"Nur wer mitmacht, kann etwas bewirken"

17.01.2020 10:14 von Thorsten Eisenhofer

Die Deutsche Triathlonjugend (DTJ) ist im Triathlonsport der erste Ansprechpartner für den Nachwuchs. Wir haben mit DTJ-Jugendsekretär Mirco Beyer über das Reden vor Gruppen als junger Praktikant, Energieschüben trotz frühen Aufstehens und die Mitarbeit von Jugendlichen im Verband – und was sie damit erreichen können - gesprochen.

Mirco, was können Jugendliche erreichen, wenn sie sich beteiligen, sei es im Verein oder im Verband?

Sie können ihre Interessen einbringen und gemeinsam mit anderen Engagierten etwas gestalten. Zudem schult man viele Fähigkeiten. Es geht um Organisations- und Planungsfähigkeit, um Kommunikationsfähigkeit. Das kann immer nur bereichernd sein. So habe ich das jedenfalls erlebt, als ich bei der Deutschen Triathlon Union ein Praktikum absolviert habe. Man kann einiges rausziehen, was man auch in anderen Lebensbereichen nutzen kann.

Was hast du damals mitgenommen?

Du merkst schnell, wenn du bei einem Sommercamp als Betreuer dabei bist, dass du – wenn es morgens um sieben Uhr los geht -, besser schon um kurz nach sechs Uhr aufstehst, den Tagesablauf taktest, dich mit den anderen Teamern besprichst. Du lernst umfassender zu planen – sei es beim Zeitmanagement oder den einzelnen Gruppenangeboten. Dann sprichst du vor einer Gruppe fremder Kinder, schaust dir das Gruppengefüge an und versuchst, in den wenigen Tagen allen Kids gerecht zu werden und ihnen tolle Erlebnisse zu ermöglichen. Wenn du so ein Camp fünf bis sieben Tage in Folge begleitest, dann merkst du, dass das zwar Energie kostet, aber dass du von den Teilnehmern das Doppelte an Energie zurückbekommst. Das Arbeiten mit jungen Leuten gibt immer spannende Einblicke. Man lernt auch wertzuschätzen, was man selbst erfahren durfte, weil sich jemand ehrenamtlich engagiert hat, um einem das Sporttreiben zu ermöglichen.

Klingt so, als wenn es jeder mal machen sollte.

Definitiv. Es gibt einem die Möglichkeit, nahe am aktuellen Geschehen dran zu sein. Jetzt bin ich ja auch nicht mehr jugendlicher Art, aber ich muss mich zwangsläufig auch mit Sachen und Themen beschäftigen, mit denen ich mich als Erwachsener nicht zwangsläufig beschäftigen würde, wo ich aber sehe, dass es wichtige Themenfelder sind. Beispielsweise im Bereich Medienkompetenz, weil die Jugendlichen mit Smartphones aufwachsen, ohne zu wissen, wie man damit vernünftig umgeht. Da sehe ich uns auch gefordert. Diese Welt spiegelt auch die Realität der Jugendlichen wider. Das hält definitiv jung.

Welche Themen interessieren jugendliche Triathleten?

Das ist nicht nur Schwimmen, Radfahren und Laufen. Das sind Jugendliche, die auch zur Schule gehen und ein Sozialraumgefüge haben. Es gibt Themen wie Social-Media-Arbeit, also wie kann ich mich als Athlet darstellen, wie kann ich in Sachen Öffentlichkeitsarbeit etwas für meinen Verein mitnehmen. Das sind ja schon Themenschwerpunkte, für die wir versuchen, ein Angebot zu unterbreiten, sodass jeder etwas für sich herausziehen kann. Es ist sicherlich eine Erweiterung zu dem rein sportlichen Angebot. Das Interesse dafür ist jedenfalls da.

Welche Chancen bieten soziale Medien für die Jugendarbeit eines Verbandes?

Man muss schauen, wie man seine Zielgruppe mit den Angeboten erreichen kann. Man kann zu Sozialen Medien stehen, wie man möchte. Aber man muss auf jeden Fall neuen Entwicklungen gegenüber offen sein. Der Triathlon hat eine Affinität zu technisch-affinen Dingen, auch was die Informationsbesorgung anbelangt – das erleichtert den Zugang. Deswegen muss man auch diesen Weg nutzen, um an die jungen Leuten und deren Umfeld heranzukommen. Wir müssen schauen, nicht nur Angebote innerhalb der Verbandsstruktur zu verbreiten, sondern auch außerhalb des triathloninteressierten Klientels. Da bieten sich die Sozialen Medien an, um interessanten Inhalt zu vermitteln, der für jeden zugänglich ist.

Was wäre da ein Beispiel?

Es wäre schon mal interessant, ein Webinar zu einem spezifischen Thema, das die Jugendlichen interessiert, abzuhalten, um einen Mehrwert für die Jugendlichen zu schaffen. Das ist etwas ganz anderes als beispielsweise ein Workshop. Es ist ein Schritt in die Richtung, um nach außen in Erscheinung zu treten und einen gewissen Nerv zu treffen. Da gilt es zu schauen, ob man auf solch einem Weg mehr Leute erreicht.

Triathlon ist eine aufstrebende und spannende Sportart. Macht es das einfacher, um soziale Kanäle zu bespielen?

Das junge, dynamische ist ein essentieller Bestandteil, weil wir Strukturen haben, die sich erst in den vergangenen 30 Jahren entwickelt haben. Es ist noch nichts festgefahren. Ich habe Kollegen bei anderen Verbänden, bei denen Soziale Medien überhaupt kein Thema sind.

Du stehst mit Jugendlichen in Kontakt. Wie nimmst du deren Interesse an Verbandsarbeit wahr?

Für die meisten ist nicht klar, was sie dort machen sollen! Lose Beteiligungsformen, wie zum Beispiel JuniorTeams bieten eine gute Möglichkeit, um das Reinschnuppern und Ausprobieren zu ermöglichen – ohne zeitliche Bindung und ohne Wahlen oder dergleichen. Als sporttreibender Jugendlicher ist das nächste, was dich außerhalb des Vereins interessiert, die Kreisebene. Dann vielleicht noch die Landesebene. Die Deutsche Triathlonjugend im Interessenfeld der Kinder und Jugendlichen zu positionieren, ist natürlich immer eine herausfordernde Aufgabe, weil wir als Dachverband am Ende der Nahrungskette stehen. Ein Jugendlicher vermutet nicht unbedingt, dass es für ihn eine Interessevertretung auf Bundesebene gibt, wo man sich einbringen kann. Das ist in der Vergangenheit stets eine Herausforderung gewesen. Und das wird es auch in der Gegenwart und Zukunft sein.

Wie begeistert man die Jugendlichen, sich zu beteiligen?

Im Verein ist das einfach. Da werden die Jugendlichen angesprochen und gefragt, ob sie nicht eine Aufgabe übernehmen, als Übungsleiterassistenz beginnen möchten. Das ist recht nahe an der eigenen Realität dran. Für einen Verband auf Landes- oder Bundesebene ist es da schwieriger. Prinzipiell müssen wir offensiver die Beteiligung von Jugendlichen einwerben und dann auch ermöglichen! Es bringt nichts, nach Meinungen und Interessen zu fragen, wenn diese dann nicht berücksichtigt werden. Für die Umsetzung der Anregungen müssen dann die Jugendlichen eingebunden werden, damit sie aktiv zum Gelingen beitragen. Jeder kann sich mit Ideen bei uns einbringen, zum Beispiel als Juniorbetreuer bei Jugendcamps. Junge Leute sind willkommen. Denn nur wer mitredet und mitmacht, kann etwas bewirken. Nur so können wir uns den Wünschen und Anregungen der Jugend widmen.


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