Mein erster Triathlon (3): Frank Stuhlmann

20.11.2019 15:09 von Thorsten Eisenhofer

Wie war das noch damals? Wie ging es los? In unserer Serie „Mein erster Triathlon“ erzählen Profisportler, Altersklassen-Athleten oder Menschen, die beruflich mit Triathlon zu tun haben, von ihren Anfängen im Ausdauerdreikampf. Heute: Frank Stuhlmann. Stuhlmann ist Hobby-Triathlet und mit seiner bewegenden Geschichte ein Vorbild für andere.

Beim Radfahren schleift der Bauch auf dem Oberrohr

Vor meinem zweiten Triathlon habe ich meine Startnummer bereits am Vorabend abgeholt. Ich war ein bisschen zu früh dran, es wurden noch keine Nummern ausgegeben. Also wartete ich. Eine Frau gesellte sich zu mir. Die Frau war durchtrainiert und braungebrannt. Sie hielt mich offensichtlich für einen Helfer und fragte, wo sie ihre Startnummer bekomme. Ich sagte, dass es vermutlich gleich losgehe mit der Startnummernausgabe und dass ich ebenfalls warte, meine Startnummer abzuholen. Die Frau schaute mich an und fragte: „Sie machen da auch mit?“

Mir hat dieser Kommentar nichts ausgemacht, so etwas stecke ich weg. Andere nicht unbedingt. Sie starten dann vielleicht nicht bei dem Wettkampf. Aus Schamgefühl. Man muss wissen: Ich sehe nicht aus wie der typische Triathlet. Ich wiege rund 140 Kilogramm. Was man auch wissen muss: Auch Menschen, die nicht super durchtrainiert aussehen, können einen Triathlon absolvieren. Ich finde es sogar toll, wenn sie sich das trauen. Wenn übergewichtige Menschen anfangen, Sport zu treiben, an Wettkämpfen wie einem Triathlon teilnehmen, ist schon viel gewonnen. Ich bin das beste Beispiel dafür.

Als Jugendlicher war ich Amateur-Radrennfahrer. Dann habe ich 25 Jahre lang keinen Sport gemacht. Überhaupt keinen. Einmal, vor rund 15 Jahren, habe ich versucht, wieder anzufangen. Ich habe mir ein Rennrad gekauft. Aber wenn beim Fahren der Bauch auf dem Oberrohr schleift, ist die Euphorie schnell dahin. Es war ein schlimmer Moment. Man ist nicht mehr ehrlich zu sich selbst, gesteht sich nicht ein, wie schlecht man sich fühlt. Es war mir damals egal, wie dick ich bin. Ich wog 180 Kilogramm.

"Ich schaffe 12 km/h - auf dem Fahrrad"

Der Moment, der alles verändert hat, ereignete sich vor dreieinhalb Jahren. Kollegen von der Feuerwehr sind – in voller Feuerwehrmontur- einmal quer durch Deutschland gelaufen. Ich habe sie zehn Kilometer begleitet- bei einer Geschwindigkeit von zwölf Kilometern/Stunde. Ich hatte Probleme, mitzuhalten. Man muss wissen: Sie joggten, ich saß auf dem Fahrrad. Ich wusste: Wenn ich jetzt nicht anfange, ist es zu spät.

Ich habe langsam begonnen – immer von Ärzten und Physiotherapeuten begleitet. Mit Wandern und Spazierengehen. Aber das war nichts für mich. Also habe ich es mit Joggen versucht. Der erste Versuch endete nach 500 Metern. Aber ich habe nicht aufgegeben. Obwohl ich Laufen eigentlich hasse. Vor allem zu Beginn dachte ich oft: das ist eine scheiß Idee.

Ich habe schnell gemerkt, ich brauche etwas, das mich antreibt, das mich motiviert. Deshalb verbinde ich meine Wettkämpfe mit einer Charity-Aktion: Ich sammle Geld für die Stiftung Deutsche Krebshilfe und dem Wünschewagen. Laufwettkämpfe und die Laufdistanzen bei Triathlonwettbewerben absolviere ich, um Aufmerksamkeit für meine Aktion zu bekommen, stets eine Feuerwehrausrüstung tragend – samt Atemschutzflasche auf dem Rücken. Auch wenn ich so immer Letzter werde. Aber das ist mir egal. Darum geht es mir nicht.

"Ich will mein Leben nicht verherrlichen - ich quäle mich jeden Tag mit meinen 140 Kilogramm"

Mir geht es darum, Gutes zu tun. Für andere. Und für mich. Und es geht mir auch darum, Träume zu verwirklichen. Wie zum Beispiel einen Triathlon zu absolvieren. Den Traum hatte ich schon lange. Ich wollte ihn mir unbedingt erfüllen. Dieses Jahr habe ich ihn mir erfüllt. Mittlerweile bin ich schon bei drei Triathlons gestartet. Es macht mir einfach total viel Spaß.

Ich will mein Leben nicht verherrlichen. Ich quäle mich mit meinen 140 Kilogramm immer noch täglich. Aber es fällt mir schon vieles leichter als vor ein paar Jahren. Damals war es eine Herausforderung, die Schuhe zu binden. Ich bin mir sicher, es wird noch einfacher werden, wenn ich mein großes Ziel erreiche: die 100 Kilogramm. Ich will aber vor allem eines nicht mehr missen: den Sport, den Triathlon. Das gibt mir Spaß, Zufriedenheit und ein großes Stück mehr Lebensqualität.

Du hast auch eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Dein erstes Rennen verbindest du mit tollen Erinnerungen, witzigen Momenten oder einer ganz besonderen Anekdote? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald ein Bericht über deinen ersten Triathlon.


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