"Muss dann auch da sein und die Chance nutzen"

02.07.2020 11:59 von Thorsten Eisenhofer

Dario Ernst hat mit dem Team Brille 1 KSV Baunatal als Aufsteiger zum Auftakt der Saison der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga Rang zwei belegt. Wir haben mit Baunatals Teamkapitän über die große Überraschung, das Warten auf die Ergebnisse und die Vorteile von virtuellen Rennen gesprochen.

Dario, für euch vom Team Brille 1 KSV Baunatal war das Zwift-Radrennen zugleich auch eure Premiere in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga.

Für uns war es auf jeden Fall etwas Besonderes. Es war toll, ein Rennen mit so großen Namen zu bestreiten, die man ansonsten nur aus dem Fernsehen kennt.

Und dann lief es für euch ja auch sportlich noch richtig gut.

Wir haben uns alle sehr über den zweiten Platz gefreut. Als nicht so schwimmstarkes Team haben wir davon profitiert, dass es ein reines Radrennen war. So konnten wir zeigen, was wir drauf haben. Wir sind natürlich sehr froh, dass es für uns so gut gelaufen ist. Es ist ja eher untypisch, wenn man aus der Zweiten Liga nach oben kommt, dass man dann gleich vorne mitmischt. Wir wären auch mit einem Mittelfeldplatz zufrieden gewesen, haben es auf jeden Fall nicht geplant, auf dem Podium zu stehen. Mit Maurice Herwig (Fünfter in der Einzelwertung, Anm. d. Red.) haben wir einen guten Radfahrer, das hat sich auch schon in der ZTS-x-Paceheads-Serie gezeigt. Wir konnten hoffen, dass er - und noch der eine oder andere von uns - vorne reinfährt (mit Till Steuber als Siebter und Timo Pippart als Zwölfter gelang den Baunatalern zwei weitere Top-Ergebnisse, Anm. d. Red.).

Hat es euch überrascht, es auf das Podium geschafft zu haben?

Ich würde sagen: ja. Wir haben vielleicht davon profitiert, dass die eine oder andere Mannschaft technische Probleme hatte. Aber man muss dann auch erst einmal da sein und die Chance nutzen. Das Ergebnis steht und das kann uns keiner mehr nehmen. Auch wenn wir natürlich wissen, dass so ein virtuelles Rennen im Vergleich zu einem normalen Triathlonrennen nichts zählt. Es war aber trotzdem eine coole Erfahrung.

Wie hast du selbst das Rennen erlebt?

Bei mir lief es nicht so gut. Ich musste nach zehn Kilometern ein bisschen rausnehmen. Diesmal habe ich vom Team profitiert. Es ist super, wenn man sich auf die Jungs verlassen kann.

Jeder von euch vier ist bei sich zu Hause gefahren. Habt ihr während des Rennens in Verbindung gestanden?

Wir haben im Vorfeld telefoniert. Während des Rennens hat sich jeder auf sich konzentriert und Musik gehört.

Als ihr dann nach dem Rennen gesprochen habt, habt ihr sicherlich recht schnell gemerkt, dass es eine ganz gute Einzelplatzierung werden dürfte.

Es ist ähnlich wie bei jedem anderen Mannschaftswettkampf auch. Jeder kennt seine Einzelplatzierung. Man merkt dann, dass man zusammen ein ganz gutes Ergebnis haben dürfte. Ich habe die Platzierungen dann in das entsprechende Formular eingetragen und auf die Ergebnisse der anderen Teams gewartet. Man guckt dann natürlich, wie sich die Starter der anderen Mannschaften platziert haben. Irgendwann habe ich dann natürlich gemerkt, worauf es hinauslaufen könnte. Ich habe den Jungs dann geschrieben, dass es gut aussieht und bis 13 Uhr (bis dahin mussten alle Starter ihre Ergebnisse eingetragen haben, Anm. d. Red.) immer mal wieder geschaut. Und dann war irgendwann klar, dass es gut aussieht.

Mit dem zweiten Platz.

Ja, genau. Das war dann schon irgendwie eine Überraschung.

Jeder Triathlet freut sich natürlich darauf, dass hoffentlich bald wieder reale Rennen möglich sind. Was findest du an den virtuellen (Rad-)Rennen toll?

Ich finde es toll, dass man den Vergleich zu Leuten hat, mit denen man sich ansonsten vermutlich nie messen würde, wie zum Beispiel professionellen Radfahrern – auch wenn man natürlich nicht annähernd auf deren Niveau ist. Und ich finde es toll, dass Hobbyathleten gegen Stars antreten können. Das war ja zum Beispiel beim Zwift-Radrennen der Bundesliga auch möglich.


Zurück