

Auf jeden Fall. Ich habe null mit der Medaille gerechnet. Das hat mir unglaublich viel Bestätigung gegeben, dass ich auf dem richtigen Weg bin und mittlerweile dazu gehöre.

Wo soll dein Weg hinführen?

Natürlich ist Olympia ein großes Ziel. Ob es 2020 schon klappt, weiß ich nicht. Wenn es klappt, wäre das das Größte. Aber auch eine Teilnahme erst 2024 wäre super. Ich sehe auf jeden Fall noch viel Entwicklungspotential bei mir.


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