"Das Witzige ist meistens die Vorstellungsrunde"

31.01.2020 13:55 von Thorsten Eisenhofer

Eine stetig steigende Zahl an Triathleten heißt auch, dass mehr Trainer benötigt werden. Wir haben mit Dennis Sandig, DTU Referent für Bildung und Wissenschaftskoordinator, über Gespräche mit Bundestrainern in der Kaffeepause, neue Möglichkeiten für Trainer sowie Umwege im Wasser gesprochen und er hat uns zudem verraten, warum er auch schon mal einen Gynäkologen suchen muss.

Bei den A-Trainer-Ausbildungen waren dieses Jahr einige bekannte Namen dabei. Wie ist das denn für die Teilnehmer der Ausbildung, wenn sie mit so bekannten, berühmten Triathleten beziehungsweise Triathlon-Trainern zusammen in einer Ausbildung sind?

Das Witzige ist meistens die Vorstellungsrunde. Beim Faris (war dieses Jahr beim Trainer A Leistungssport Olympischer Triathlon dabei, Anm. d. Red.) war es dann so, dass er sagte: „Ich bin Faris Al-Sultan, Bundestrainer Elite.“ Es kam dann von einem Teilnehmer der Einwurf: „Das wissen wir doch.“ Das hat dann erstmal zu einem Lacher geführt. Die Kollegen kennen sich zum Teil aus der Arbeit. Das ist ganz unkompliziert. Die tauschen sich den ganzen Tag aus, sprechen über Möglichkeiten und Ideen.

Es gibt also keine Berührungsängste gegenüber den „großen“ Namen?

Überhaupt nicht. Triathleten an für sich sind eh eher unkompliziert. Man ist im Sport beim Kennenlernen sehr schnell beim Du, sehr schnell auf der persönlichen Ebene. Das ist bei den Trainern nicht anders. Das Wichtigste bei der Ausbildung ist der Austausch. Der lebt von den Zwischentönen, also nicht nur davon, was die Teilnehmer im Kurs selbst lernen. Es ist auch das wichtig, was in der Kaffeepause passiert. Wenn ich jetzt ein Teilnehmer wäre, würde ich den Bundestrainer auch mit Fragen löchern. Und es ist nicht einmal wirklich ein Löchern von Faris, sondern ein gegenseitiger Austausch.

Also selbst die bekannteren Namen können noch das eine oder andere von den Landestrainern mitnehmen?

Absolut.

Die beiden Trainer-A-Ausbildungen sind gerade zu Ende gegangen. Wann beginnt für dich die Vorbereitung auf die Trainer-B-Ausbildungen, die im Herbst starten?

Es geht gleich in die Vorbereitung für die nächsten Ausbildungen. Wir müssen die Referenten anfragen. Wir arbeiten immer mit sehr hochklassigen Referenten wie zum Beispiel Dan Lorang (Trainer von Jan Frodeno, Anne Haug und dem Radteam BORA hansgrohe, Anm. d. Red.), die kann man nicht zwei Wochen vorher anfragen. Wir müssen uns um das Organisatorische kümmern, um die Übernachtungen für eine Woche, wir brauchen Verpflegung für eine ganze Woche, technischen Support. Es geht um Planungen im Vorfeld. Wen setzte ich ein? Nehme ich einen Uni-Professor? Oder schlackern den Teilnehmern dann die Ohren? Ich mache mir Gedanken über die Inhalte, schaue, wo die Teilnehmer Bedarf sehen, auch teilweise zu neueren Themen, auf die ich reagieren will. Wenn der Rahmen vorgibt, wir brauchen 15 Unterrichtseinheiten Sportbiologie und die Teilnehmer sagen zum Beispiel, sie interessiert es, was beim Thema Triathlon und Menstruationszyklus passiert, dann wäre das ein Thema, das wir unter Sportbiologie unterbringen können. Aber dann muss man erst einmal eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen mit Sporthintergrund als Referenten finden.

Die Trainer-A-Ausbildung wird es in Zukunft häufiger geben.

Wir hatten bislang den Rhythmus, drei Jahre in Folge jeweils jährlich zwei Trainer-B-Ausbildungen, dann ein Jahr die beiden Trainer-A-Ausbildung. Das werden wir jetzt ändern. Wir werden den Rhythmus verkürzen, um mehr Trainer A auszubilden, weil der Bedarf einfach da ist. Wir suchen Trainer an vielen Stellen. Deshalb wird es jetzt zwei Jahre eine Trainer-B-Ausbildung geben und dann ein Jahr eine Trainer A-Ausbildung.

Die Nachfrage zur Trainer-A-Ausbildung steigt also?

Ja, für die A-Lizenz Langdistanz mussten wir 15 Trainer ablehnen, weil wir nur 24 Plätze haben.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich, wenn ich schon Trainer A bin?

Wir bieten regelmäßig Fortbildungen an und sind dabei, das Online-Angebot zu erweitern. Wenn du schon Trainer A bist und dich weiterentwickeln willst, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, das ist die Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Dort kann man ein Studium zum Diplomtrainer absolvieren. Das ist die höchste Qualifikationsstufe im Trainerbereich. Dort wird noch mal ganz viel Wert auf die Trainerarbeit gelegt, darauf, wie ich mit einem Athleten umgehe, wie ich Athleten in der Weltspitze entwickle. Das dauert drei Jahre, berufsbegleitend. Die Punkte zeigen schon, es geht um hauptberufliche Trainer im Leistungssport. Man kann sich dafür nicht einfach so anmelden, sondern die Anmeldung läuft über den Spitzensportverband.

Was ist der Unterschied zwischen der Ausbildung zum Trainer B und zum Trainer A?

Das ist vorgegeben von den Rahmenrichtlinien der DTU in Abstimmung mit dem DOSB. Der Trainer B hat seinen Schwerpunkt im Nachwuchsleistungssport, der Trainer A im Hochleistungssport. Wir sagen immer: Die besten Trainer gehören in den Nachwuchsleistungssport, weil genau dort die wichtigen Grundlagen gelegt werden.

Du bist bei der DTU nicht nur für die Aus- und Fortbildungen zuständig, sondern auch Wissenschaftskoordinator. Bei Berufen wie Briefträger oder Arzt ist relativ klar, was sie machen. Was aber macht ein Wissenschaftskoordinator?

Die gibt es in allen Spitzensportverbänden. Wir begleiten den wissenschaftlichen Fahrplan in einem Olympiazyklus, zum Beispiel mit Partnern wie dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES), die für uns zum Beispiel GPS-Sensoren fürs Schwimmen entwickelt haben, die sich in der Badekappe tragen lassen.

Für was sind diese gut?

Schwimmen war eine unserer Schwächen in den vergangenen Jahren. Der Negativtrend ist glücklicherweise gestoppt. Für mich geht es als Wissenschaftskoordinator darum, Informationen über das Schwimmen zu gewinnen, um uns hier weiter zu verbessern. Nur: Hier gibt es nicht so viele technische Möglichkeiten. Die Uhren, die auf dem Markt sind, verlieren den Kontakt zu den Satelliten, sobald sie unter der Wasseroberfläche sind. Die Australier benutzen Sensoren, die im Schulterbereich der Athleten angebracht sind, weil die Schulter nicht so tief ins Wasser eintaucht, wie der Arm. Auch das hat uns nicht überzeugt. Mittlerweile haben wir mit dem FES ein recht filigranes System entwickelt, das mit verschiedenen Satellitensystemen arbeitet. Damit sind wir beispielsweise in der Lage, exakt zu erkennen, wie groß Abweichungen von der Ideallinie bei der Schwimmstrecke sind. Das bedeutet, wir können feststellen, dass ein Athlet zum Beispiel bei einer 400-Meter-Strecke Abweichungen von 20 bis 60 Meter hat, was für die Zeit natürlich schlecht ist.

Was passiert, wenn ihr so etwas feststellt?

Diese Information geht dann recht schnell an den Bundestrainer, der Kontakt mit dem Heimtrainer aufnimmt. Dann wird besprochen, welche Möglichkeiten es zur Verbesserung gibt. Ist die Schwimmtechnik schlecht, geht also zu wenig Energie in den Vortrieb? Oder fehlt die Orientierung. Dann muss man überlegen, welche Übungen helfen, damit sich der Athlet im Wasser besser orientiert.

Was könnt ihr mit Blick auf die Olympischen Spiele dieses Jahr in Tokio bewirken?

Wir setzen uns mit dem Thema Aerodynamik auseinander. Also welche Helme empfehlen wir, welche Ketten, welche Trinksysteme machen am meisten Sinn. Und dann ist da noch die Frage des Kühlens. Welche Materialen können wir zum Kühlen vor dem Start nehmen, wie kommen die Athleten damit zurecht? In der Sekunde, wenn die Mannschaft nach Japan aufbricht, ist meine Aufgabe erledigt und ich habe Urlaub (lacht).

Welche langfristen Ziele verfolgt ihr?

Es gibt viele Dinge, die wir langfristig begleiten müssen. Ein großes Thema ist die Fragestellung Technikvermittlung im Schwimmen. Wir stellen fest, dass wir technisch nicht auf dem Stand sind, auf dem wir gerne wären. Und auch die Faktoren Aerodynamik und Laufen sind welche, an denen wir in den kommenden Jahren noch viel herumtüfteln können.


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