Mein erster Triathlon (1): Daniel Unger

06.11.2019 11:00 von Jonas Klee

Wie war das noch damals? Wie ging es los? In unserer Serie „Mein erster Triathlon“ erzählen Profisportler, Altersklassen-Athleten oder Menschen, die beruflich mit Triathlon zu tun haben, von ihren Anfängen im Ausdauerdreikampf. Heute: Ex-Profi Daniel Unger. Der 41-Jährige ist einer der erfolgreichsten deutschen Triathleten überhaupt und bis heute der einzige deutsche Weltmeister auf der Kurzdistanz.

„Sonst erkältest du dich!“

Mein erster Triathlon war tatsächlich etwas ganz Besonderes: 1990 war ich mit meinen Eltern mit dem Wohnwagen im Allgäu unterwegs. Als ich mit meinem Vater eine Radtour machte, sah ich ein Plakat: Schwimmen, Radfahren, Laufen. Zum ersten Mal stolperte ich über den Begriff Triathlon. Leider war die Veranstaltung schon vorüber. Doch das Thema ließ mich nicht mehr los. Ich informierte mich über die Sportart und fand glücklicherweise heraus, dass nur vier Wochen später ein Triathlon stattfindet – und das auch noch in meiner Heimatstadt Mengen.

Meine Vorbereitung war kurz. Weil ich erst 12 und noch keine 15 Jahre alt war, brauchte ich zudem eine Sondergenehmigung, um überhaupt starten zu dürfen. Am Wettkampftag war ich der mit Abstand jüngste Teilnehmer im Feld. Mein Vater begleitete mich an diesem warmen August-Tag. Und eines schärfte er mir besonders ein: „Zieh nach dem Schwimmen auf jeden Fall deine nasse Hose aus“, sagte er. „Sonst erkältest du dich!“

Heute weiß ich: es war der Besenwagen

Als es endlich losging, war ich total euphorisiert. Die ersten 25 Meter legte ich kraulend zurück, dann ging mir die Puste aus. Für die restlichen 475 Meter reichte meine Kraft nicht. Ich wechselte zur Brustlage – und musste die anderen an mir vorbeiziehen lassen. In der Wechselzone standen nicht mehr allzu viele Räder. Und ausgerechnet neben meinem Rad standen ein paar Mädels aus der Nachbarschaft. Ich dachte erst an meinen Vater, dann an die Mädels. Du kannst hier als 12-Jähriger jetzt nicht blankziehen, sagte ich mir. Also zog ich meine Radlerhose einfach über die nasse Badehose und fuhr los. Dass ich mittlerweile ganz hinten war, bereitete mir keine Sorgen. Mich beschäftigte viel mehr die Reaktion meines Vaters.

Ich versuchte das Feld von hinten aufzurollen, beim Anstieg nahm im ich einen Schluck aus meiner Trinkflasche, bekam dieser aber anschließend nicht mehr in die Halterung. Stattdessen rollte sie den ganzen Hang hinunter. Ein klassischer Anfängerfehler. Man war mir das peinlich. Ich stellte also mein Rad ab, rannte der Flasche hinterher und sammelte sie schließlich ein. Wieder auf dem Rad musste ich mühsam am Hang anfahren. Dabei fragte ich mich, warum der kleine LKW hinter mir mich nicht einfach überholt. Heute weiß ich: es war der Besenwagen.

Triathlon ist sexy

Beim Laufen gab ich alles – und konnte sogar noch ein paar Plätze gutmachen. Am Ende wurde ich 284. - von 290 Teilnehmern. Trotzdem wurde ich von den wenigen Zuschauern, die sich noch im Zielbereich aufhielten, mit einem großen Hallo empfangen. Das war ein toller Moment für mich. Auch mein Vater war zum Glück zu stolz, um mit mir wegen der nassen Badehose zu schimpfen. Und obwohl das Rennen nicht gerade optimal verlaufen war, wussten wir beide: Da ist noch ganz viel Potenzial.

Es sollte der Beginn meiner Leidenschaft werden. Wenige Monate später trat ich in einen Triathlon-Verein ein. Die Faszination Triathlon hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Mein Antrieb war vor allem sportlicher Natur: Schon beim Fußball war ich immer sehr ehrgeizig, letztendlich aber nur Durchschnitt. Außer beim 1000-Meter-Trainingslauf. Da habe ich immer gewonnen. Auch Radfahren und Schwimmen mochte ich – und die drei Disziplinen zu verbinden, war für mich das tollste überhaupt.

Menschen, die sich noch nicht sicher sind, ob sie ihren ersten Triathlon absolvieren wollen, sollten es aus meiner Sicht auf jeden Fall tun. Denn Triathlon ist nicht nur eine faszinierende, sondern auch eine sehr gesundheitsfördernde Sportart. Auch das Naturerlebnis schätze ich sehr. Das Gesamtpaket sorgt für ein gewisses Flair. Ich sage immer gerne: Triathlon ist sexy. Und das Gefühl, wenn man seinen ersten Triathlon geschafft hat, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Ich würde jedenfalls alles wieder genauso machen – trotz der Startschwierigkeiten. Worauf wartest du also noch?

Du hast auch eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Dein erstes Rennen verbindest du mit tollen Erinnerungen, witzigen Momenten oder einer ganz besonderen Anekdote? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald ein Bericht über deinen ersten Triathlon.


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