Wie ein Unfall Janet Fieker zum Duathlon brachte

22.06.2020 11:52 von Jonas Klee

Viele Jahre lang fährt Janet Fieker leidenschaftlich bei Radrennen mit. Bis sie bei einem Wettkampf schwer stürzt. Von da an kämpft die 43-Jährige mit der Angst. In der Gruppe fahren, kann sie nicht mehr. Aufhören, will sie nicht. So wechselst sie schließlich zum Duathlon.

Janet Fieker trainiert fast jeden Tag. Und das seit vielen Jahren. Bevor sie zur Arbeit fährt, geht sie häufig laufen. Nach der Arbeit schwingt sie sich meistens auf ihr Rennrad. Am Wochenende fährt sie längere Touren. Ihr Partner hat dafür Verständnis. Mittlerweile begleitet er sie nicht nur auf dem Rennrad, sondern auch zu ihren Wettkämpfen. Diese Unterstützung ist Janet sehr wichtig. Denn beinahe hätte sie den Sport, den sie liebt, aufgegeben.

Ein folgenschwerer Sturz

Früher nahm Janet regelmäßig an Radrennen im Jedermann-Bereich teil. Beim German Cycling Cup fuhr sie in ihrer Altersklasse mehrfach auf das Podium.

Doch im Mai 2012 stürzt Janet bei einem Wettkampf schwer. Sie ist in einer großen Gruppe unterwegs, als von hinten jemand auf ihr Hinterrad auffährt. Es kommt zum Massensturz. Auch Janet geht zu Boden. Sie fällt auf ihr Handgelenk. Es ist gebrochen. Genauso wie ihr Fußgelenk. Davon bemerkt sie im ersten Moment nichts. Sie steht unter Schock. Auch, dass der Rahmen ihres Rads gebrochen ist, bemerkt sie erst, als sie sich wieder auf ihr Rad setzen will, um weiterzufahren. Schließlich geht es bei dem Rennen um Punkte. Und Janet ist sehr ehrgeizig.

Danach dauert es eine Weile, bis sich die heute 43-Jährige von ihren Verletzungen erholt und sich wieder auf ihr Rennrad setzt. Doch sie bemerkt schnell, dass es sich nicht mehr so anfühlt, wie vor ihrem Sturz. Sie hat Angst. Angst vor Kurven. Angst vor dem Absteigen. Angst davor, in der Gruppe zu fahren. Und dennoch: Sobald der Gips ab ist, gibt sie ihrem innerlichen Drang nach und fährt wieder bei Rennen mit.

Janet gewinnt sogar das erste Rennen nach ihrem Sturz über die Kurzdistanz. Doch sie muss sich eingestehen, dass ihr das nur möglich war, weil sie von Anfang an alleine vornewegfahren konnte. Und nicht in einer Gruppe. Auch bei längeren Strecken merkt sie fortan, dass es ihr immer schwerer fällt. Weitermachen wie bisher kann sie nicht. Und da das Einzelzeitfahren für sie keine Option ist, sucht sie nach einer Alternative.

„Ich finde den Duathlon sogar abwechslungsreicher und vielseitiger"

Noch im gleichen Jahr fängt Janet mit dem Laufen an. Eigentlich war das nie so ihr Ding. „Wofür gibt’s denn schließlich Fahrräder?“, hätte sie vor ihrem Sturz gesagt, wenn sie sich zwischen Fahrradfahren und Laufen hätte entscheiden müssen. Doch nun ist alles anders. Das Laufen beginnt Janet zu gefallen. Doch nur zu laufen, ist ihr zu langweilig. Weil ihr das Radfahren fehlt, kombiniert sie beide Sportarten. So landet Janet schließlich beim Duathlon.

In ihrer Heimat in Sachsen-Anhalt gibt es eine Duathlon-Serie, bei der Janet nun regelmäßig an den Start geht. Die Fahrer müssen zwölf Meter Abstand einhalten. Das Windschattenverbot gibt Janet zusätzliche Sicherheit. Ihre Nervosität auf dem Rennrad kann sie zwar nicht vollkommen ablegen, doch Sorgen um das Fahren in großen Gruppen oder Auffahrunfällen muss sie sich nun nicht mehr machen.

„Hinter mir darf niemand fahren. Die Angst, wieder zu stürzen, ist einfach in mir drin“, sagt Janet heute. Obwohl sie ihr Sturz vor acht Jahren auch heute noch belastet, hat sie sich mit ihrer Situation arrangiert. Mehr noch: Sie ist froh, beim Duathlon gelandet zu sein. Ohne ihren Sturz wäre das wahrscheinlich nicht passiert. „Ich finde mittlerweile den Duathlon sogar abwechslungsreicher und vielseitiger. Im Winter und Frühling mal laufen zu gehen, ist viel schöner, als immer nur mit dem Fahrrad unterwegs zu sein“, sagt die 43-Jährige.

Und auch im Duathlon kann sie großartige, persönliche Erfolge feiern: 2015 wird sie in Zofingen bei der Duathlon-WM über die Langdistanz Zweite in ihrer Altersklasse. Ein Jahr später kann sie ihre Bestzeit an gleicher Stelle sogar deutlich verbessern. Auch wenn es für sie nur zum vierten Platz reicht, ist es für sie einer der schönsten Momente in ihrer bisherigen Karriere als Hobby-Sportlerin. Und das, obwohl sie dabei länger Laufen musste, als Fahrrad zu fahren.


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