Mein erster Triathlon (25): Donata

22.04.2020 17:00 von Jonas Klee

Wie war das noch damals? Wie ging es los? In unserer Serie „Mein erster Triathlon“ erzählen Profisportler, Altersklassen-Athleten oder Menschen, die beruflich mit Triathlon zu tun haben, von ihren Anfängen im Ausdauerdreikampf. Heute: Donata. Die 37-Jährige leidet seit ihrer Kindheit an einer chronischen Darmerkrankung. Doch als sie im Fernsehen die Willensstärke von Jan Frodeno sieht, beschließt sie, dass auch sie an einem Triathlon teilnehmen will.

Es ist schon ein paar Jahre her, als ich an einem Sonntagnachmittag auf der Couch saß, den Fernseher einschaltete und eher zufällig bei einem regionalen Sender hängenblieb, der den ITU World Triathlon Hamburg übertrug. Ich war gebannt und fasziniert, als ich die Willensstärke und den Kampf in den Gesichtern der Athlet*innen sah. An einen Triathleten erinnere ich mich besonders: Jan Frodeno, den die Kommentatoren nur „Frodo“ nannten. Ich war so beeindruckt, dass ich mir damals vornahm, in meinen Leben einmal bei einem Triathlon an den Start zu gehen.

Aber der Wunsch, einmal einen Triathlon zu bestreiten, blieb

Ich war zu diesem Zeitpunkt recht sportlich – zumindest soweit es mir möglich war. Seit meinem zehnten Lebensjahr leide ich an der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa. Durchfall und Schmerzen treten bei dieser Erkrankung in Schüben auf - sie können nur mit immunsupprimierenden Medikamenten wie etwa Cortison behandelt werden. Wegen einer Begleiterkrankung der Leber bin ich ebenfalls alle paar Monate in ärztliche Behandlung. Normalerweise ist man nach rund zehn Jahren mit dieser Erkrankung so schwer beeinträchtigt, dass man eine neue Leber benötigt. Bisher hatte ich Glück, dass ich ein noch relativ unbeeinträchtigtes Leben führen kann – auch wenn ich körperlich nicht besonders belastbar bin.

Dennoch entschied ich damals, dass ich keine Zeit mehr verlieren wollte. Es gab in meiner Gegend keinen Triathlonverein und ich kannte auch niemanden, den ich um Hilfe hätte fragen können. Und wahrscheinlich hätte ich mich auch nicht getraut. Also versuchte ich es auf eigene Faust. Das Schwimmen war dann mein persönlicher Untergang - ich konnte mich gerade so über Wasser halten. Aufgeben wollte ich aber noch nicht. Ich kaufte mir ein Schwimmbrett, eine Schwimmbrille und alles, was ich dachte, was man bräuchte. Sogar einen Schwimmkurs hat mir nicht geholfen. Enttäuscht gab ich schließlich auf. Aber der Wunsch, einmal einen Triathlon zu bestreiten, blieb.

Und dann, viele Jahre später, lernte ich einen Mann kennen (und auch lieben), durch den ich schließlich das Schwimmen lernte. Ich fing wieder an zu träumen: Ich träumte davon, eines Tages bei einem Triathlon zu starten. Gemeinsam mit meinem Freund visierte ich einen kleineren Wettkampf am Ende des Jahres an. Eine Sprintdistanz. Trotzdem wollte ich bei meinem ersten Mal nicht ganz hinten landen. Ich trainierte hart und verbissen und war schließlich gut in Form: Schwimmen war mittlerweile sogar meine beste Disziplin. Doch dann folgte der Schock.

Jetzt wollte ich finishen, um es mir und allen anderen zu beweisen

13 Wochen vor meinem ersten Start beim Elbe Triathlon in Hamburg 2018 wurde ich krank - eine schwere chronische Nasennebenhöhlenentzündung. Es war so schlimm, dass ich operiert werden musste und danach zehn Wochen nicht mehr trainieren durfte. Die Zwangspause kam zum schlecht-möglichsten Zeitpunkt. Erst in der Woche vor dem Wettkampf bin ich das erste Mal wieder gelaufen. Nach 5 Kilometern musste ich abbrechen, mehr war einfach nicht drin. Mein Arzt riet mir, auf meinen Körper und mein Gefühl zu hören. Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich überhaupt meine Startunterlagen abholen soll. Am Vorabend des Triathlons entschied ich mich. Ich wollte starten. Schließlich hatte ich dafür fast ein Jahr trainiert. Und im schlimmsten Fall könnte ich immer noch abbrechen.

Und dann bin ich gestartet. Es war ein reiner Kampf: Ich konnte nach 50 Metern nicht mehr kraulen, weil ich zu erschöpft war - also weiter mit Brustschwimmen. Nach dem Schwimmen hatte ich anfangs Kreislaufprobleme, konnte nicht geradeaus laufen - egal - eine Disziplin war geschafft. Auf dem Rad hatte ich meinen Kampfgeist wiedergefunden, obwohl alle anderen aus meiner Startgruppe schon lange weg waren. Beim Laufen hatte ich dann kaum noch Luft. Jetzt wollte ich finishen, um es mir und allen anderen zu beweisen.

Ich habe gefinisht. Am Anfang war ich komplett enttäuscht von meinen Leistungen. Heute bin ich stolz: Stolz, es trotz der schwierigen Bedingungen geschafft zu haben. Dafür danke ich meinem Körper und meiner geistigen Stärke. Ich weiß, dass ich bei einem Triathlon nie ganz vorne mit dabei sein werde. Aber darum geht es in meiner Situation auch gar nicht. Es geht darum dankbar zu sein, dass man diesen Sport machen kann und dabei Spaß hat. Ich glaube, das gilt für alle Triathlet*innen - sogar für Jan Frodeno.

Du hast auch eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Dein erstes Rennen verbindest du mit tollen Erinnerungen, witzigen Momenten oder einer ganz besonderen Anekdote? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald ein Bericht über deinen ersten Triathlon.


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