„Ziel muss es sein, um vordere Platzierungen mitzukämpfen“

12.06.2019 11:08 von Thorsten Eisenhofer

Europameisterschaft. WTS-Wettbewerb. Mixed-Relay-Rennen. Derzeit folgt ein wichtiger Triathlon-Wettkampf auf den nächsten. Zwischen all diesen Höhenpunkten haben wir mit Bundestrainer Faris Al-Sultan über die positive Entwicklung der Deutschen auf der Kurzdistanz, Olympia-Hoffnungen und den Anschluss an die Weltspitze gesprochen. Zudem erklärt uns der 41-Jährige, wie man die bestmögliche Staffelaufstellung findet.

Faris, wie ordnest du EM-Silber im Mixed Relay ein?

Es ist grundsätzlich ein gutes Ergebnis. Wir haben im Zielsprint gegen Frankreich verloren, was völlig in Ordnung ist. Die Franzosen haben viel mehr Topleute als wir. Sie sind zwar zum Teil mit der zweiten Garde gestartet. Aber bei uns waren auch nicht die allerbesten Athleten am Start. Schön war, dass wir in dieser Besetzung topbesetzte Nationen wie Belgien oder Holland geschlagen haben.

Rang zwei gab auch einige Punkte im Qualifikationsranking für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio (Japan). Wie wichtig sind die Zähler im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation?

Sie waren wichtig, auch wenn es natürlich noch Mixed-Relay-Rennen gibt, bei denen es mehr Punkte zu holen gibt. Es ist beruhigend zu sehen, dass wir in dieser Besetzung so gut mithalten können. Es wird nun spannend zu sehen, wie wir uns in stärkster Besetzung gegenüber den stärksten Nationen schlagen, wenn diese ebenfalls in bester Besetzung antreten.

Deutschland ist derzeit Sechster im ITU Mixed Relay Olympic Ranking. Die besten sieben Nationen qualifizieren sich darüber für Olympia. Ein guter Zwischenstand?

Platz sechs trifft es gut, ist ein Spiegelbild der aktuellen Leistungsfähigkeit. Die Nationen, die vor uns liegen, wie Frankreich, Australien oder die USA, haben sehr viele gute Athleten. Da ist es natürlich fast unmöglich, mitzuhalten.

Wie stellt man als Bundestrainer die beste Staffel auf?

Für das Mixed Relay braucht man Leute, die auf den Unterdistanzen schnell sind. Wir haben zum Glück Leute, die eher auf den ganz kurzen Distanzen schnell sind als über die Olympische Distanz wie etwa Valentin Wernz oder Nina Eim. Das kommt uns für die Staffel natürlich entgegen. Ziel ist es, eine Staffel aufzustellen, die möglichst lange mit den Topnationen mithält.

Es gibt Länder, die bessere Einzelstarter haben als Deutschland. Wie wichtig ist daher der Teamgedanke?

Der spielt eine große Rolle bei den Athleten. Keiner will die Mannschaft hängen lassen.

Deutsche Athleten haben in den vergangenen Wochen mehrfach Top-Platzierungen bei Weltcuprennen geschafft.

Wir haben zuletzt eine positive Entwicklung gesehen, vor allem bei den Männern. Justus Nieschlag, Lasse Lührs und Jonas Schomburg haben eine tolle Entwicklung genommen. Valentin Wernz hat sich stark verbessert. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.

Wo willst du denn hin?

Ich will, dass fünf deutsche Männer und fünf deutsche Frauen in den Top 60 der Weltrangliste sind. Ein Mann und eine Frau sollten unter den Top Ten sein - das haben wir derzeit nur bei den Frauen mit Laura Lindemann – und dann alle zehn Plätze ein weiterer Athlet. Wir haben derzeit zu wenige Athleten, die dafür in Frage kommen. Aber die kannst du eben auch nicht schnitzen.

Also müssen wir Geduld haben?

Wir haben ein Loch in der Leistungspyramide, haben quasi keine Athleten Mitte 20. Und dadurch zu wenige Athleten, die voll belastbar und im richtigen Hochleistungssportalter sind. Lasse Lührs ist noch sehr jung, Justus Nieschlag hatte viele Verletzungsprobleme, Jonas Schomburg war vergangenes Jahr von der Rolle. Hinzu kommt, dass die Erwartungen in Deutschland groß sind, weil wir auf eine erfolgreiche Zeit zurückschauen mit Athleten wie Jan Frodeno, Steffen Justus, Maik Petzold und so weiter.

Werden wir nach den vielen Top-Platzierungen in Weltcups trotzdem bald auch Top-Ten-Platzierungen in Rennen der World Triathlon Series (WTS) sehen?

Jonas Schomburg ist der einzige Athlet, der derzeit regelmäßig in WTS-Rennen startet. Für viele anderen Athleten sind die Kurse zu hart oder sie sind über die Olympische Distanz noch nicht gut genug. Aber ich kann das von einem jungen Athleten auch noch nicht erwarten, dass er so weit entwickelt ist wie ein 26- oder 27-Jähriger. Das Ziel muss trotzdem sein, dass wir dahin kommen, bei Männern und Frauen drei, vier Athleten zu haben, die bei WTS-Rennen um vordere Platzierungen mitkämpfen.


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