"Man versucht, lustige Dinge ins Training einzubauen"

02.04.2020 11:29 von Thorsten Eisenhofer

Wolfram Bott ist Landesstützpunkttrainer in Freiburg und baden-württembergischer Landestrainer. Wir haben uns mit ihm unterhalten, wie man als Trainer arbeitet, wenn man aufgrund der Maßnahmen und Verordnungen rund um die Coronakrise seine Athleten nicht mehr vor Ort betreuen kann. Ein Gespräch über veränderte Arbeitsbedingungen, Training mit Eltern und die Arbeit als Gute-Laune-Verbreiter.

Wolfram, normalerweise leitest du jeden Tag mehrere Trainingseinheiten. Das ist nun nicht möglich. Vermisst du die Arbeit am Beckenrand und an der Laufbahn?

Klar. Die Zusammenarbeit mit den Athleten ist das, was mir an meinem Job am meisten Spaß macht. Wenn dem nicht so wäre, hätte ich auch Online-Coach werden können. Ich vermisse jeden einzelnen Athleten, weil wir hier in Freiburg einfach eine coole Truppe sind. Es macht einfach Spaß, mit den Jungs und Mädels zusammenzuarbeiten.

Dein Job ist derzeit mehr ein Schreibtischjob.

Wir Trainer sind zu Hause, telefonieren viel mit den Athleten und versuchen so, Kontakt zu ihnen zu halten. Es ist viel Kommunikation mit den Athleten nötig.

Ist das einfach?

Mit den trainingsälteren Athleten ist es einfacher, weil sie wissen, was sie uns im Gespräch erzählen müssen und erzählen es uns auch. Die trainingsjüngeren Athleten haben oftmals Hemmungen und wollen zum Beispiel keine Schwächen eingestehen.

Da ist dann also Nachbohren angesagt?

Ja, aber das ist natürlich nicht so einfach, weil manche Athleten eben sehr vorsichtig sind, was sie dir erzählen. Es ist einfach eine sehr ungewöhnliche Situation. Normalerweise sehen uns die Athleten zweimal am Tag.

Nun finden sie ihre Trainingspläne in ihrem elektronischen Postfach.

Wir mailen den Athleten immer sonntags oder montags den Trainingsplan für die Woche zu. Martin Lobstedt (Landestrainer, Anm. d. Red.) dreht zum Teil zusätzlich Videos, vor allem für das Athletiktraining. Gerade dafür versuchen wir, uns jede Woche etwas Neues einfallen zu lassen.

Müsst ihr derzeit noch kreativer sein?

Man baut auch mal Dinge in den Trainingsplan ein, die trainingsmethodisch vielleicht nicht die Sinnvollsten sind. Aber man muss ja versuchen, die Athleten bei Laune zu halten. Für viele Athleten sind jetzt ja erst einmal ihre Ziele für diese Saison weggefallen.

Wie hält man Athleten bei Laune?

Man versucht, lustige Dinge in ihr Training einzubauen. Als die Coronakrise noch am Anfang stand und die Athleten noch hier trainieren konnten, haben wir noch überlegt, ein 5000-Meter-Rennen und ein eigenes Radkriterium zu machen. Also Wettkämpfe untereinander, nachdem richtige Wettkämpfe nicht mehr möglich waren.

Dann gab es weitere Einschränkungen.

Das Schwimmbad wurde geschlossen. Dann mussten wir das Internat zu machen. Schließlich sind auch die Athleten nach Hause gefahren, die in Freiburg in Wohngemeinschaften leben. Jeder muss nun alleine trainieren.

Natürlich keine schöne Situation für die Athleten.

Wir haben uns dann überlegt, wie können wir die Athleten bei Laune halten, wenn wir sie nicht mehr sehen? Es hat ja nicht jeder die Möglichkeit, zumindest ab und an mit seinem Bruder zu trainieren, wie das beispielsweise bei Eric und Jan Diener der Fall ist. Über eine Präsidiumssitzung des baden-württembergischen Triathlonverbandes habe ich dann zum ersten Mal die Videoplattform Zoom kennengelernt. Da sieht man sich wenigstens virtuell. So kam mir die Idee mit dem gemeinsamen Athletiktraining. Und dann gibt es ja noch Internetplattformen, über die sich die Athleten beispielsweise zum virtuellen Radfahren verabreden können.

Ihr bietet nun zweimal die Woche über Zoom ein Athletiktraining an.

Das haben wir vergangene Woche erstmals ausprobiert. Es sehr gut angekommen. Wir haben dazu nicht nur unsere Athleten, sondern auch ihre Geschwister und Eltern eingeladen. Es haben sehr viel mitgemacht und wir hatten sehr viel Spaß zusammen.

Du bist also auch sehr als Motivator gefragt?

Ja, wir stehen mit eigentlich allen Athleten jeden Tag per Telefon in Kontakt. Ich hoffe, uns gehen die Argumente zum Motivieren nicht aus.


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