Mein erster Triathlon (30): Jens Köhler

17.06.2020 10:39 von Thorsten Eisenhofer

Wie war das noch damals? Wie ging es los? In unserer Serie „Mein erster Triathlon“ erzählen Profisportler, Altersklassen-Athleten oder Menschen, die beruflich mit Triathlon zu tun haben, von ihren Anfängen im Ausdauerdreikampf. Heute: Jens Köhler. Sein erster Triathlon endete kurz nach der zweiten Wechselzone –beinahe.

200 Meter nach der zweiten Wechselzone konnte ich nicht mehr. Meine Oberschenkelmuskeln waren hart. Hart wie Beton. Die Muskeln schmerzten höllisch, bei jedem Schritt. Fortbewegen konnte ich mich nur noch mit ganz kleinen Schritten, musste zwischendurch immer wieder stehen bleiben. Es war die reinste Quälerei. Nach vielleicht 500 Metern sah ich ein paar Meter vor mir einen Streckenposten und einen Sanitäter stehen. Ich beschloss, noch bis zu ihnen zu gehen – und dann aufzugeben. Denn als solch eine Quälerei hatte ich mir meinen ersten Triathlon nicht vorgestellt.

Dass ich mich für den Hückeswagener Volkstriathlon im August 2019 angemeldet habe, habe ich zu großen Teilen meiner Frau zu verdanken. Oder besser gesagt: der Firma meiner Frau. Ein paar Monate vor jenem Hückeswagener Volkstriathlon kam sie vom Arbeiten nach Hause und erzählte, dass sie mit Kollegen an einem Firmenlauf teilnehmen wird. Wir gingen einige Male zusammen laufen, weil das Training zusammen mehr Spaß macht. Beim Firmenlauf war ich dann als Zuschauer dabei. Begeistert dabei. Die Stimmung, die Leistungen der Athleten, das hat mich richtig mitgerissen. Noch an diesem Tag beschloss ich, dass ich auch einen Wettkampf absolvieren will. Ein Triathlon wurde es, weil ich schon des Öfteren die Ironman-WM auf Hawaii im Fernsehen gesehen haben – und die Leistungen der Menschen bewundere.

Ich meldete mich sofort für den Hückeswagener Volkstriathlon an. So war klar: ich muss es durchziehen. Ich begann zu trainieren. Das Laufen und das Radfahren fielen mir leicht. Laufen bin ich früher regelmäßig gegangen. Mit dem Rad fahre ich täglich zur Arbeit. Nur das Schwimmen bereitete mir ein paar Probleme. Von der Idee, Kraulschwimmen zu lernen, verabschiedete ich mich schnell. Noch heute muss ich nach 25 Metern Kraulen erst einmal eine Pause einlegen, weil ich so kaputt bin. So war also klar: ich werde Brustschwimmen.

Vor dem Schwimmen hatte ich auch am Tag der Tage am meisten Respekt. Ich war der einzige Athlet meiner Startgruppe ohne Neoprenanzug. Und die Aufregung, ein bisschen auch die Unsicherheit aufgrund der vielen durchtrainierten Athleten neben mir, trug dann auch dazu bei, dass ich die ersten Meter schwamm wie ein Nichtschwimmer, den man mal eben ins Wasser gestoßen hat. Aber nach ein paar Metern wurde es besser. Und ich war nicht mal der Letzte – obwohl ich der einzige Brustschwimmer war. Auch die Tatsache, dass die schnellsten Schwimmer meiner Startgruppe schon in der ersten Wechselzone waren, als ich gerade einmal die Hälfte der 500 Meter zurückgelegt hatte, deprimierte mich nicht.

Dafür lief es dann ja auf dem Rad besser – ich konnte einige Athleten überholen. Mit einem Sportler duellierte ich mich über einen längeren Zeitraum. Er war auf den ebenen Streckenabschnitten schneller, ich auf den hügeligen. So überholten wir uns immer wieder. Erst bei einem langen Anstieg kurz vor dem Ende der Radstrecke konnte ich ihn abschütteln.

Vielleicht habe ich dabei ein bisschen mehr Energie eingesetzt als ich wollte und mich ein bisschen verausgabt. Dies und die Tatsache, dass es die ersten Meter nach der Wechselzone steil bergab ging, führten vermutlich zu der verhärteten Muskulatur, die mich nun also zum Aufgeben zwingen würde.

Kurz bevor ich den Sanitäter und den Streckenposten erreichte, überholte mich ein älterer Mann. Er hielt an und sagte zu mir: „Das hatte ich auch schon oft. Geh einfach langsam weiter.“ Diese Worte empfand ich als sehr nett. Und als sehr motivierend. Ich dachte: Solche Probleme haben auch schon andere Sportler gemeistert. Also kannst du sie auch meistern. Ich beschloss: Ich werde den Triathlon beenden. Nicht an dieser Stelle nach 700 Metern. Sondern als Finisher im Ziel nach 5 Kilometern.

Also ging ich weiter. Ich konnte sogar immer mal wieder joggen. Wenn auch nur für 100 oder 200 Meter, bis die Schmerzen wieder zu stark wurden. Aber ich schaffte es ins Ziel. Und trotz der Schmerzen und trotz der Fast-Aufgabe war ich sehr stolz auf mich. Es ist einfach ein tolles Gefühl, einen Triathlon zu finishen.

Du hast auch eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Dein erstes Rennen verbindest du mit tollen Erinnerungen, witzigen Momenten oder einer ganz besonderen Anekdote? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald ein Bericht über deinen ersten Triathlon.


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