Mein erster Triathlon (23): Anja Draber

09.04.2020 11:57 von Thorsten Eisenhofer

Wie war das noch damals? Wie ging es los? In unserer Serie „Mein erster Triathlon“ erzählen Profisportler, Altersklassen-Athleten oder Menschen, die beruflich mit Triathlon zu tun haben, von ihren Anfängen im Ausdauerdreikampf. Heute: Anja Draber. Anja (44) wurde im Urlaub von ihren Kindern beim Wandern abgehängt und merkte, dass es mit Ende 30 an der Zeit ist, anzufangen, etwas für ihren Körper zu tun: Sie wurde Triathletin.

Im Sommerurlaub 2015 waren wir eher faul im Vergleich zu den Urlauben in den Jahren zuvor. Das lag vor allem daran, dass es sehr heiß war. An einem der Urlaubstage haben wir jedoch eine Wandertour unternommen. Eine ziemlich anspruchsvolle Wandertour.

In den Jahren zuvor mussten mein Mann und ich immer Rücksicht auf unsere Kinder nehmen. Sie waren ja noch jung. Wir sind ihnen zu liebe langsam gelaufen, haben ihnen zu liebe viele Pausen gemacht, haben ihnen zu liebe nicht die anspruchsvollsten Touren unternommen.

In jenem Sommer 2015, die Kinder waren damals sieben und elf Jahre alt, war alles anders. Ich habe mich den Berg hochgequält, ich kam nicht mehr hinterher, ich wurde abgehängt. Meine Tochter musste ich bitten, langsamer zu laufen und bei mir zu bleiben. Ich war die Letzte. Das kannte ich nicht. Das war ein deprimierendes Erlebnis - und auch ein einschneidendes Erlebnis. Ich merkte, ich muss in Zukunft mehr Sport machen. Ansonsten werde ich weiter(hin) abgehängt.

Ich war in den Monaten zuvor schon das eine oder andere Mal joggen gewesen. Aber während jener Wandertour habe ich realisiert: Ich bin keine 20 Jahre mehr alt. Sondern 38, ging also auf die 40 zu. Meine Fitness würde mit zunehmendem Alter nicht besser werden, wenn ich nichts mache - sondern sich weiter verschlechtern.

Mein Mann und meine beiden Kinder waren zu jenem Zeitpunkt im Gegensatz zu mir schon sehr sportlich. Mein Mann absolviert bereits seit 2011 Triathlonwettkämpfe. Auch unsere Kinder hatten damit angefangen. Ich war oft bei Wettkämpfen dabei. Als Partnerin, als Mama und als Zuschauerin. Ich fand es stets beeindruckend, was die Athleten leisten. Ich dachte oft: Das würdest du auch gerne können. Ich traute es mir jedoch nicht zu. Ausdauersport war nicht so meines.

Mir fehlte auch die Motivation dafür. Das hat sich durch jene Wanderung im Sommer 2015 geändert. Ich habe mir vorgenommen, ich absolviere einen Triathlon. EINEN Triathlon.

Die Vorbereitung war nicht einfach am Anfang. Vor allem das Laufen fiel mir schwer. Ich lief kurze Strecken. Ich lief langsam. Aber ich lief. Zu Beginn benötigte ich für fünf Kilometer 45 Minuten. Aber ich hielt durch. Das Radfahren und das Schwimmen klappten deutlich besser – die Trainingspläne fürs Schwimmen schrieb mir meine Tochter.

Ich machte damals jede Trainingseinheit alleine. Ich das Gefühl hatte, zu schlecht zu sein. Zu schlecht, um mit anderen zusammen zu trainieren. Das ist mittlerweile zum Glück anders. Mittlerweile können wir sogar als Familie die eine oder andere Einheit zusammen absolvieren.

Vor meinem ersten Triathlon war ich dann sehr aufgeregt. Ich hatte das Schwimmen im Freiwasser ausprobiert. Aber ich war dann trotzdem ein bisschen überfordert mit der Situation. Ich schwamm bis zur Wendeboje Brust - obwohl ich fast ein Jahr lang Kraulschwimmen trainiert hatte. Aber so fühlte ich mich wohler, weil ich den Überblick über das Teilnehmerfeld behalten konnte. Erst nach der Wendeboje traute ich mich, Kraul zu schwimmen. Ich wusste, dass ich es kann, weil ich es so lange trainiert hatte. Das klappte dann auch. Das Rad fahren lief wunderbar.

Allerdings war der Wechsel vom Rad zum Laufen schwierig. Ich hatte nicht erwartet, dass es so hart wird. Aber ich erreichte das Ziel. Und war zufrieden, glücklich und stolz. Was für mich ganz wichtig war: Es hat Spaß gemacht. Ich wusste ziemlich schnell: Es wird nicht bei diesem EINEN Triathlon für mich bleiben.

Du hast auch eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Dein erstes Rennen verbindest du mit tollen Erinnerungen, witzigen Momenten oder einer ganz besonderen Anekdote? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald ein Bericht über deinen ersten Triathlon.


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