Lena Meißner: Auf der Suche nach dem Gleichklang

04.06.2020 09:56 von Thorsten Eisenhofer

Die Saison 2019 von Lena Meißner kann man als recht positiv verlaufen bewerten: Dritte bei den Deutschen Meisterschaften, zweites Rennen ihrer Karriere in der World Triathlon Series (WTS) und vierter Platz im Weltcuprennen in Cagliari (Italien) - und damit das erste Weltcup-Podium ihrer Karriere nur knapp verpasst.

Die Saison 2019 von Lena Meißner kann man allerdings auch als nicht so wirklich positiv verlaufen bewerten: Bei den U23-Weltmeisterschaften als Siebte erneut das Podium verpasst, Disqualifikation beim Weltcuprennen in Madrid (Spanien) und Disqualifikation beim Weltcuprennen in Tiszaujvaros (Ungarn).

Lena Meißner tendiert zu zweiter Lesart – was nicht heißt, dass sie nicht auch viele positive Ansätze in der vergangenen Saison sieht. Aber Lena hat den Anspruch und den Ehrgeiz, dass sie immer ein gutes Ergebnis erzielen will. Immer. „Ich finde es schwer damit umzugehen, dass nicht alle Wettkämpfe perfekt laufen können“, sagt die 21-Jährige. Sie ist gewissermaßen noch auf der Suche nach dem richtigen Weg - einem Gleichklang zwischen ihrem Anspruch und der Realität.

Lena gehört noch der Altersklasse U23 an, jenem oftmals schwierigen Übergangsbereich zwischen der Zeit im Jugend- beziehungsweise Juniorenalter und der Eliteklasse. Mit dem Übergang zu den Erwachsenen steigt nicht nur die Anzahl der Konkurrentinnen und entsprechend wird es schwieriger, Top-Platzierungen zu erzielen. Das Wettkampfangebot ist auch anders. Im Nachwuchsbereich gibt es jedes Jahr drei, vier Hauptwettbewerbe: DTU-Jugendcups, Deutsche Meisterschaften und im Juniorenalter dann Europa- und Weltmeisterschaften. Eine überschaubare Anzahl. In der U23 sind nun fast alle Wettkämpfe gleichwichtig. Auf einen Höhepunkt folgt, wenn man so will, der nächste.

„Man kann nicht in zwölf Wettkämpfen über neun Monate immer super Leistungen abliefern“, sagt Lena. Sie weiß das, sie hat das auch akzeptiert. Eigentlich zumindest. Sie wollte diese Saison zeigen, dass sie sich in der Hinsicht weiterentwickelt hat, dass sie auf manche Wettbewerbe einen größeren Fokus, auf andere einen weniger großen Fokus legen kann – doch dann kam die Corona-Krise. Sie muss also warten.

Lena hat bislang im Triathlon schon viel erreicht. Ziemlich viel sogar. Sie ist Deutsche Meisterin aller Klassen: Jugend B, Jugend A, Junioren, U23, Elite. Zudem hat sie international im Nachwuchsbereich zwei EM-Bronzemedaillen gewonnen sowie Gold im Mixed Relay. Viel erfolgreicher geht eigentlich nicht. Sicherlich macht eine erfolgreiche Jugendzeit den Übergang in die Elite nicht leichter, der eh nur den allerwenigsten Athleten spielerisch leicht gelingt. Bei Lena kamen in den vergangenen Jahren auch das Ende der Schulzeit, der Wechsel an den Bundesstützpunkt nach Saarbrücken und einige kleinere Wehwehchen hinzu.

Bedenkt man das alles, verläuft Lenas Entwicklung ziemlich positiv. Diese soll nicht nur dazu führen, dass sie schlechtere Ergebnisse akzeptiert, sondern in Folge auch zu vorderen Rängen in der World Triathlon Series. „Da würde ich gerne hinkommen“, sagt sie. Sie spricht ungerne von Platzierungen, wenn es um die Skizzierung ihre Entwicklung in den kommenden Jahren geht. Sie spricht dann lieber von der Entwicklung selbst, ja von einem Weg, den sie gehen möchte.

Dieser Weg, der sie noch weit bringen soll, begann im Alter von neun Jahren. Lenas Bruder schnupperte in den Triathlon hinein. Lena, die beim Training zuschaute, blieb dann im Endeffekt hängen (im Gegensatz zu ihrem Bruder). Frank Heimerdinger, der anschließend ihr langjähriger Trainer werden sollte, hatte sie gefragt, ob sie nicht auch mitmachen will. Lena wollte. Am Ende eines zweiwöchigen Schnupperkurses folgte ihr erster Triathlonwettkampf – noch mit einem Stahlrahmenrad und mit Badeanzug. „Der Wettkampf hat richtig Spaß gemacht“, erinnert sich Lena.

Nach einigen Jahren „Kinderbewegungstraining“ (Meißner), bei dem der Spaß im Vordergrund stand, folgte dann unbewusst („Ich habe da nie darüber nachgedacht“) Schritt für Schritt der Übergang von der reinen Hobbyathletin in Richtung Nachwuchsleistungssport. Lena besuchte ab der fünften Klasse ein Sportgymnasium (inklusive erster in den Schulalltag integrierter Trainingseinheiten), die Ziele und Ergebnisse wurden anspruchsvoller: Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft, erste Podiumsplatzierungen bei Rennen des DTU-Jugendcups und Deutschen Nachwuchsmeisterschaften. „Dann hat es mich richtiggehend gepackt“, sagt Lena. Es war quasi der Startschuss zu einer Karriere als Leistungssportlerin über die Jugendzeit hinaus. Und der Beginn eines Weges, auf dem sie es noch weit bringen kann.


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