Lukas und sein ungewöhnlicher Weg in den Triathlon

12.03.2020 11:22 von Thorsten Eisenhofer

Als Jugendlicher spielte Lukas in der höchsten französischen Handballliga für Nachwuchsakteure. Er maß sich mit Talenten wie Melvyn Richardson, mittlerweile unter anderem Champions-League-Sieger und WM-Dritter. Von einer großen Karriere als Handballer träumte Lukas allerdings nicht. Er sagt, er sei von den körperlichen Voraussetzungen nicht für den Profi-Handball gemacht: „Der Schritt in die erste französische Liga wäre für mich zu groß gewesen.“ Mit Beginn seines Studiums beendete Lukas seine Handballkarriere.

Lukas, dessen Vater Deutscher und dessen Mutter Französin ist, konzentrierte sich fortan auf sein Wirtschaftsingenieurstudium. Er ging nur ab und zu laufen und an der Uni Handball spielen. Dann kam jener Tag, an dem er ein längeres Gespräch mit seiner Tante führte. Seine Tante, so erzählt es Lukas, ist sehr sportbegeistert. Sie berichtete ihm von Triathlon. Lukas kannte Triathlon. Aber er hatte sich nie wirklich damit auseinandergesetzt. „Ich dachte, schon krass. Drei Disziplinen. Und diese auch noch direkt hintereinander.“ Das faszinierte ihn, forderte ihn heraus. Er setzte sich vor seinen Computer und informierte sich über Triathlon. Lukas fand heraus: In seinem Heimatort findet in ein paar Monaten ein Triathlon statt. „Ich dachte, das ist eine schöne Herausforderung“, sagte Lukas. Er meldete sich an.

Er hatte keine Ahnung, wie man für einen Triathlon trainiert. Er probierte einfach Dinge aus. Kraulen brachte er sich selbst bei. Internetvideos halfen ihm bei der Vorbereitung. Rang 70 unter fast 1000 Startern über die Olympische Distanz waren das Ergebnis. Ein Ergebnis, das ihn zufriedenstellte und glücklich machte. „Ich habe mir die Ergebnisse angeschaut und gedacht: In ein paar Jahren kann ich bei dem Rennen ganz vorne landen.“

Lukas hatte Gefallen an der neuen Sportart gefunden. In Lille, der Stadt, in der er studiert, trat er einem Verein bei. Außerdem trainierte er regelmäßig mit guten Nachwuchsathleten, die ihm viele Tipps gaben. Ende März 2019 lief er zehn Kilometer in 35 Minuten. „Das ist ein erster Schritt gewesen“, sagt er.

Ein erster Schritt unter vielen, die noch folgen müssen, will er sein Ziel erreichen: im Weltcup zu starten. Vor allem beim Schwimmen hapert es bei Lukas noch. „Es ist nicht einfach, als Handballer ins Wasser zu springen und los zu schwimmen. Das braucht seine Zeit.“ Im vergangenen Herbst hat er eine Woche am Bundesstützpunkt in Saarbrücken mittrainiert und festgestellt: „Die anderen schwimmen so schnell, das ist der Hammer.“ Im Radfahren und im Laufen hat er dagegen bereits gute Fortschritte erzielt.

Im vergangenen Jahr verbrachte Lukas im Rahmen eines universitären Pflichtpraktikums mehrere Monate in Deutschland. Während dieser Zeit nahm er nicht nur am Hamburg Wasser World Triathlon teil. Nein, er wurde auch auf das Talenttransferprogramm der Deutschen Triathlon Union aufmerksam. Er war froh über die Chance, die sich ihm als Quereinsteiger bot. „Mir war sofort klar, ich will diese Möglichkeit nutzen“, sagt Lukas. Er verbrachte mit weiteren Quereinsteigern drei Tage in Saarbrücken, zeigte sein Können im Schwimmen, Radfahren und Laufen – und wurde von Steffen Justus, DTU-Bundestrainer Sichtung, und Nachwuchsbundestrainer Thomas Moeller, die das Projekt leiten, ausgewählt. „Ich war super glücklich, als Steffen zwei Tage später angerufen hat und meinte, ich bin dabei. Ich bin ihm und Thomas sehr dankbar“, sagt Lukas.

Im vergangenen Herbst startete sein Trainingsprogramm. Bis Anfang kommenden Jahres studiert der 22-Jährige noch in Lille. Danach möchte er nach Deutschland kommen. Sein Traum ist es, Profi zu werden. Zumindest den Sprung in den Europa- und Weltcup möchte er schaffen. „Die Tür ist geöffnet. Jetzt liegt es an mir, diese Tür offen zu halten“, sagt Lukas. Im Gegensatz zu der Situation im Handball möchte er die Tür in den Profibereich im Triathlon gerne durchschreiten.

Das Talenttransferprojekt richtet sich an Sportler*innen im Alter von 16 bis 22 Jahren, die sich sportlich noch mal neu orientieren wollen. Nach einem Sichtungslehrgang erhalten ausgewählte Athlet*innen von der DTU zunächst ein Jahr Unterstützung und werden in die Trainings- und Wettkampfstruktur der DTU integriert. Ziel ist, dass sie sich mittelfristig auf internationaler Wettkampfebene etablieren.


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