Mein erster Triathlon (11): Michael Brichta

15.01.2020 13:38 von Jonas Klee

Wie war das noch damals? Wie ging es los? In unserer Serie „Mein erster Triathlon“ erzählen Profisportler, Altersklassen-Athleten oder Menschen, die beruflich mit Triathlon zu tun haben, von ihren Anfängen im Ausdauerdreikampf. Heute: Michael Brichta. Der Hobby-Triathlet ist in der Szene bekannt als der „Klapprider“. Seine Mission: Mit dem Klapprad von einem Triathlon zum nächsten – und dabei die Menschen mit seiner Freude am Sport anstecken.

Es war im Jahr 2016 als ich das erste Mal mit Triathlon in Berührung kam. Zuvor war ich häufig mit meinen Freunden bei Hindernisläufen, bei denen man sich durch den Schlamm kämpfen muss, aktiv. Und es waren meine Freunde, die mich überredeten, gemeinsam mit ihnen an einem Triathlon teilzunehmen. Und zwar im baden-württembergischen Schopfheim. Also begann ich mich vorzubereiten. Ein Problem gab es allerdings: Ich besaß kein „richtiges“ Fahrrad, sondern „nur“ ein Klapprad aus den 1970ern, Spitzname „Klappi“. Meine Freunde hingegen hatten allesamt Rennräder. Ich wollte mir zunächst auch eins ausleihen. Aber dann dachte ich mir: Egal, ich probier’s einfach mit dem Klapprad.

„Sollte ich gewinnen, gehe ich mit meinem Klapprad ohne Gangschaltung bei einer Triathlon-Sprintdistanz an den Start”.

Und dann stieß ich per Zufall auf ein Gewinnspiel der Firma Polar. Der Hauptpreis: ein Fahrradcomputer – und den wollte ich haben. Um etwas Aufmerksamkeit zu erzeugen, schrieb ich unter das Gewinnspiel: „Sollte ich gewinnen, gehe ich mit meinem Klapprad ohne Gangschaltung bei einer Triathlon-Sprintdistanz an den Start”.

Gewonnen habe ich zwar nicht, aber Polar interessierte sich trotzdem für mein Vorhaben und bot an, mich dabei zu unterstützen. Für meine Trainingsvorbereitung habe ich nicht nur den Fahrradcomputer, sondern auch eine Uhr erhalten. Im Gegenzug sollte ich ein paar Mal von meinen Fortschritten berichten.

Ich habe dann auch tatsächlich an dem Triathlon teilgenommen. Mit „Klappi“. Und ohne Gangschaltung. Mein einziges Ziel: Ankommen – und das nicht als Letzter. Es war wirklich hart. Beim Fahrradfahren hatte ich große Schmerzen. Deswegen verspürte ich auch so viel Freude, als ich im Ziel war. Es war sehr emotional. Es war einfach geil. Und im Ziel hatte ich dann auch ein bisschen Pippi in den Augen. Ich war sofort angefixt. Ich wollte wieder an einem Triathlon teilnehmen. Und ich wollte wieder mit „Klappi“ antreten.

Seitdem habe ich an einigen Veranstaltungen teilgenommen. Letzter bin ich nie geworden. Selbst beim Allgäu-Triathlon, bei dem es größtenteils nur bergauf und bergab geht, habe ich es trotz der fehlenden Gangschaltung geschafft. Sogar der Moderator der Veranstaltung war davon so begeistert, dass er mehrfach von mir und „Klappi“ erzählte. Danach wollte ich unheimlich gerne eine Mitteldistanz finishen. Doch dafür musste ich etwas aufrüsten.

Ich legte mir ein neues Klapprad zu – mit sieben Gängen. Ich ging beim Frankfurt City Triathlon über die Mitteldistanz an den Start und schaffte es ins Ziel. Danach war mir endgültig klar, dass es das noch nicht gewesen sein soll: 2020 möchte ich beim Ironman 70.3 in Duisburg teilnehmen. Auch der Ironman 70.3 im Kraichgau steht ganz weit oben auf meiner Liste. Ich habe noch so viel vor.

"Man kann einen Triathlon auch ohne ein teures Carbon-Rad finishen"

Mit einem Klapprad bei einem Triathlon an den Start zu gehen, war zu Beginn einfach eine verrückte Idee, die auch etwas aus der Not heraus geboren wurde. Mittlerweile ist es aber viel mehr als das. Als ich gemerkt habe, was ich mit dem Klapprad alles erreichen kann, hat mich das extrem motiviert. Heute möchte ich den Menschen zeigen, dass man einen Triathlon auch ohne ein teures Carbon-Rad finishen kann. Und dass es beim Sport eigentlich vor allem um eines gehen sollte: die bloße Freude. Und glücklicherweise ist diese Freude ansteckend.

Mittlerweile haben viele in meinem Umfeld mit dem Sport und manche sogar mit dem Triathlon angefangen. Auch die meisten anderen Triathleten reagieren sehr positiv auf mich und mein Klapprad. Da gibt es entweder einen netten Spruch, oder im Vorbeifahren klatschen sie mit mir ab. Natürlich gibt es auch die ganz Verbissenen, die nur auf Platzierungen und Medaillen aus sind. Die können mit meinem Ansatz wahrscheinlich nicht viel anfangen. Aber auch denen möchte ich mit auf den Weg geben: Genießt jeden Moment.

Du hast auch eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Dein erstes Rennen verbindest du mit tollen Erinnerungen, witzigen Momenten oder einer ganz besonderen Anekdote? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald ein Bericht über deinen ersten Triathlon.


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