Bernd Kapp - ein Leben für die AK-Nationalmannschaft

09.04.2020 11:56 von Thorsten Eisenhofer

Sie werkeln zumeist im Hintergrund, stecken aber unzählige Stunden in ihre Leidenschaft und sind ein wichtiger Bestandteil des Triathlonsports: Die Ehrenamtlichen. In einer Serie stellen wir im Triathlon ehrenamtlich Engagierte vor: Heute: Bernd Kapp. Kapp (60) ist ein Spätberufener in Sachen Triathlon, der gerne anpackt, Herausforderungen mag und tolle Geschichten erzählen kann. Er ist Vizepräsident Amateur- und Breitensport der Deutschen Triathlon Union (DTU) und engagiert sich für die Belange der Altersklassen-Nationalmannschaft.

Zu den Altersklassen-Weltmeisterschaften 2015 in Chicago ist Bernd Kapp extra zwei Tage früher angereist. Er wollte vor Ort alles Notwendige vorbereiten, bevor die deutschen Athleten in der US-amerikanischen Metropole ankamen. Also ging Kapp ins Hotel, wo alle Mannschaftsmitglieder wohnen sollten. Doch an der Rezeption erfuhr er, dass keine Buchung für die deutschen Athleten vorlag. „Im ersten Moment dachte ich: Was habe ich mir denn mit dem Posten des Teammanagers angetan?“, erzählt Kapp: „Dann habe ich die Herausforderung angenommen.“ Also führte er viele Telefonate, regelte dies und das. Und als die Athleten zwei Tage später im Hotel in Chicago eintrafen, hatte jeder ein Zimmer.

„Wenn keiner Lust hat, sich zu engagieren, ist der Athlet in Situationen wie dieser hoffnungslos verloren“, sagt Bernd Kapp. Er ist einer, der Lust hat, sich zu engagieren. Einer, der gerne für andere da ist. Einer der gerne Verantwortung übernimmt.

Bernd Kapp war seit seiner Kindheit Leichtathlet. Er gehörte diversen Nachwuchskadern an, räumte aber im Alter von 18 Jahren dem Beruf die erste Priorität ein. Sport war fortan nur noch ein Hobby für ihn. Ein paar Jahre später begann er, Schwimmtraining zu geben. Er arbeitete auch mit ein paar Altersklassen-Athleten zusammen. 2008 begleitete er diese zur Ironman-WM auf Hawaii. Seine Athleten zogen ihn während der Zeit auf Hawaii immer wieder damit auf, dass er sie trainiere, aber noch nie einen Triathlon absolviert habe. Als sie wieder zurück nach Deutschland flogen, war klar was passieren würde: Kapp absolvierte im Jahr darauf seinen ersten Triathlon.

„Triathlon bedeutet mir viel, bringt mir Gesundheit, Spaß und Lebensfreude“, sagt Kapp und fügt an: „Und ich will Menschen für Sport und Bewegung begeistern.“ Damit, andere zu begeistern und mitzureißen, begann er im Triathlon sehr zügig. Ein paar Wochen nach seiner Premiere im Ausdauerdreikampf nahm er an der Altersklassen-WM teil. Und brachte sich gleich rund um die Organisation der deutschen Mannschaft ein. „Ich bin quasi von null auf 100 durchgestartet“, sagt Kapp.

Kapp ist der Typ, der etwas in die Hand nimmt, der Stillstand nicht mag, der Dinge vorantreibt, wenn er Potential sieht. „Wenn irgendwo noch mehr rauszuholen ist, dann will ich das auch rausholen“, sagt Kapp. Zusammen mit Lisa Henkel, auf der DTU-Geschäftsstelle für die Altersklassen-Nationalmannschaft zuständig, hat er den Bereich Altersklassen-Nationalmannschaft in der Deutschen Triathlon Union vorangetrieben. Mittlerweile gibt es eine Gruppe von Teammanagern, die bei ausreichenden Anmeldezahlen versuchen, alle internationalen Meisterschaften abzudecken und als Ansprechpartner vor Ort zu sein. Dann gibt es eine organisierte Wettkampfbesprechung, zum Teil auch deutsche „Meet & Greet“-Veranstaltungen und eine Art Reiseleitung im Vorfeld. „Es ist quasi eine Rundumbetreuung“, sagt Kapp, dem der Teamgeist der Mannschaft besonders am Herzen liegt.

Seit 2014 ist Kapp zudem DTU Vizepräsident Amateur- und Breitensport. „Ich wurde gefragt, habe nicht lange gezuckt, mit meiner Frau darüber gesprochen und dann zugesagt“, sagt Kapp, der Macher. Triathlon, der Sport, in dem er erst seit knapp über einem Jahrzehnt so richtig dabei ist, ist für ihn längst mehr als ein Hobby. Es ist eine Leidenschaft, in die er gerne mehrere Stunden ehrenamtlicher Zeit investiert. Er kennt viele. Er treibt viel an, wie zum Beispiel die Kooperation mit der österreichischen Altersklassen Nationalmannschaft seit der WM in Rotterdam 2017. Er weiß viel. Und er kann tolle Geschichten erzählen. Etwa die von der Altersklassen-WM in London 2013, als die Zimmer zu klein waren, um die Fahrräder zusammenzubauen. „Das haben wir auf den Betten und auf den Hotelfluren gemacht“, erzählt er: „Nachts stand im Doppelzimmer dann ein Rad in der Dusche und das andere lag unter dem Bett.“

Auch in London waren also Herausforderungen zu meistern. Mittlerweile hat er festgestellt, dass es keinen Wettkampf ohne Herausforderungen gibt. Aber er mag diese Herausforderungen, dieses Nervenkitzeln, wenn eine Lösung gesucht werden muss. So wie damals in Chicago. Nachdem alles geregelt war, jeder Athlet ein Zimmer hatte, stellte sich im Übrigen heraus, dass die Liste mit den Buchungen für die deutschen Athleten noch nicht aus dem Büro zur Rezeption gebracht worden war …

Bisher in unserer Ehrenamtsserie erschienen:

Pia Jäkel: Anfangs gezweifelt, dann einfach gemacht

Katja Klemm: Ein Herz für den Triathlon-Nachwuchs

Frederike Arp: Spaß als Antrieb fürs Engagement im Ehrenamt


Du kennst auch jemanden, der sich ehrenamtlich im Triathlon engagiert oder bist selbst seit Jahren dabei und hast vielleicht sogar tolle Geschichten und Anekdoten zu erzählen? Dann schreibt eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Vielleicht erscheint dann über denjenigen/diejenige oder dich bald auf unserer Webseite eine Geschichte.


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