"Es hat im Bauch gekribbelt"

09.07.2020 11:29 von Thorsten Eisenhofer

Josephine Noack (Blau Weiß Barracuda Triathlon Lohne) hat das Zwift-Radrennen der Zweiten Liga Nord gewonnen. Einen Erfolg, den sie angestrebt hat. Im Interview hat sie uns verraten, warum sie sich anders als viele Athleten auf den Wettkampf vorbereitet hat, warum sie sich nicht als reine Triathletin sieht und warum ein reales Zweitliga-Rennen für sie durchaus vollkommen anders verlaufen könnte.

Wie hast du das Zwift-Radrennen erlebt?

Ich bin vorher die Rennen der ZTSXPaceheads-Serie gefahren und hatte daher Erfahrung, wusste, was auf mich zukommt. Da es aber nun das Rennen der Bundesliga beziehungsweise der Zweiten Liga war, viel mehr gute Athleten und auch einige bekannte Sportler dabei waren, war ich deutlich aufgeregter.

Es ist also ein richtiges Wettkampfgefühl aufgekommen?

Ja. Es hat im Bauch gekribbelt, ich bin vor dem Wettbewerb alles noch einmal viel akribischer durchgegangen. Ist der Laptop geladen? Sind die Gels greifbar?

Hast du mit Rang eins in der Einzelwertung der Bundesliga Nord gerechnet?

Anfangs hatte ich den Sieg nicht als Ziel gehabt, weil ich nicht wusste, wer alles startet. Nachdem ich die Startliste ein paar Tage vor dem Rennen gesehen habe und viele Fahrerinnen von der ZTSxPaceheads-Serie kannte, war mir klar: Ich will das Rennen gewinnen.

Wie schwer ist es, solch ein Ziel umzusetzen?

Ich habe erst am letzten Anstieg die beiden bis dahin Führenden eingeholt. Dass es gegen die beiden schwer wird und ich einen guten Tag brauchen werde, war mir klar. Dass ich mir dann in der Schlussphase noch solch einen großen Vorsprung erarbeiten konnte, hat mich überrascht.

Hast du dich speziell auf das Rennen vorbereitet, bist die Strecke abgefahren?

Ich weiß, dass das viele Athleten gemacht haben. Der vergangene Winter war schon der zweite, in dem ich mit Zwift trainiert habe. Rennen bin ich allerdings dieses Jahr das erste Mal gefahren. Durch das regelmäßige Training kenne ich die Landschaften ganz gut, bin die Strecke, auf der das Rennen stattfand, auch schon das eine oder andere Mal gefahren. Anstatt diese erneut abzufahren, habe ich versucht, mich auf die Belastung, die mich erwartet, gezielt vorzubereiten. Denn es ist ja schon ein Unterschied, ob ein Wettkampf 30 Minuten, eine Stunde oder eineinhalb Stunden dauert.

Du hast das Zweitliga-Rennen gewonnen, in der ZTSxPaceheads-Serie Podiumsplätze erreicht, du verbringst mehr als die Hälfte deiner Trainingszeit auf dem Rad. Das Radfahren ist deine stärkste Triathlon-Disziplin, oder?

Auf jeden Fall. Ich sehe mich auch nicht als reine Triathletin, fahre auch normale Straßen- und Mountainbike-Rennen.

Auf dem Mountainbike bist du recht schnell unterwegs.

Das stimmt. Bei Deutschen Meisterschaften hat es schon für Platzierungen im Mittelfeld gereicht. Im Triathlon bin ich im Cross-Triathlon am erfolgreichsten.

2018 bist du Weltmeisterin im Cross-Triathlon in deiner Altersklasse geworden.

Dieses Jahr wollte ich bei der WM eigentlich in der Elite starten. Dann kam Corona dazwischen. So muss ich das Ziel auf das kommende Jahr verschieben. Wie gut ich abschneiden kann, ist schwer einzuschätzen. Aber ich würde nicht in der Elite starten, wenn es dort unmöglich wäre, mich einigermaßen zu behaupten und gute Platzierungen zu erreichen.

Wir drücken dir die Daumen. Zuvor wird es ja vielleicht noch etwas mit deinem ersten Einsatz in einem realen Rennen in der Zweiten Liga.

Wir (Blau-Weiß Barracuda Triathlon Lohne, Anm. d. Red.) sind gerade erst in die Zweite Liga aufgestiegen. Ich habe gar nicht zum Aufsteiger-Team gehört, bin in der Regionalliga noch für Buxtehude gestartet. Ich hatte aber schon länger Lust auf die Zweite Liga, daher hat sich der Wechsel angeboten. Für mich als schlechte Schwimmerin wird es ein großer Sprung werden. Ich muss schauen, dass mein Rückstand nach der ersten Disziplin nicht so groß ist. Ansonsten wird es mir nicht viel nutzen, dass ich eine gute Radfahrerin bin.


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