"Ich nutze zwei Ventilatoren, eine Eiswanne und einen Eisbeutel"

02.07.2020 14:46 von Thorsten Eisenhofer

Für Eva Estler hätte die Saison der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga kaum besser starten können. Sie gewann beim Zwift-Radrennen das Einzelrennen und holte mit dem Sigma Sport Team Viernheim auch den Mannschaftssieg. Wir haben mit ihr über Abkühlungen durch Eiswannen, lange Verletzungsphasen und Rennen in der Rad-Bundesliga gesprochen.

Eva, du hast das Zwift-Radrennen gewonnen. Wie fühlt sich das an?

Sehr gut (lacht). Aber man muss das natürlich auch realistisch sehen. Es war eine Sprintentscheidung, da gehört auch Glück beim Timing dazu und wie schnell die Technik und der Avatar auf den Antritt reagieren. Außerdem hatten viele starke Athletinnen nicht so die Erfahrung mit Zwift. Das muss man alles berücksichtigen. Worüber ich mich freue: Ich bin schon einige Sprintentscheidungen auf Zwift gefahren und endlich hat mal das Timing geklappt, nachdem ich das eine oder andere mal schon zu früh angetreten und 100 Meter vor der Ziellinie eingebrochen bin. Es ist jetzt nicht der größte Erfolg meiner Sportkarriere, hat aber trotzdem eine Bedeutung für mich, weil ich mal alles richtig gemacht und einen rausgehauen habe.

Aber sicherlich bist du trotzdem stolz, ein Rennen der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga gewonnen zu haben.

Doch schon (lacht). Ich freue mich natürlich, das Einzelrennen und das Teamrennen gewonnen zu haben. Ich bin seit eineinhalb Jahren verletzt (Fußverletzung, Anm. d. Red.). Seither kann ich eigentlich nur Radfahren und Schwimmen. Ich starte seit zwei Jahren für Viernheim, konnte seitdem aber nur zwei Teamrennen mit den Mädels absolvieren. Ich bin froh, nun endlich einmal etwas für das Team tun zu können.

Wie hart ist es, mit Blick auf diese lange Leidenszeit, als Triathletin keine Triathlons absolvieren zu können?

Echt blöd. Ich vermisse die Triathlonwettkämpfe sehr. Laufen macht mir wirklich Spaß. Im Training muss man nur eine dreiviertel Stunde vor die Tür gehen und kann sich ausbelasten. Ich kann trotz der Probleme schon mal im Wettkampf fünf Kilometer laufen. Aber ohne Training ist die Leistung dann entsprechend.

Das macht dann vermutlich wenig Spaß.

Ja, man steigt vom Rad und weiß, jetzt werden einen alle abhängen.

Im Vorjahr ist dir das beim Bundesliga-Rennen in Tübingen so ergangen.

Ich wollte eigentlich den Jedermann-Triathlon absolvieren. Trotz Verletzung wollte ich unbedingt starten, es war ja mein Heimrennen. Kurz vor dem Start hat dann Peter Grüber (Viernheims Teamleiter, Anm. d. Red.) angerufen und gesagt, dass Kathrin Halter krank ist, sie mich für das Bundesligarennen brauchen. Ich habe meine Ausrüstung wieder aus der Wechselzone geholt, bin nochmal nach Hause und habe das Rad gegen mein anderes, ligakonformes Wettkampfrad ausgetauscht.

Aufgrund der Verletzung probierst du wettkampfmäßig Alternativen zu Triathlonwettbewerben aus, bist schon (reale) Rennen in der Rad-Bundesliga gefahren.

Das stimmt. Es ist mir aber zu gefährlich. Da passieren sehr viele Stürze und man hat sich schnell etwas gebrochen. Das ist es mir nicht wert. Ich habe mir nun extra ein Zeitfahrrad gekauft, weil ich dieses Jahr ein paar Einzelzeitfahren absolvieren wollte. Das ist nicht so gefährlich. Und ich habe mich für das Aquabike-Rennen bei der Challenge Davos angemeldet. Das ist derzeit das richtige Wettkampfformat für mich (lacht). Aber da haben erst vier Athletinnen gemeldet.

Dafür hattest du viel Zeit im Training.

Ich bin auch auf Zwift schon etwa zehn Rennen gefahren. Man merkt, dass das auch eine Übungssache ist. Ich weiß, wann ich Kraft sparen und mich an eine Gruppe hängen kann, wann ich bergab eine aerodynamische Position einnehmen muss. Man fängt auch an, sich ein richtig gutes Setup aufzubauen. Ich nutze mittlerweile zwei Ventilatoren, eine Eiswanne für kalte Handtücher und habe einen Eisbeutel, um den Kopf zu kühlen. Den Eisbeutel halten dann meine Mama, mein Papa oder mein Freund.

Wie kam die Idee mit der Eiswanne?

Wenn ich auf der Rolle sitze, kann ich ja nicht aufstehen und ins Bad gehen, um das Handtuch nass zu machen. Und wenn man das Handtuch nutzt, ist es oftmals sehr schnell aufgeheizt. Da habe ich überlegt, was ich machen kann. Die Idee mit dem Eisbeutel hatte meine Mama.


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