"Konnte mir nie vorstellen, weg von Bergen zu leben"

03.02.2020 08:53 von Thorsten Eisenhofer

Franca Henseleit (Landesverband Bayern) ist ein der talentiertesten deutschen Nachwuchsathletinnen, die ihr großes Potential 2019 in internationalen Rennen schon angedeutet hat. Im Interview erzählt die 17-Jährige, mit was sie ebenfalls (fast) alle abhängt, warum sie sich früher nicht vorstellen konnte, so jung von zu Hause wegzuziehen und wann es gut ist, auf den Trainer zu hören.

Franca, als du noch jünger warst bist du leistungsmäßig Ski gefahren. Bleibt nun als Triathletin im Leistungssportbereich noch Zeit zum Skifahren im Winter?

Ich war gerade über Silvester mit Freundinnen in der Schweiz. Die Lust am Skifahren ist auf jeden Fall noch da, auch wenn ich nicht mehr das Pensum von früher schaffe. Da konnte ich zu Hause fast vor der Haustüre in einen Skilift steigen, wenn Schnee lag.

Und vermutlich hängst du auf der Piste noch immer alle ab?

Wenn man mal leistungsmäßig Ski gefahren ist, fährt man natürlich anders. Aber ich finde es auch super, mit Freunden und der Familie zusammen zu fahren.

Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass dich Scouts des Deutschen Skiverbandes abwerben?

(lacht) Nein, so gut bin ich nicht mehr.

Du gehst gerne Ski fahren, machst Skitourwanderungen, bist in den Bergen in Bayern groß geworden. Welchen Bezug hast du zur Natur?

Ich war von klein auf ganz viel draußen und in der Natur unterwegs. Nicht nur Ski fahren, auch wandern. Ich bin ja quasi in den Bergen groß geworden, konnte mir nie vorstellen, dass nicht zu haben. Die Weitläufigkeit, die Berge, große Wälder und Wiesen. So etwas finde ich total schön. Solch ein Gefühl habe ich nicht, wenn ich in der Stadt lebe.

Jetzt lebst du dem Triathlon wegen in Nürnberg.

Das gefällt mir aber überraschend gut. Ich konnte mir früher nie vorstellen, in solch einem jungen Alter schon in eine Stadt zu ziehen. Der Bereich hier mit dem Internat und der Schule liegt aber auch sehr schön. Der Reichswald, in dem man wunderbar Mountainbike fahren kann, ist direkt hier und auch der Dutzendteich mit den vielen Tümpeln. Das richtige Nürnberger Stadtleben ist von hier aus weit weg.

Blicken wir auf dein Triathlonjahr 2019 zurück.

Ich habe viele schöne Erinnerungen an das vergangene Jahr. Mein Einzelrennen bei der Junioren-EM in Weert (Franca belegte Rang acht, Anmk. d. Red.), die Goldmedaille im Mixed Relay, die Teilnahme an der Junioren-WM in Lausanne. Ich konnte wegen meiner Verletzung (Knochenreizung am Sprunggelenk, Anmk. d. Red.) im Vorfeld der WM sechs Wochen nicht laufen, erst die letzten 14 Tage vor den Titelkämpfen wieder. Ich bin stolz, auf meine mentale Stärke vertraut zu haben. Es war nicht einfach, einzusehen, dass es besser ist, sechs Wochen mit dem Laufen zu pausieren, gerade vor solch einem großen Wettkampf.

Wie schafft man das als junge Athletin?

Natürlich war ich ziemlich enttäuscht und es war sehr schwierig. Aber ich habe dann verstanden, dass ich mir nur selbst schade, wenn ich jetzt weiter trainiere und dass es nichts bringt, ungeduldig zu sein.

Wie wichtig ist in solch einer Situation der Input von außen?

Man braucht einen Trainer, der keinen falschen Ehrgeiz hat, sondern den Athleten einbremst und einem klar macht, was passieren kann, wenn man nicht pausiert. Da benötigt man als junger Athlet auch mal eine klare Ansage vom Trainer. Wichtig ist natürlich auch die Unterstützung durch die Familie: Menschen, die positiv gestimmt sind und einem aufzeigen, dass Verletzungen zum Leistungssport dazu gehören.

Dein Bruder Simon, der 2019 eine sehr erfolgreiche Saison hatte, hatte in den Jahren zuvor mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Hattest du das vor Augen, als du dann selbst mal verletzt warst?

Ich fand es schlimm, dass ich sechs Wochen nicht laufen konnte. Dabei gibt es noch ganz andere Verletzungen oder Erkrankungen, bei denen man deutlich länger pausieren muss. Bei meinem Bruder habe ich das gesehen und ich kann mir – ehrlich gesagt – nicht vorstellen, wie es ist, mal so lange aussetzen zu müssen. Ich bewundere es, wie er es über mehrere Jahre immer wieder geschafft hat, sich zurückzukämpfen.

Du dagegen hast in den vergangenen Jahren eine stetige positive Entwicklung genommen. Ist es fast eine Karriere wie aus dem Bilderbuch?

Die vergangenen Jahre liefen schon sehr gut für mich, ich hatte viele gute Rennen und durfte tolle Erfahrungen sammeln. Es wäre natürlich schön gewesen, sich für die Olympischen Jugendspiele 2018 zu qualifizieren. Da hatte ich Pech, weil ich gestürzt bin. Aber das hängt mir nicht groß nach. Ich hoffe natürlich, dass meine Entwicklung so weiter geht.

Du hast gerade national schon einige Titel eingeheimst. Ist es nun das Ziel, auch einmal international eine Medaille zu gewinnen?

Auf jeden Fall. Dieses Jahr ist es dafür vermutlich noch zu früh. Aber in meinem letzten Juniorinnenjahr, 2021, wäre es schön, wenn mir das gelingt.


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