"Während des Rennens können wir uns zurücklehen und Chips essen"

17.06.2020 11:18 von Thorsten Eisenhofer

In knapp zehn Tagen starten die 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga und die Zweiten Ligen Nord und Süd mit einem Zwift-Radrennen in die Saison 2020. Das Radrennen wird in Kooperation mit ZTSxPaceheads ausgetragen. Mit Fabian Helbing und Franz Bayer von Paceheads sowie Dawid Jakubowski vom Tri Team Hamburg haben wir über brillante Einfälle auf dem Rad, Chipsessen während des Rennens und Waschmaschinen im Schleudergang gesprochen.

Könnt ihr euch an euer erstes Mal auf der Rolle erinnern?

Franz: Ich fahre seit über zwei Jahren auf der Rolle. Anfangs bin ich vor allem im Winter gefahren, habe dann aber gemerkt, dass ich zum Beispiel Intervalle auf der Rolle viel intensiver fahren kann, weil ich nicht auf den Straßenverkehr achten muss und keine widrigen Witterungsbedingungen vorfinde. Das erste Rennen bin ich im Rahmen der ZTS-Paceheads-Serie dieses Jahr gefahren. Da ging es so richtig ab, man quält sich nochmal viel mehr, weil man – im Gegensatz zu realen Rennen - nicht auf sein direktes Umfeld achten muss.

Fabian: Ich komme aus dem Fußball. Wenn Franz vor ein paar Jahren eine sechsstündige Ausfahrt auf dem Rad gemacht hat, habe ich mir immer gedacht: Wie kann man so etwas machen? Das war eine fremde Welt für mich. Mittlerweile ist so etwas selbstverständlich für mich.

Dawid: Auf normalen Rollen fahre ich schon seit 2013. Als ich dann vor rund zwei Jahren in eine neue Wohnung gezogen bin, stand irgendwann die Nachbarin vor der Tür und fragte, warum meine Waschmaschine sonntags immer zwei Stunden im Schleudergang läuft. Ich wusste erst nicht, was sie meint. Dann ist mir eingefallen, dass das von meiner Rolle kommt. Die Nachbarin hat mich dann gebeten, dass Rollenfahren sonntags zu unterlassen. Ich habe mir dann eine neue Rolle gekauft, einen Smart-Trainer.

Seitdem hat sich die Nachbarin nicht mehr beschwert?

(lacht) Nein, zum Glück nicht mehr.

Wie viel Arbeit habt ihr am 28. Juni, also am Tag des Rennens?

Franz: Die Infrastruktur kommt von Zwift. Unsere Arbeit ist eher im Vorfeld, bei der Planung des Rennens und der Abstimmung mit Zwift. Wir schauen auch, dass die Fragen der Athleten beantwortet sind. Während des Rennens könnten wir uns also zurücklehnen und Chips essen. Ich werde aber mitfahren, da es ein öffentliches Rennen ist und man sich mit den Bundesliga-Athleten und Sportlern der Zweiten Liga messen kann.

Dawid: Viel Arbeit ist schon geleistet worden, einige Arbeit ist noch zu tun. Am Tag des Rennens ist zum Beispiel die Sprintwertung zu überwachen und die Ergebnisse sind zeitnah nach dem Rennen zu veröffentlichen.

Ihr habt zusammen schon die Zwift Tri Series aufgezogen, die erste virtuelle Triathlon-Radserie. Es ging über acht Rennen. Wie kam die Idee dazu zustande?

Dawid: Ich bin eines Tages in der Lockdown-Phase ein Zwift-Radrennen gefahren. Ich kannte keinen der anderen Teilnehmer. Ich habe dann gedacht: warum kann ich solch ein Rennen nicht gegen andere Triathleten fahren? Ich habe dann zwei Tage darüber nachgedacht, einen Plan entworfen, wie Triathlon-Teams gegeneinander antreten können, und dann Hauke (Heller, Vorsitzender des Triathlon-Teams Hamburg, Anm. d. Red.) angerufen und ihm von der Idee erzählt. Er war Feuer und Flamme und ich habe dann gleich begonnen, ein Regelwerk auszuarbeiten. Hauke hat dann die Teams der Regionalliga Nord und der Zweiten Liga Nord angeschrieben. Wir dachten, vielleicht machen dann ja acht Männer und sechs Frauenteams mit.

Stattdessen haben sich immer mehr Teams angemeldet und ihr habt euch dann mit den Jungs von Paceheads zusammen getan.

Fabian: Wir haben dann Synergieeffekte aufgezeigt, um das Ganze größer aufzuziehen. Ich habe Dawid auch gefragt: Weißt du, was für ein Potential das hat?

War dir das Potential bewusst, Dawid?

Dawid: Ich hätte nicht gedacht, dass es so durch die Decke schießt. Plötzlich haben sich auch Teams aus Mittel- und Süddeutschland gemeldet, die auf die Serie aufmerksam geworden sind. Es waren dann 50 Teams und über 500 Starter.

Vermutlich seid ihr ziemlich stolz darauf?

Dawid: Es hat gezeigt, dass man es anpacken und tun sollte, wenn man eine Idee hat. Es war, wie wenn man einen kleinen Schneeball ins Rollen bringt und dieser immer größer wird. Wir sind glücklich, den Athleten in der harten Coronazeit so etwas bieten zu können und so viele Sportler zusammengebracht zu haben.

Fabian: Das ist unglaublich cool. Es ist schön zu sehen, dass die Leute so viel Spaß zusammen haben. Die quälen sich, steigen vom Rad ab, sind total fertig und fanden es trotzdem so cool, dass sie am nächsten Tag wieder aufs Rad steigen.

Dann kam die Anfrage der Deutschen Triathlon Union (DTU), ob ihr sie beim Zwift-Radrennen unterstützen könnt, das zugleich der Auftakt in die Saison 2020 ist.

Franz: Als neun Monate junges Start-up-Unternehmen haben wir uns natürlich gefreut, als die Anfrage der DTU kam und unsere Hilfe angeboten. Wir freuen uns auf das Rennen.

Fabian: Wir hoffen, dass es dadurch noch mehr Zuspruch für Triathlon geben wird. Es kann ja auch mal den Weg geben, dass die Leute Indoorcycling cool finden und dann irgendwann rausgehen und Triathlon machen.

Dawid: Ich musste erstmal schlucken, als ich von der Anfrage erfahren habe. Dass wir Interesse bei der DTU geweckt haben, war eine Bestätigung unserer Arbeit. Ich war super stolz, dass sie mit uns zusammenarbeiten wollen.


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