"Wir kannten alle Schlüsselstellen"

08.07.2020 12:17 von Thorsten Eisenhofer

Daniel Klosa hat mit den Triathlöwen Bremen das Zwift-Radrennen der Zweiten Liga Nord gewonnen. Wir haben mit ihm über das Anlegen von Listen, 13 Stunden Radfahren am Stück und das Wechseln von Schläuchen gesprochen.

Daniel, Platz drei im Einzelwettbewerb, Rang eins mit der Mannschaft. Hast du mit diesem erfolgreichen Abschneiden gerechnet?

Wir haben mit dem Team einen Platz auf dem Podium anvisiert. Das war das Ziel. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es für den Sieg reicht. Das war schon ein bisschen unerwartet.

Also war die Freude riesig?

Auf jeden Fall. Wir haben uns aber auch sehr gut vorbereitet, sind die Strecke mehrfach abgefahren, haben die wichtigen und schwierigen Abschnitte der Strecke in Listen eingetragen.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Wir haben einiges aus den Rennen der ZTSxPaceheads-Serie gelernt, zum Beispiel wo Stellen sind, an denen man den Anschluss verlieren kann oder weiß, wo es gefährlich werden kann.

Hat sich das im Zweitliga-Rennen bewährt?

Wir wussten immer, was wann zu tun ist, dass nach einem längeren, flachen Streckenabschnitt zu Beginn eine anspruchsvolle Steigung bei Kilometer 9,7 kommt, in der das Feld ziemlich sicher auseinanderreißen wird. So ist es ja dann auch gekommen. Wir wussten aber auch, dass es danach wieder flach wird und dass man daher in dem anspruchsvollen Stück mal kurz Gas geben muss, um dran zu bleiben, aber sich danach auch wieder etwas "entspannen" kann. Eine andere Schlüsselstelle war der Volcano KOM. Auch da wussten wir, was kommt und vor allem, dass am Ende nochmal eine Steigung von zehn Prozent ansteht, bei der ich auf jeden Fall schlechte Karten habe. Ich hatte aber zu Beginn des Rennens das Featherweight Powerup erhalten und bis dorthin aufbewahrt.

Wann war euch klar, dass ihr gewonnen habt?

Direkt nach Ende des Rennens haben wir schon spekuliert und ein wenig gerechnet, aber das ist natürlich mit den ganzen verschiedenen Ligen nicht so einfach. Wir haben erst kurz vor dem Ablauf der Zeit, die die Teams hatten, um ihre Ergebnisse einzutragen, in der Tabelle nachgeschaut, wo wir stehen. Wir haben dann gesehen, dass wir punktgleich mit Hamburg sind. Wir wollten natürlich den Sieg und haben gehofft, dass dafür die Platzierung des bestplatzierten Athleten den Ausschlag gibt. So ist es dann ja auch gekommen.

Den Ausschlag gab dein dritter Platz.

Ja, genau. Es hatte sich also gelohnt im finalen Sprint nochmal alles zu geben.

Wie fühlt es sich an, wenn man quasi dem Team den Sieg schenkt?

Das war schon sehr cool und ich bin auch stolz darauf. Ansonsten bin ich ja nicht so weit vorne, beziehungsweise nur auf bestimmten Strecken. Ich bin jetzt nicht gerade der leichteste Fahrer. Anstiege sind eigentlich nicht so mein Ding. Aber mit so zwei, drei kurzen, fiesen Anstiegen komme ich noch ganz gut klar.

Du bist schon vorher die Rennen der ZTSxPaceheads-Serie gefahren. Du bist also quasi Experte.

Ich wusste genau, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten muss. Wann muss man besonders reintreten, wann kann man sich ausruhen? Das war ein großer Vorteil.

Hast du dein Setup von Rennen zu Rennen mehr angepasst?

Eigentlich nicht. Das war von Beginn an ziemlich gut. Ich hatte einen großen Fernseher vor mir, um das Rennen gut verfolgen zu können und zwei Ventilatoren. Diesmal bin ich jedoch erstmals draußen gefahren, weil es so warm war.

Du bist viele Jahre „nur“ Schwimmer gewesen.

Ich bin erst seit Ende 2018 in einem Triathlonverein. Dieses Jahr ist das erste, in dem ich richtig auf Triathlon trainiere. Mein Training besteht derzeit vor allem aus Radfahren, weil ich vom Laufen immer wieder Probleme mit dem Schienbein bekomme. Wenn man bis zu 15 Stunden die Woche auf dem Rad sitzt, sollte die Form auch gut sein (lacht).

Du hast dich auch schon am „Everesting“ versucht.

Ich bin es auf Zwift gefahren, da ist ja ein bisschen einfacher als in Realität. Aber dadurch, dass ich nicht der leichteste Radfahrer bin, war es schon eine Herausforderung. Es war körperlich nicht so hart, aber sehr lange (ca. 13 Stunden, Anm. d. Red.) und dadurch natürlich mental sehr herausfordernd. Immer wieder 80 Minuten den Berg hochfahren und nur zwölf Minuten Erholung und Zeit zum Essen zu haben, ist für den Kopf nicht so einfach zu meistern. Es ist nicht leicht, jedes Mal wieder zu sagen, ich fahre noch einmal hoch.

Wirst du irgendwann komplett vom Schwimmen zum Triathlon wechseln?

Ich schwimme, seit ich klein bin. Natürlich verbessere ich mich nicht mehr so wirklich, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, damit aufzuhören. Triathlon finde ich schon immer spannend. Mich fasziniert das Zusammenspiel von drei Disziplinen.

Dein erstes Rennen wirst du nie vergessen.

Ich hatte einen Platten.

Wie lange hast du zum Wechseln des Schlauches gebraucht?

15 Minuten oder so.

Klingt ausbaufähig.

Ich habe mir erst am Abend davor von meinem Vater erklären lassen, wie ich einen Schlauch wechsle. Ich habe es dann zweimal geübt. Und musste das Neu-Erlernte dann ja leider im Wettkampf gleich anwenden.


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